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Ackerbau
siehe auch Nahrungsmittel, Tierhaltung, Villen und Gutshöfe, Gärten, Vorratshaltung
 

Die Archäobotanik befasst sich mit pflanzlichen Resten aus archäologischen Ausgrabungen. Dabei handelt es sich um Mikroreste wie Pollenkörner (Blütenstaub) und Makroreste wie Samen und Früchte, Holz, Blätter und Stengel. In permanent feuchtem Boden (z.B. in einem Brunnen oder in einem Seeufersediment) erhalten sich die Reste unter sauerstoffarmen Bedingungen sehr gut und werden nicht abgebaut. Im trockenen Boden überdauern jedoch nur die durch Feuereinwirkung verkohlten Pflanzenteile oder solche, die in Latrinen mineralisiert wurden.

Die Samen, Früchte und Dreschabfälle ermöglichen verschiedene Aussagen zur Umwelt und Landwirtschaft. Ihre auf allen Ausgrabungen oft sehr zahlreich gefundenen Überreste stammen aus den Bereichen Landwirtschaft (Ackerbau, Grünlandwirtschaft), Haushalt (Speisezubereitung) und Abfallbeseitigung. Funde von Ackerunkräutern sind besonders aussagekräftig, geben sie doch Hinweise auf den jahreszeitlichen Anbau, die Erntemethoden und die Art der Dresch- und Reinigungsprozesse in den Siedlungen.

In unseren Breitengraden wurde der Boden nach einem Rotationssystem bebaut und zeitweilig eine Brache eingeschaltet, damit er fruchtbar blieb. Dieser Fruchtwechsel kann jedoch nicht mit der starren Dreifelderwirtschaft des Mittelalters verglichen werden. In der Colonia Raurica wurden ganzjährig verschiedene Getreidearten als Winter- oder Sommergetreide kultiviert: Dinkel, Emmer, Einkorn, Nacktweizen, Gerste und Rispenhirse. Ein wichtiger Rohstoff war der Flachs (Lein), aus dessen Samen Öl und aus dessen Stengelfasern das Rohmaterial für das Textilhandwerk gewonnen wurde.

Ein wichtiger Bestandteil der Ernährung war auch Gemüse. Grosse Bedeutung hatten dabei die Hülsenfrüchte: Linsen, Ackerbohnen und Erbsen. Einige wildwachsende Pflanzen wurden ebenfalls als Gemüse genutzt, beispielsweise Möhre, Pastinak und Feldsalat. Ausserdem führten die Römer neue Gemüsesorten ein, die auch hier angebaut werden konnten. Dazu gehören Gartenmelde, Amaranth, Mangold, Rote Bete (Randen) und Knoblauch. Kohl wurde in unserem Gebiet seit der Jungsteinzeit angebaut und galt in Italien als bestes Gemüse.

Neben den bereits bekannten Wildfrüchten (z.B. Holzapfel, Holunder, Himbeere) wurden in römischer Zeit verschiedene Obstarten kultiviert. Dazu gehören Apfel, Birne, Pfirsich, Süsskirsche, Walnuss und Esskastanie sowie die Weintraube. Andere Produkte wie Oliven, Datteln, Mandeln und Feigen wurden importiert. Durch die römischen Schriftsteller ist die Verwendung vieler Gewürze bekannt. Einige gelangten durch Handel nach Mitteleuropa, so der Pfeffer. Eingeführt und angebaut wurden dagegen sicherlich Koriander und Petersilie. Ausserdem eignen sich viele Wildpflanzen wie Origanum, Kümmel und Brunnenkresse als Gewürz und konnten in der Umgebung gesammelt werden.

Die Grosstierhaltung erforderte ausgedehnte Grünflächen, also Weiden und Schnittwiesen, um eine genügend grosse Futterproduktion für Sommer und Winter sicherzustellen. Wir können von zwei verschiedenen Typen von Wiesen in römischer Zeit ausgehen: einer Vorstufe der heutigen Fettwiesen (Molinio-Arrhenatheretalia) und vermutlich einem Kalkmagerrasen (Trockenrasen, Festuco-Brometea) an den Hängen des Juras. Funde von guten Futterpflanzen und trittresistenten Arten sprechen für eine doppelte Nutzung der Grünflächen einerseits als Weiden im Frühjahr und andererseits als Schnittwiesen für die Heugewinnung im Spätsommer. Die Düngung der etwas nährstoffreicheren Fettwiesen erfolgte durch das weidende Vieh und durch das Ausbringen von Stallmist.


Weiterführende Literatur zum römischen Ackerbau:
- L. I. M. Columella, Zwölf Bücher über Landwirtschaft, herausgegeben und übersetzt von W. Richter (3 Bäde) (München 1981).
- D. Flach, Römische Agrargeschichte. Handbuch der Altertumswissenschaft III 9 (München 1990).
- T. Lewit, Agricultural Production in the Roman Economy A. D. 200-400. British Archaeological Reports. International Series 568. Tempus Reparatum (Oxford 1991).
- S. E. Rees, Ancient Agricultural Implements. Shire Archaeology 15 (Princes Risborough 1981¹)
- A. Duvauchelle, Les outils agricoles en fer du vicus de Lousonna-Vidy. In: F. E. Koenig, S. Rebetez (Hrsg.), Arculiana. Recueil d'hommages offerts à Hans Bögli (Avenches 1995) 355ff.

Marianne Petrucci-Bavaud

(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])


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