| Seit Anfang August ist die zweite Flächengrabung des Grabungsjahres 2001 in Augst
im Gange. Sie dient der archäologischen Untersuchung einer Parzelle, die nachher mit
einem Einfamilienhaus überbaut werden soll. Die Grabungsfläche umfasst dabei etwas
mehr als den Hausgrundriss und zusätzlich die Fläche der geplanten Einfahrt in die
Tiefgarage des Hauses.
Bild: Teilnehmerinnen der "Archäologischen Woche für Jugendliche" 2001 werden von
Grabungstechniker Hanspeter Bauhofer in die Freilegungsarbeiten eingeführt. |
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| Dank den Kenntnissen aus benachbarten Ausgrabungen nördlich und östlich der
jetzigen Fläche sowie einer Prospektion mittels Georadar im Mai 2001 waren wir über
das, was im Grundstück anzutreffen sein wird, zu Grabungsbeginn recht gut
unterrichtet. Die Grabungsfläche liegt in einem Bereich, der ausserhalb der regulären
Häuserblock-Bebauung (Insulae) der römischen Oberstadt liegt. Wir rechnen mit
ausgedehnten "Hinterhof-Arealen", in denen Höfe, kleinere Gebäude oder
Raumeinheiten und allenfalls Gärten vorhanden sein können. Die vom Georadar
festgestellten Mauerzüge scheinen diese Meinung zu bestätigen. Besonderes
Augenmerk richten wir auf spätrömische Spuren, da 1985 im nördlich angrenzenden
Grundstück ein spätrömischer Wachturm zutage gekommen ist.
Bild: Zwischen der modernen Erdoberfläche und den römischen Schichten kamen
diese Gräben zum Vorschein. Es sind Pflanzlöcher einer Maulbeerbau-Plantage,
angelegt um 1800 |
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Die Entfernung der nachrömischen Schichten erbrachte aber zunächst einen Befund des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts: Es handelt sich um eine grosse Anzahl dicht an
dicht liegender hangabwärts laufender Gräben (siehe Bild). Solche Gräben wurden schon nördlich des jetzigen Areals gefunden. Sie konnten von Peter-A. Schwarz mit einer
Maulbeerbaum-Plantage eines Basler Seidenbandfabrikanten in Verbindung gebracht werden (siehe P.-A. Schwarz, Ein spätrömischer Turm in der Flur Obermühle [Augst BL].
Jahresber. Augst u. Kaiseraugst 19, 1998, 151 ff.). Beim Aushub der Gräben hat man die Zeugnisse aus römischer Zeit teils erheblich beschädigt, teils sogar gänzlich abgeräumt.
Aus römischer Zeit sind bisher (Herbst 2001) etliche, stellenweise völlig ausgeräumte Mauerzüge zutage gekommen, ferner Teile von Mörtelboden, wovon einer als Unterboden
einer Hypokaust-Anlage (Bodenheizung) angesprochen werden kann. Die Mauern dienten in römischer Zeit teilweise der Terrassierung des Geländes. Das heutige Terrain mit
seiner eher sanften Neigung Richtung Ergolz-Talaue entspricht nicht dem Terrain in römischer Zeit, das früher wesentlich zerfurchter und offenbar auch steiler abfallend gewesen
war. So wurden im nördlich benachbarten Grundstück römische Schichten bis zweieinhalb Meter unter dem damaligen Terrain gefunden; in der aktuellen Grabung liegt die
maximale Schichttiefe bisher bei maximal einem Meter.
Die Ausgrabung wird dieses Jahr (2001) bis Ende Oktober dauern. Anschliessend machen wir eine Winterpause. Nach Ostern 2002 werden die Arbeiten wieder aufgenommen.
Die Grabungsfläche kann jederzeit von einem extra eingerichteten Besuchersteg aus besichtigt werden. Ein Blatt mit Informationen und einem Orientierungsplan können Sie an der
Kasse des Römermuseums beziehen!
(Jürg Rychener)