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Home Augusta Raurica Alamanneneinfälle siehe auch Frühes Mittelalter || Alamannen
Um 254 und 260 n. Chr. kommt es im Rhein-Donau-Raum zu schweren Germaneneinfällen. Durch innere Kämpfe und Krieg im Osten geschwächt, gelingt es dem Römischen Reich nicht, die Eindringlinge abzuwehren. Ab etwa 260 n. Chr. ist der Limes kaum noch zu halten: Das Land rechts des Rheines geht allmählich an den germanischen Stamm der Alamannen verloren, auch wenn sich bei der ansässigen Bevölkung und ihren Handelsbeziehungen erstaunlich wenig ändert.
Augusta Raurica wird von den Germanenzügen dieser Zeit offenbar nicht betroffen. Hinweise auf kriegsbedingte Zerstörungen aus den Jahren 254 und 260 n. Chr. fehlen.
Unruhige Gegend
Nach dem "Fall" des Limes liegt Augusta Raurica nicht mehr im Hinterland, sondern wieder an der Grenze, in einer unruhigen und exponierten Gegend. Die Angst lässt die Menschen erneut Münzen und Wertsachen vergraben, um sie für alle Fälle in Sicherheit zu bringen. Zur Verteidigung werden Truppen in Augusta Raurica stationiert. Am Rhein entstehen militärische Befestigungen, so vielleicht ein Auxiliarkastell im Areal des späteren Castrum Rauracense in Kaiseraugst.
Mittel und Kräfte von Militär und Bevölkerung sind offenbar sehr knapp. Auch der Rückgang von Importen, speziell von Luxusgütern und Keramik, ist Ausdruck der Krise.
Augusta Raurica wird verwüstet
Etwa um 273/275 n. Chr. erlebt Augusta Raurica dramatische Tage: Blutige Kämpfe ereignen sich, die Stadt wird weitgehend verwüstet. Zeugnisse dieser Kämpfe finden sich in Form von Waffenfunden und Menschenknochen mit Zerstückelungsspuren an verschiedenen Stellen in der Augster Oberstadt; sie lassen auf mit grosser Brutalität geführte Auseinandersetzungen schliessen.
Es ist nicht genau bekannt, warum es zu diesen Kämpfen kommt. Vielleicht stehen sie in Zusammenhang mit einem erneuten Germaneneinfall. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit: Der Nordwesten des Römischen Reiches ist schon seit längerer Zeit schutzlos den verschiedenen Germaneneinfällen ausgeliefert. Am Niederrhein stationierte Truppen greifen daher im Jahre 260 zur Selbsthilfe, ernennen einen Gegenkaiser (Postumus) und gründen das sog. Gallische Sonderreich.
273 n. Chr. kann Kaiser Aurelian das Sonderreich militärisch bezwingen. Da wohl auch Augusta Raurica dazu gehört, könnten die erwähnten Kämpfe und Zerstörungen auch eine Folge der in bürgerkriegsähnlichen Kämpfen erfolgten Liquidation dieses Sonderreiches sein.
Kastelenplateau besiedelt und befestigt
Kurz vor oder nach diesen Ereignissen in der Mitte der 270er Jahre wird das spornförmige Kastelenplateau befestigt (siehe militärische Befestigungen). Das Baumaterial stammt aus den Ruinen der alten Stadt, in der jetzt kaum noch jemand wohnt. Auf Kastelen finden aber, im Vergleich zu früher, viel weniger Menschen Unterschlupf. Die Grundfläche dieser "enceinte réduite" umfasst einen Bruchteil der Ausdehnung der früheren Stadt.
| - | Archäologisches Landesmuseums Baden-Württemberg (Hrsg.) Die Alamannen. Begleitband zur Ausstellung (14.6.97-14.9.97 Stuttgart, 24.10.97-25.1.98 Zürich; 6.5.98-7.6.98 Augsburg) (Stuttgart 1997). |
| - | R. Christlein, Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes (Stuttgart 1978). |
| - | A. Furger (Hrsg.), Die Schweiz zwischen Antike und Mittelalter. Archäologie und Geschichte des 4. bis 9. Jahrhunderts (Zürich 1996). |
| - | A. Demandt, Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr. (München 1989). |
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