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Ausgrabung in Kaiseraugst, Areal "Löwen"
 

Spuren kastellzeitlicher Bauten in Kaiseraugst

Seit März 1997 führt die aargauische Kantonsarchäologie auf dem Areal des abgebrochenen Gasthofs Löwen eine Ausgrabung durch. Diese Notgrabung wurde durch die Baukrediterteilung der Einwohnergemeinde Kaiseraugst für ein weiteres Schulhaus im Dorfkern ausgelöst. Eine erste Etappe im Westteil der künftigen Baugrube konnte 1997 abgeschlossen werden, eine zweite wurde im Frühjahr 1998 begonnen. Die Grabungsfläche liegt an einer für die Kastellgeschichte sehr exponierten Stelle, in der Nähe des Südtores des Castrum Rauracense.

Abb. 1
Kaiseraugst AG, Grabung «Löwen» (Grabung 1998.04). Im Vordergrund liegen die Grabungsfläche in der Baugrube für den Neubau, rechts das alte Dorfschulhaus und im Hintergrund der Kastellmauerwinkel mit dem Eckturm.

Die Grabung wirft Fragen zur Bauzeit, zur Nutzung des Kastells und seiner Innenbauten auf. Die Archäologie hofft, aufgrund datierender Funde aus dem Bau- und dem Nutzungshorizont der Kastellmauer, Aufschluss über deren Bauzeit zu erhalten.

Am Ostrand unterhalb des Saaltrakt-Kellers des Gasthofs Löwen wurde ein Apsisfundament (=halbkreisförmiger Anbau) mit einem Durchmesser von über 10 m freigelegt (Abb. 2). Bereits 1986 wurde 30 m weiter östlich ein ähnliches Fundament entdeckt. Diese beiden Apsiden lassen sich zu einem monumentalen Gebäude von ca. 60 m Länge ergänzen. Beim Bau dieses Gebäudes wurde offenbar die durch das Südtor führende Süd-Nord-Strassenachse und das Südtor des Kastells aufgegeben. Die Ausgräber und Ausgräberinnen haben den Westturm des Südtors bis auf die unterste Fundamentlage ausgeraubt angetroffen (Abb. 3). Ausserhalb der erfassten spätrömischen Steinfundamente konnten einfache jüngere Strukturen und Feuerstellen gefasst werden. Aufgrund des keramischen Fundmaterials wissen wir, dass diese Strukturen aus der Zeit 4. bis 6. Jahrhundert stammen.

Abb. 2
Kaiseraugst AG, Grabung «Löwen» (Grabung 1998.04). Blick von Nordosten auf das Apsisfundament eines monumentalen Bauwerkes (10 m Durchmesser).

Neben den kastellzeitlichen und jüngeren Strukturen konnten auch ältere Spuren beobachtet werden. Mitte des 1. Jahrhunderts führte hier die Strasse zum ersten Rheinübergang durch. Als älteste Elemente konnten Gruben beobachtet werden, die offenbar zur Kiesgewinnung für den Strassenbau dienten. Die Randbebauung dieser frühen Achse an den Rhein bestand aus Fachwerkbauten, wie mit bemaltem Wandverputz verfüllte Balkengräblein zeigen.

Abb. 3
Kaiseraugst AG, Grabung «Löwen» (Grabung 1998.04). Blick von Nordosten auf die unterste Fundamentlage des ausgeraubten Südtor-Turms, im Hintergrund Reste des ebenfalls ausgeraubten Kastellmauerfundaments mit Spolien (zweitverwendete Architekturstücke; gut sichtbar: eine Säulentrommel) aus Monumentalbauten der Oberstadt von Augusta Raurica.

Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Jahrhunderts wurde die Römerstadt AUGUSTA RAURICA erweitert. Es entstand ein neuer Rhein-Übergang über die Insel Gwerd. Längs dieser neuen Verkehrsverbindung entwickelte sich eine Stadterweiterung mit Wohn- und Handwerkerquartieren, die Nordwest-Unterstadt. Zwischen der Nordwest-Unterstadt und der Süd-Nord-Achse an den Rhein konnte nun in der Grabung «Löwen» die Querverbindung freigelegt werden. Diese mehrperiodige Strasse liegt unter der späteren Kastellmauer. In dieser Zeit (mittlere Kaiserzeit) wurde in den Winkel zwischen «Castrumstrasse» (heutige Kastellstrasse) und der Querverbindungsstrasse ein Steinhaus hineingebaut. Im ausgehobenen Keller des ehemaligen Löwen-Wohntrakts fanden sich Reste der südlichen Randbebauung der römischen Querverbindungsstrasse. Über den zerstörten Strukturen dieser Steinbauten lag ein stellenweise flächendeckender Mörtelguss - möglicherweise ein Bauhorizont oder eine Geländestabilisierungsmassnahme nach dem Einstürzen/der Zerstörung der «mittelkaiserzeitlichen» Steinbauten. Auf diese Horizonte wurden späte Steinbauten errichtet, die sich an der Richtung der Kastellmauer orientieren.

Abb. 4
Kaiseraugst AG, Grabung «Löwen» (Grabung 1998.04). Fingerring-Schlüssel aus Bronze: Auf der Grabung gefunden wurden, wie in Kaiseraugster Ausgrabungen üblich, Keramik, verschiedene - meist spätrömische - Münzen, einige Gewandschliessen (Fibeln) und einzelne Waffenteile (Geschossbolzen, Pfeilspitze, Lanzenspitze).

Literatur zur Ausgrabung:
- U. Müller, Ausgrabungen in Kaiseraugst im Jahre 1997. Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst 19, 1998 (im Druck).


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