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Brei (puls)
siehe auch Brotbackstube, Nahrungsmittel
 

Über dreihundert Kochkeramikfragmente aus Augusta Raurica tragen dunkle, organische Krusten, die sich trotz jahrhundertelanger Lagerung im Boden erhalten haben. Es sind Reste von übergelaufenem oder «angehocktem» Brei und von Mehlsuppen.

Die antiken Autoren bezeichnen diesen Brei (puls) als das Grundnahrungsmittel der Römer. Die puls und ihr Hauptbestandteil, ursprünglich der Emmer (far), fanden im bäuerlichen Alltag Roms vielfache Verwendung als Grundnahrungs- und Heilmittel sowie im Opferritual. Der Wandel Roms von der kleinen Bauernstadt zur Herrin des Mittelmeerraumes brachte auch eine Änderung der Lebensgewohnheiten mit sich. Ein sinnfälliges Beispiel ist das Aufkommen von Brot in verschiedensten Sorten. Ein markantes Datum ist das Jahr 171 v. Chr., für welches Plinius die erste Bäckerei in Rom bezeugt. In der Folgezeit wurde die puls zu einem der Symbole der vergangenen «Guten Alten Zeit». Das Brot verdrängte den Brei als Hauptnahrung in der Kaiserzeit allerdings in keiner Weise, sondern es blieb eine teure Seltenheit auf dem vom Brei beherrschten Speisezettel der einfachen Bevölkerung. Die Schriftquellen belegen die Bemühungen der Kaiser, die Versorgung Roms nicht nur mit blossem Getreide zu gewährleisten, sondern auch mit Brot. Erst Kaiser Aurelian (270-275 n. Chr.) soll dieses Unterfangen gelungen sein.

In jüngster Zeit konnte nachgewiesen werden, dass auch in Augusta Raurica häufig Getreidebrei (puls) in grosser Vielfalt in Kochtöpfen, Auflaufformen und Schüsseln zubereitet wurde. Naturwissenschaftliche Untersuchungen an Augster Kochkeramik zeigen, dass sich bei guten Erhaltungsbedingungen eingekochte Krusten an den Gefässen erhalten haben, die von den antiken Köchen und Hausfrauen nicht weggewaschen worden waren. Analysen solcher Krusten legen nahe, dass häufig sowohl dünne Mehlsuppe als auch dicker Getreidebrei gekocht wurden. Die erhaltenen Poren in den Krusten machen wahrscheinlich, dass bei uns im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. Weizen, Dinkel und Gerste zu vielerlei Brei verarbeitet und oft auch Fett - z.B. Butter - und pflanzliche Beilagen wie Gemüse und Gewürze beigegeben wurden. Man gewinnt sogar den Eindruck, die neuen, noch sehr porösen Kochtöpfe seien durch Kochen einer Mehlsuppe erst einmal «abgedichtet» worden.

Weiterführende Literatur zur "puls":
- M. Währen/Chr. Schneider, Die puls. Römischer Getreidbrei. Augster Museumshefte 14 (Augst 1995).

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