Geschichte des frühen Christentums im römischen Reich Im Laufe des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurden die Verwaltungsstrukturen aufgebaut, die zur Durchführung des Missionsauftrages nötig waren. Die Kirche als Institution begann
sich zu formieren. Das Christentum fand allmählich in allen Bevölkerungsschichten Anhänger. Von einigen Verfolgungswellen abgesehen, konnte sich das Christentum nahezu ungehindert ausbreiten. Erst im Laufe des 3. Jahrhunderts nahmen die Verfolgungen zu. Die
Staatsmacht fühlte sich aussen- und innenpolitisch zunehmend bedroht und warf den Christen mangelnde Loyalität gegenüber dem Kaiser vor. Dieses Vergehen wurde mit dem
Tode bestraft. Von den Verfolgungen waren meist Vorsteher der Christengemeinden und Angehörige höherer Stände betroffen. Im Jahre 313 n. Chr. stellte Kaiser Constantin I. die neue Religion den übrigen römischen Kulten gleich. 391 n. Chr. wurde sie Staatsreligion; die nunmehr «heidnischen» Kulte
wurden verboten. Fundobjekte und Gebäude eindeutig christlichen Charakters sind in den Provinzen nördlich der Alpen nicht vor dem 4. Jahrhundert bekannt, denn bis dahin durfte die neue
Religion nur im Geheimen ausgeübt werden. Schriftliche Quellen bezeugen einen Bischof bereits im 2. Jahrhundert in Lyon (Frankreich), später auch in anderen grösseren
Städten, so auch in Kaiseraugst. Sylvia Fünfschilling
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Home Augusta Raurica Christentum siehe auch Geschichte
In einer von politischen Wirren und kriegerischen Ereignissen geprägten Zeit kam das Christentum wie keine andere Religion dem Bedürfnis der Menschen nach einem friedvollen Dasein auf Erden entgegen. Es verhiess mit der Erlösung der Seele, einem zentralen Thema aller Erlöserreligionen orientalischer Herkunft, und der Auferstehung des Leibes nach dem Tod eine Hoffnung, die die althergebrachte Götterwelt nicht zu bieten vermochte. Eine deutliche Abkehr von der antiken Denkweise stellte auch der Grundsatz der Nächstenliebe dar, der zum Ideal christlicher Lebensart erhoben wurde. Die Verbreitung der neuen Religion in allen Teilen des Reiches wurde durch den Umstand begünstigt, dass sich ihre Botschaft, im Gegensatz etwa zum Mithraskult, an alle Menschen ungeachtet des Geschlechtes, der Herkunft und des Ranges richtete.
Nachdem in Lyon bereits im Jahr 177 eine christliche Gemeinde bezeugt ist und in mehreren Städten Süd- und Mittelgalliens seit dem 3. Jahrhundert Bischöfe residierten, erscheint im Jahr 346 auch ein Kaiseraugster Bischof in den Quellen. Die Teilnehmerliste einer in Köln abgehaltenen Synode, die historisch allerdings nicht eindeutig verbürgt ist, verzeichnet einen «Iustinianus Rauricorum» (oder «Rauracorum»), einen Bischof mit Namen Justinian, dessen Sitz gemeinhin im Castrum Rauracense lokalisiert wird. Er steht, wie seine wenig später in den Schriften genannten Amtskollegen in Martigny, Genf und Chur, für die Anfänge einer kirchlichen Organisation in unserem Gebiet, die mit dem raschen Zuwachs an Gläubigen im Verlauf des 4. Jahrhunderts notwendig wurde. Wegbereitend für die beschleunigte Ausbreitung des neuen Glaubens war seine offizielle Anerkennung durch Kaiser Konstantin I. im Jahr 313. Ältere Kontakte mit dem Christentum, etwa durch Soldaten oder reisende Händler, sind in unserem Gebiet zwar möglich, bisher aber nicht konkret fassbar. Nicht belegt ist auch die Kontinuität des Kaiseraugster Bistums, denn bis zu Ragnachar, der im 7. Jahrhundert als Bischof von Augst und Basel in den Quellen auftaucht, sind keine Nachfolger Justinians überliefert. Auch wenn die Unzuverlässigkeit der schriftlichen Überlieferung nicht ausser Acht gelassen werden darf, war der Bischofssitz möglicherweise nicht durchgehend besetzt.
Ein zweifellos christliches Symbol ist das Christogramm (die Anfangsbuchstaben x [chi] und p [rho] für «Christus»), das ausser auf zahlreichen Münzen zumeist auf wertvollen Gegenständen wie dem Zahnstocher aus dem Kaiseraugster Silberschatz oder dem silbernen Stempelring, hier in Spiegelschrift, erscheint.
Frühchristliche Architektur fassen wir mit der um 400 auf dem jüngeren Kastellfriedhof des Castrum Rauracense erbauten kleinen memoria, einem Gedächtnisbau, und der wohl nur wenig jüngeren(?) Kastellkirche, die bei Ausgrabungen im Innern der heutigen Dorfkirche von Kaiseraugst zum Vorschein kam. Sie wurde an Stelle eines älteren Gebäudes an der rheinseitigen Castrummauer errichtet und gehört zu den ältesten bekannten Kirchenbauten im Gebiet der Schweiz und im Rheinland. Die vorgeschlagene Rekonstruktion der Anlage geht von einem Innenhof zwischen Kirche und Castrummauer aus, an den sich auf drei Seiten mehrere Räume anschlossen. Im östlichen Trakt befanden sich die Warmräume eines Bades sowie das hufeisenförmige, mit einem dicken Mörtelbelag versehene Becken, das von den Ausgräbern als Taufbecken (baptisterium) gedeutet wurde.
