Berufsleute aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen - von Archäologinnen über Historiker bis zu Zoologinnen - haben ihr gesamtes Wissen über die Gewässer in der Nordwestschweiz, ihre Nutzung durch den Menschen sowie die darin lebenden Fische
zusammengetragen. Das Resultat ist ein reich bebildertes Buch, in dessen Brennpunkt Überlegungen zum Verhältnis Mensch-Natur im Verlauf der letzten 2000 Jahre stehen. So konnte z.B. festgestellt werden, dass der Wasserverbrauch im römischen Augusta
Raurica täglich unglaubliche1200 Liter pro Kopf betragen hat. Im Zentrum stehen dabei Untersuchungen zu den Fischen und zum Fischereiwesen. Zur Sprache kommen nicht nur technische Aspekte - wie
die historische Entwicklung der verschiedenen Fanggeräte - sondern auch die sozial-politischen Verhältnisse rund um den Berufsstand der
Fischer. Ausführliche Überlegungen zur Hobbyfischerei im Laufe der Zeit runden das Bild auf informative Weise ab. Und natürlich darf in einer
solchen Publikation der kulinarische Aspekt nicht zu kurz kommen: So ist von römischen Fischteichen die Rede, die - je nach
gastronomischem Trend - mit Salz- oder mit Süsswasser gefüllt waren. Weniger begüterte Konsumenten und Konsumentinnen mussten mit
Fischkonserven Vorlieb nehmen, die in riesigen Fischfabriken hergestellt wurden. Das Spätmittelalter erlebte einen eigentlichen
Teichbauboom. Damals wurde die Zucht von Edelfischen nicht nur von den Klöstern, sondern auch von den weltlichen Landesherren als
lukrative Einnahmequelle entdeckt. Doch die Anlage der künstlichen Gewässer - und die damit einhergehende Überflutung ganzer
Landstriche - barg auch sozialen Sprengstoff: Für das Anlegen der oft riesigen Teiche wurden vielerorts Bauern enteignet und zu Fronarbeiten
gezwungen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts war die Blüte der Teichwirtschaft vorbei. Die Fischzucht wurde aber im 19. Jahrhundert wieder entdeckt; in
Hüningen bei Basel entstand die erste europäische künstliche Fischzuchtanstalt. Von dort aus trat 1881 die ursprünglich aus Amerika
stammende Regenbogenforelle ihren Siegeszug durch Europa an, der bis in unsere Tage anhält. Heute wird die ehemalige kaiserliche
Fischzuchtanstalt als Aufzuchtstation für Junglachse genutzt und kann auf dem Gelände der „Petite Camargue Alsacienne" besichtigt werden. Nicht zu kurz kommen auch die Protagonisten des Buches, die Fische. Ein eigener Beitrag ist dem Karpfen gewidmet, der erst im Mittelalter in
die einheimischen Gewässer eingewandert ist. Umfassende Betrachtungen über den Fischkonsum durch die Jahrhunderte runden die
kulturhistorische Reise durch die Gewässer und zu ihren Nutzniessern, den Menschen, ab. Ganz wesentliche Beiträge zur fischereiwirtschaftlichen Zeitreise durch die Nordwestschweiz hat eine eher wenig bekannte Berufsgattung
geleistet: die Archäoosteologie. Osteologen und Osteologinnen sind es, die auf archäologischen Ausgrabungen in minutiöser Kleinstarbeit
Knochen, Knöchelchen oder eben Fischgräten und Schuppen aus dem Erdreich herausklauben, sie analysieren und mit ihren
Forschungsresultaten entscheidend zu unserem Wissen über Tiere, Pflanzen und Ernährungsgewohnheiten vergangener Zeiten beitragen. Entstanden aus einer privaten Initiative, durch private Spenden finanziert und durchgeführt von einem international zusammengesetzten
Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern - u.a. von der Universität Basel und der Römerstadt Augusta Raurica - hat dieses
ungewöhnliche Projekt seinen Abschluss in einer reich bebilderten Publikation gefunden, die sich an einen breiten Leserkreis richtet.
![]()
![]()
Home Augusta Raurica || Medienmitteilungen
Von fischen und Menschen
Ausgehend von der Frage, wie das menschliche Denken und Handeln in den letzten 2000 Jahren die einheimischen Gewässer und deren
Nutzung beeinflusst haben, beleuchten die einzelnen Beiträge alle nur erdenklichen Facetten. Angefangen beim unterschiedlichen
Wasserverbrauch in den verschiedenen Epochen - täglich 1200 Liter in Augusta Raurica, 370 Liter in Basel heute! - über die Erläuterungen zu
den Ratschlägen römischer Ärzte, keine Fische aus verschmutzten Gewässern zu konsumieren, bis hin zu den menschlichen Einflüssen auf
die Gewässer und die Fischfauna („Macht die Antibabypille unsere Fische unfruchtbar?"), spannt das reich illustrierte Buch einen weiten
Bogen von der Antike bis in die Gegenwart.

| Heide Hüster Plogmann (Hrsg.) und neunzehnköpfiges Autorenkollektiv: Fisch und Fischer aus zwei Jahrtausenden. |
Für weitere Auskünfte stehen Ihnen die Verantwortliche für Public Relations, Karin Kob, Telefon: +41 (0)61 816 22 21 oder
die Assistentin der Geschäftsleitung, Astrid Mathys, Telefon: +41 (0)61 816 22 58, gerne zur Verfügung.
Erhältlich ist das Werk bei:
Schwabe & Co. AG, CH-4132 Muttenz, oder im Buchhandel.