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Von fischen und Menschen
 

Berufsleute aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen - von Archäologinnen über Historiker bis zu Zoologinnen - haben ihr gesamtes Wissen über die Gewässer in der Nordwestschweiz, ihre Nutzung durch den Menschen sowie die darin lebenden Fische zusammengetragen. Das Resultat ist ein reich bebildertes Buch, in dessen Brennpunkt Überlegungen zum Verhältnis Mensch-Natur im Verlauf der letzten 2000 Jahre stehen. So konnte z.B. festgestellt werden, dass der Wasserverbrauch im römischen Augusta Raurica täglich unglaubliche1200 Liter pro Kopf betragen hat.

Ausgehend von der Frage, wie das menschliche Denken und Handeln in den letzten 2000 Jahren die einheimischen Gewässer und deren Nutzung beeinflusst haben, beleuchten die einzelnen Beiträge alle nur erdenklichen Facetten. Angefangen beim unterschiedlichen Wasserverbrauch in den verschiedenen Epochen - täglich 1200 Liter in Augusta Raurica, 370 Liter in Basel heute! - über die Erläuterungen zu den Ratschlägen römischer Ärzte, keine Fische aus verschmutzten Gewässern zu konsumieren, bis hin zu den menschlichen Einflüssen auf die Gewässer und die Fischfauna („Macht die Antibabypille unsere Fische unfruchtbar?"), spannt das reich illustrierte Buch einen weiten Bogen von der Antike bis in die Gegenwart.

Im Zentrum stehen dabei Untersuchungen zu den Fischen und zum Fischereiwesen. Zur Sprache kommen nicht nur technische Aspekte - wie die historische Entwicklung der verschiedenen Fanggeräte - sondern auch die sozial-politischen Verhältnisse rund um den Berufsstand der Fischer. Ausführliche Überlegungen zur Hobbyfischerei im Laufe der Zeit runden das Bild auf informative Weise ab. Und natürlich darf in einer solchen Publikation der kulinarische Aspekt nicht zu kurz kommen: So ist von römischen Fischteichen die Rede, die - je nach gastronomischem Trend - mit Salz- oder mit Süsswasser gefüllt waren. Weniger begüterte Konsumenten und Konsumentinnen mussten mit Fischkonserven Vorlieb nehmen, die in riesigen Fischfabriken hergestellt wurden. Das Spätmittelalter erlebte einen eigentlichen Teichbauboom. Damals wurde die Zucht von Edelfischen nicht nur von den Klöstern, sondern auch von den weltlichen Landesherren als lukrative Einnahmequelle entdeckt. Doch die Anlage der künstlichen Gewässer - und die damit einhergehende Überflutung ganzer Landstriche - barg auch sozialen Sprengstoff: Für das Anlegen der oft riesigen Teiche wurden vielerorts Bauern enteignet und zu Fronarbeiten gezwungen.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts war die Blüte der Teichwirtschaft vorbei. Die Fischzucht wurde aber im 19. Jahrhundert wieder entdeckt; in Hüningen bei Basel entstand die erste europäische künstliche Fischzuchtanstalt. Von dort aus trat 1881 die ursprünglich aus Amerika stammende Regenbogenforelle ihren Siegeszug durch Europa an, der bis in unsere Tage anhält. Heute wird die ehemalige kaiserliche Fischzuchtanstalt als Aufzuchtstation für Junglachse genutzt und kann auf dem Gelände der „Petite Camargue Alsacienne" besichtigt werden.

Nicht zu kurz kommen auch die Protagonisten des Buches, die Fische. Ein eigener Beitrag ist dem Karpfen gewidmet, der erst im Mittelalter in die einheimischen Gewässer eingewandert ist. Umfassende Betrachtungen über den Fischkonsum durch die Jahrhunderte runden die kulturhistorische Reise durch die Gewässer und zu ihren Nutzniessern, den Menschen, ab.

Ganz wesentliche Beiträge zur fischereiwirtschaftlichen Zeitreise durch die Nordwestschweiz hat eine eher wenig bekannte Berufsgattung geleistet: die Archäoosteologie. Osteologen und Osteologinnen sind es, die auf archäologischen Ausgrabungen in minutiöser Kleinstarbeit Knochen, Knöchelchen oder eben Fischgräten und Schuppen aus dem Erdreich herausklauben, sie analysieren und mit ihren Forschungsresultaten entscheidend zu unserem Wissen über Tiere, Pflanzen und Ernährungsgewohnheiten vergangener Zeiten beitragen.

Entstanden aus einer privaten Initiative, durch private Spenden finanziert und durchgeführt von einem international zusammengesetzten Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - u.a. von der Universität Basel und der Römerstadt Augusta Raurica - hat dieses ungewöhnliche Projekt seinen Abschluss in einer reich bebilderten Publikation gefunden, die sich an einen breiten Leserkreis richtet.

      



Heide Hüster Plogmann (Hrsg.)
und neunzehnköpfiges Autorenkollektiv:

Fisch und Fischer aus zwei Jahrtausenden.
Eine fischereiwirtschaftliche Zeitreise durch die Nordwestschweiz

2006. 244 Seiten, 138 Abbildungen (fast durchgehend in Farbe).
Format 24,5 × 29,7 cm. Gebunden (Forschungen in Augst 39)
ISBN 3-7151-0039-7
CHF 60.- / € 40.-

1. Fisch und Fischer aus zwei Jahrtausenden
2. zum Inhalt


Besprechungsexemplare können bei: Römerstadt Augusta Raurica, per Kontaktformular angefordert werden.

Für weitere Auskünfte stehen Ihnen die Verantwortliche für Public Relations, Karin Kob, Telefon: +41 (0)61 816 22 21 oder

die Assistentin der Geschäftsleitung, Astrid Mathys, Telefon: +41 (0)61 816 22 58, gerne zur Verfügung.

Erhältlich ist das Werk bei:
Schwabe & Co. AG, CH-4132 Muttenz, oder im Buchhandel.


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