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Bleiröhren
 

... ein Gesundheitsrisiko?

Vergiftung nach Trinkwasserkonsum? Ging Rom an Bleivergiftung unter?

Zwar litten viele Römer - besonders die gehobene Schicht in Rom selbst - an Bleivergiftung. Die Römer haben zwar eingesehen, dass Wasser aus Bleiröhren gesundheitsschädlich sein kann. Für gelegentliche Vergiftungserscheinungen eher verantwortlich war jedoch der Konsum einer in Bleigefässen vorbereiteten Weinspezialität:

Rezept für «Defrutum», eine Weinspezialität mit Bleigehalt!

«Dann ... liest man an einem heiteren und trockenen Tag möglichst ausgereifte Trauben; man tritt sie aus und giesst den abgeflossenen Saft ... sofort ins Mostgefäss und heizt den Ofen .. ein .., damit der Most gemächlich zum Kochen gebracht wird. ... Wenn das Bleigefäss dann ein stärkeres Feuer ertragen kann, d. h. wenn der bereits zu einem Teil eigekochte Saft in sich heiss ist, legt man Holzscheite und stärkere Äste unter ... . Die Behälter selbst, in denen sapa (Sirup) oder defrutum (Mostsaft) abgekocht wird, sollen lieber aus Blei als aus Bronze sein. ... Man kocht schwachen Most auf ein Drittel ein ... je stärker er eingekocht ist, desto besser und steifer wird er.» (Lucius Iunius Moderatus Columella, Zwölf Bücher über Landwirtschaft, 12., Buch, Kapitel 19-20)

Defrutum war eine süsse Spezialität aus stark eingedicktem Traubenmost oder Wein und diente als beliebter Ersatz für Honig. Nach dem obigen Rezept des römischen Agronomen Columella wurde es lange Zeit in einem Gefäss aus Blei eingekocht. Die heisse Fruchtsäure hat natürlich besonders viel Blei im Getränk aufgelöst!

Vor 2000 Jahren schrieb zwar der Schriftsteller Vitruv über Wasserleitungen aus Ton und Blei: «Auch ist das Wasser aus Tonröhren gesünder als das durch Bleiröhren geleitete, denn das Blei scheint deshalb gesundheitsschädlich zu sein, weil aus ihm Bleiweiss entsteht... Daher scheint es ganz und gar nicht gut, dass man Wasser durch Bleiröhren leitet, wenn wir der Gesundheit zuträgliches Wasser haben wollen.»

Beim Durchströmen von Bleiröhren allein wird das Wasser aber kaum gesundheitsschädigend. Erstens floss das Wasser über lange Strecken in gemauerten Kanälen und Holzröhren: Nur die sanitären Installationen - z.B. bei Brunnen oder in den Thermen - waren mit Bleiröhren ausgeführt. Zweitens lagert sich der im Wasser gelöste Kalk im Rohrinnern rasch ab und bildet so eine Isolierschicht zwischen Trinkwasser und Bleirohr.

Vgl. Abbildung

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Alex R. Furger


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