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Neuerscheinung im Verlag des Römermuseums Augst
Annäherung an einen Traum ...
oder «Was ist Archäologie?»
 

Die Archäologie ist ein Forschungsgebiet, welches seit Jahrzehnten auch breiteste Kreise fasziniert: Von den Schweizer Pfahlbauten über den Grabschatz des Tutenchamun, von Schliemanns Trojaforschung bis zu Spielbergs Filmthriller «Jäger des verlorenen Schatzes» sind authentische wie visionäre Beispiele aus der ewigen Suche nach unseren Wurzeln äusserst aktuell.

Wir möchten Ihnen die neuste Publikation aus dem Verlag des Römermuseums Augst vorstellen. Es gehört zu meinen Aufgaben als Leiter der Römerstadt Augusta Raurica, die von der öffentlichen Hand betriebenen archäologischen Arbeiten - in unserem Falle die vom Kanton Baselland in Augst geleistete Römerforschung - nicht nur wissenschaftlich zu betreuen, sondern die Forschungsergebnisse wie auch die antiken Sehenswürdigkeiten im Freilichtmuseum der Römerstadt Augusta Raurica einem breiten Publikum zu vermitteln.

Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie die beiliegende Neuerscheinung prüfen und Ihrem Publikum in geeigneter Form vorstellen würden!

Jetzt liegt eine übersichtliche und leicht lesbare Broschüre vor, welche den Leser, die Leserin in den reellen Alltag der Archäologinnen und Archäologen begleitet. Der Leitfaden «Was ist Archäologie?» ist von einem erfahrenen Fachmann und Praktiker für ein breites interessiertes Publikum geschrieben. Autor Dr. Jürg Rychener hat langjährige Ausgrabungs- und Forschungserfahrungen auf mittelalterlichen Burgen in der Ostschweiz, in prähistorischen Ufersiedlungen am Bielersee, im römischen Städtchen Oberwinterthur und in antiken Gutshöfen im Kanton Zürich sowie in der Römerstadt Augusta Raurica im Kanton Baselland sammeln können. Als Praktiker und Theoretiker gleichermassen und mit grosser wissenschaftlicher Publikationserfahrung berichtet er nun über die Arbeitsweise im Feld, bei Wind und Wetter; über die Dokumentationstechniken und vor allem - und dies ist einzigartig im einschlägigen Schrifttum - über die kulturgeschichtlichen Schwerpunkte und Fragestellungen, die immer das Ziel archäologischer Arbeit sein sollten. So entsteht ein ganz anderes Bild von der Erforschung unserer Vergangenheit als es seit über hundert Jahren geprägt wurde: Nicht der einzelne schöne Fundgegenstand, das «Kunstobjekt», ist das Ziel allen Ausgrabens, sondern die wissenschaftliche Befragung der Erdschichten und der Fundumstände sowie die peinlich genaue Dokumentation der Zusammenhänge schon auf den Ausgrabungen. Nur so eröffnen sich Aussagen über die Lebensweise unserer Vorfahren, nur mit diesem modernen Verständnis kann heute die Geschichte von Epochen geschrieben werden, die noch keine Schrift kannten oder zumindest wenig Schriftliches hinterlassen haben.

60 Abbildungen, durchgehend in Farbe, illustrieren praxisnah und mit einem direkten Bezug zum Text die verschiedenen Arbeiten, Methoden und Dokumentationen. Alle Fotos stammen aus der Römerstadt Augusta Raurica, dem wohl renommiertesten permanenten Ausgrabungsort der Schweiz. Das Büchlein wird abgerundet mit Erläuterungen von häufig verwendeten archäologischen Begriffen und mit einer Charakterisierung der vielseitigen Berufe, die sich mit Archäologie befassen.

Alex R. Furger


Jürg Rychener: Was ist Archäologie? Annäherung an einen Traum
Augster Museumshefte 27. Verlag Römermuseum Augst (Augst 2001).
40 Seiten, 60 Abbildungen (alle in Farbe). CHF 18.--, ISBN 3-7151-1027-9
Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt bei: Schwabe & Co. AG, Buchauslieferung, Farnsburgerstrasse 8, CH-4132 Muttenz, Tel. 0041 (0)61 467 85 75, Fax 0041 (0)61 467 85 76, E-mail: auslieferung@schwabe.ch (Bestellnummer 1027-9) oder an der Museumskasse in Augst.


«Ausgrabungen ... stossen häufig auf grosses Interesse». Führungen gehören bei Ausgrabungen zum Alltag der Grabungsleitung, denn die Besucher und Besucherinnen der Römerstadt sind ein aufmerksames Publikum. Ist eine grössere Grabung im Gange, werden jeden Werktag die sogenannten Mittagsführungen angeboten.
 
«Funde im Befund: Womöglich ist die Herkunft sogar ein ganz direkter Hinweis ...». Die beiden vollständig erhaltenen Tonkrüge liegen in einer ausgemauerten Grube. Zusammen mit anderen Indizien bezeugen sie hier den Standort einer Gemeinschaftslatrine. Denn vollständig erhalten bedeutet in diesem Fall: Sie wurden sicher in diesem Raum gebraucht, nämlich als Behälter für Wasser zum Reinigen des Körpers.
 
«Sieht man bei den Keramikscherben, dass es darunter eine Anzahl ... gibt, die aneinanderpassen ...» Die Suche nach Passscherben aus benachbarten Fundorten gibt Hinweise auf mögliche Zusammenhänge zwischen den Befunden, etwa zwischen einer Grubenfüllung und einer an die Grube anschliessenden Schicht. Ergeben sich daraus zu grossen Teilen oder gar zur Gänze erhaltene Gefässe, werden sie zusammengeklebt.
 
«... werden die archäologischen Quellen durch ihre Erforschung unwiderruflich zerstört ...». Der Bagger reisst hier auch die stabilen Ruinen beiseite, um Platz für ein heutiges Bauwerk zu schaffen. Bald wird in der Baugrube nichts mehr an die «alten Römer» erinnern.
 
«Profile ... offenbaren die Geschichte, das <Geschichtete> am augenscheinlichsten.» Sowohl das Fotografieren als auch das Zeichnen von Profilen erfordern einen erheblichen Aufwand. Bei Fotos ist die Beleuchtung entscheidend (und weder Profil noch Sonne lassen sich an den idealen Standort verschieben), ebenso die genaue Ausrichtung der Kamera. Bei der Zeichnung ist das bewusste Sehen und Definieren von Schichtgrenzen wichtig, was häufig im Rahmen einer Diskussion zwischen Grabungsleiter und Zeichner erarbeitet werden muss. Nicht Gesehenes oder nicht Verstandenes lässt sich nur selten nachträglich noch sehen oder verstehen.
 
«In der Zeichnung werden die Befunde massstäblich verkleinert festgehalten.» Über dem Befund liegt der Zeichnungsraster (das so genannte Netz, hier mit einer Maschenweite von 20 cm), auf dem Feldtisch liegen die wichtigsten Utensilien für das zeichnerische Erfassen eines Befundes, darunter Metermass und Senkblei.


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