Ende Juli 2001 hat die Ausgrabungsabteilung der Römerstadt eine neue längerdauernde Ausgrabung begonnen. Sie soll bis Ende Oktober 2002 abgeschlossen sein, steht als momentan in der Schlussphase. Es
handelt sich um ein grössere Fläche am Abhang des Schönbühl gegen die Ergolz. Hier soll ein Einfamilienhaus entstehen.
| Auf Grund von Ausgrabungen in den benachbarten Arealen können wir eine Anzahl unterschiedlicher
Bau- und Siedlungsreste erwarten. Das aktuelle Grabungsareal liegt in der römischen Topographie
"hinter" den Wohnbauten entlang der antiken Heilbadstrasse, die von der Flur Obermühle Richtung
Grienmatt-Tempel geführt hat. Die Baureste gehören zu einer umfangreichen Überbauung, die von der
erwähnten Heilbadstrasse, der Rauricastrasse im Norden und der aus Luftaufnahmen bekannten
Grienmattstrasse liegt. |
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Nachrömischer Eingriff: eine Maulbeerbaumplantage
Die Ausgrabungsarbeiten haben gezeigt, dass das Gelände in nachrömischer Zeit stark überformt worden ist. Im oberen (östlichen) Teil sind die römischen Bodenzeugnisse durch die Bodenbewirtschaftung zu
erheblichen Teilen abgeräumt worden, im unteren, westlichen Teil der Grabungsfläche haben wir es stellenweise mit ziemlich massiven Aufschüttungen zu tun.
Die Überformung des Geländes ist nicht zuletzt einer in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegten Maulbeerbaum-Plantage zuzuschreiben; ein Basler Seidenband-Fabrikant züchtete hier eigene Seidenraupen. Die
Bäume sind in Reihen angeplanzt worden. Dafür hat man Gräben parallel zum Hang ausgehoben und dabei ziemlich viel antike Bausubstanz zerstört. Die Gräben sind von gelben Lehmstreifen begleitet. Solche
Gräben sind schon in der benachbarten Grabung von 1984 dokumentiert worden. Dass es sich wirklich um neuzeitliche Strukturen handelt, zeigen auch etliche darin gefundene glasierte Keramikscherben. In die
Gräben hat man römische Bautrümmer und teilweise grob-unregelmässigen Kies eingefüllt, denn laut einem Pflanzbuch von 1691 schätzen Maulbeerbäume (morus alba) einen solchen Untergrund.
Zeugnisse aus römischer Zeit
Aus römischer Zeit sind etliche, stellenweise arg zerstörte und durch Hangdruck verschobene Mauerzüge zu sehen. Die Mauern haben unterschiedliche Funktionen und jetzt, gegen Ende der Grabung, zeichnet sich
allmählich ein (allerdings durchaus vorläufiges!) Gesamtbild ab.
Der gegen Westen und Südwesten abfallende Hang ist durch Terrassierungsmauern in vier Ebenen eingeteilt worden. Auf der obersten Ebene fanden sich neben Spuren von Holzfachwerkbauten aus der Frühzeit der
Stadt (1. Hälfte 1. Jh. n.Chr.) Teile eines Gebäudes mit einem kleinen angebauten Raum mit Bodenheizung (Hypokaust). Auf der nächst tieferen Ebene liegt ein Areal mit kleinen Höfen, zwei davon mit Sodbrunnen.
Ein weiteres Niveau tiefer stand eine Häuserzeile, wobei sich Einheiten (oder Kompartimente) mit einem schmalen plus einem grossen Raum unterschieden lassen, zu denen jeweils einer der Höfe gehört. Im
Erdgeschoss weisen die Gebäude einen halb in den Hang eingetieften Raum auf, der vermutlich als Keller diente; wie die Häuse darüber gestaltet waren, können wir nur vermuten, weil hierzu Reste praktisch gänzlich
fehlen. Die dritte Ebene ist durch mehrere, teils "schräg" verlaufende Terrassierungsmauern gestaltet. Auf der vierten, der untersten Ebene befindet wiederum ein Gebäude, von dem wir allerdings nur die Ecke eines
Raums kennen.
| Zu den Besonderheiten der Grabung gehört, dass wir vorwiegend umgelagerte Schichten gefunden
haben. Trotz der grossen Fläche fehlen zum Beispiel Herdstellen völlig! Hingegen finden sich in den
Schuttschichten sehr viele Keramikscherben und Knochen, während Metallobjekte selten sind, da sie
beim Umlagern des Materials sicherlich ausgelesen wurden. Unter den Befunden ist eine
Zerstörungsschicht mit einer teilweise am Stück verkippten Mauer zu nennen, und darunter lag ein
grossflächig intakt erhaltener Dachversturz, der durch einen Brand entstanden ist. |
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Für Besucher/-innen
Von Besucherstegen entlang der Grabungsfläche lassen sich unsere Arbeiten gut verfolgen. Wie üblich, finden auch auf dieser Grabung jeweils an Werktagen um 11.30 Uhr kurze Führungen statt.
Sie finden unser Ausgrabungsareal, wenn Sie von der Giebenacherstrasse, die am Römermuseum vorbeiführt, die Strasse beim Augster Schulhaus vorbei nehmen und durch die Panzersperre hindurch laufen. Bei der
Abzweigung danach schlagen sie den Tempelhofweg Richtung Grienmatt-Tempel (auf dem Wegweiser der Römerstadt angeschrieben) ein; der Zugang zu den Besucherstegen ist nach dem letzten Haus an diesem
Weg markiert.