Der Grabstein der Eustata aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts trägt neben der Darstellung eines Ankers, eines auf frühchristlichen Grabsteinen häufigen Symbols, die alte heidnische Inschrift D(is) M(anibus), einen Weihespruch an die göttlichen Manen. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Kombination von Symbolen und Formeln des alten und neuen Glaubens ist in frühchristlicher Zeit nicht unüblich; sie erscheint gar noch im 7. Jahrhundert auf dem Baudoaldus-Grabstein aus der jüngeren Kastellnekropole. Das Christentum hatte sich im 4. Jahrhundert noch keineswegs als alleinige Religion durchgesetzt; trotz kaiserlichen Verbots blieben heidnische Glaubensvorstellungen lebendig. Vor allem in ländlichen Gebieten wurden alte Kultorte weiterhin aufgesucht, so das nahe gelegene Höhenheiligtum auf der Schauenburger-Fluh bei Frenkendorf (BL), in dem bis in die Zeit um 400, vielleicht noch darüber hinaus, Münzopfer dargebracht wurden. Nach den vorhandenen Hinweisen darf aber im Fall des Castrum Rauracense, das als befestigte Grossiedlung seine regionale Zentrumsfunktion auch in nachrömischer Zeit bewahren konnte, seit dem 4. Jahrhundert mit einer mehrheitlich christianisierten Bevölkerung gerechnet werden.
Andreas Motschi
(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])
Erste eindeutig als christlich zu interpretierende Symbole wie das Kreuz und das Chi-Rho-Zeichen, die griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Christi, des «Gesalbten», erscheinen auf Fundgegenständen im späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert. Taube, Leier, Fisch, Schiff, Anker und Fischer kommen aus der römischen Symbolwelt, sind aber mit christlichen Auffassungen vereinbar.
Fortdauer des Heidentums
Es ist anzunehmen, dass in spätrömischer Zeit ein Grossteil der Bevölkerung noch nicht christlich war. Den römischen Göttern dürfte trotz staatlicher Verbote weiterhin geopfert worden sein. Die Verwendung der Formel D M (DIS MANIBUS), den Manen (heidnische Totengötter), zusammen mit dem christlichen Kreuz auf dem Grabstein des Baudoaldus zeigt, dass die heidnische Tradition lebendig geblieben ist.
Der Zuzug nicht römisch geprägter Bevölkerungsteile dürfte gerade in unserem Gebiet heidnischen Vorstellungen Nahrung geboten haben, vor allem ausserhalb städtischer Zentren.
Die Taufe
Die Taufe symbolisiert den Kreuzestod und besiegelt die Aufnahme der Gläubigen in die christliche Gemeinschaft. Bis zur Taufe mussten die Gläubigen einige Aufgaben erfüllen, die sie für das Empfangen des Sakraments bereit machen sollten. Als Tauftermin galt die Osternacht.
Vorbereitung: Die Taufwilligen mussten sich anmelden und ihre Namen bekannt geben, ihre Sünden bekennen und Busse tun, durch die Glaubens- und Sittenlehre Verständnis für das Sakrament gewinnen, durch Prüfung und Exorzismus ihre Körper reinigen, das Glaubensbekenntnis lernen.
Die Taufzeremonie erfolgte in vielen Schritten:
| - | «Öffnung» des Täuflings durch Berührung von Mund und Nase ausserhalb des Baptisteriums, des Taufraumes. |
| - | Salbung im Baptisterium: rüstet den Täufling zum Kampf gegen Satan und die Welt. |
| - | Lossagen von Satan: Der Täufling weist Satan von sich und wendet sich gegen Osten. |
| - | Die eigentliche Taufe: durch das Untertauchen im grossen Taufbecken oder das Übergiessen mit Wasser. |
| - | Salbung des Hauptes des Getauften und Überreichen des weissen Kleides. |
| - | Mit dem Kreuzzeichen auf der Stirn erlebt der Täufling den Taufgottesdienst in der Kirche. |
| - | F. Glaser, Frühes Christentum im Alpenraum. Eine archäologische Entdeckungsreise (Regensburg 1997). |
| - | G. Ristow, Römischer Götterhimmel und frühes Christentum. Bilder zur Frühzeit der Kölner Religions- und Kirchengeschichte (Köln 1980). |
| - | B. Brenk u.a., Spätantike und frühes Christentum. Propyläen Kunstgeschichte. Supplementband 15 (Berlin 1985). |
| - | H. Beck/P. C. Bol (Hrsg.), Spätantike und frühes Christentum. Ausstellung im Liebighaus Museum alter Plastik (Frankfurt am Main 1983). |
| - | J. Garbsch/B. Overbeck (Hrsg.), Spätantike zwischen Heidentum und Christentum. Ausstellungskataloge der Prähistorischen Staatssammlung München 17 (München 1989). |
| - | R. Laur-Belart, Frühchristliches Baptisterium mit Bad in Kaiseraugst. Ur-Schweiz 29, 1965, 21 ff. |
| - | R. Laur-Belart, Die frühchristliche Kirche mit Baptisterium und Bad in Kaiseraugst, Aargau (Basel 1967). |
Vgl. die Abbildung
Weitere Infos
Sylvia Fünfschilling