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Einsatz von Digitalkameras auf Ausgrabungen
siehe auch Infos für Archäologen || Archäologie in der Römerstadt
 

Die Römerstadt Augusta Raurica verwendet seit dem Frühjahr 2001 eine Nikon-Digitalkamera "Coolpix 990" mit 3 Megapixel auf den Ausgrabungen in Augst. Diese wird bis auf Weiteres jedoch ausschliesslich als "Polaroid-Ersatz" verwendet, d.h. die Aufnahmen werden noch auf der Grabung ausgedruckt über einen Laptop (auf normales Papier und in durchschnittlicher Qualität) und anschliessend als Illustration für das Grabungstagebuch verwendet. Die "normale" Grabungsdokumentation wird jedoch nach wie vor konventionell, d.h. mit Kleinbildkameras erstellt (von jeder Position machen wir in der Regel je ein Bild auf Schwarzweiss-, Farbnegativ- und Diafilm).

Ausgrabungsfotos, die wissenschaftlichen Anforderungen genügen müssen, erfordern manchmals einen grossen Aufwand: gemeinsame Anstrengungen für eine Übersichtsaufnahme von der Leiter. (Grabung Augst-Sichelenstrasse 2001.51)

Auf den Ausdrucken der Digitalbilder werden Befunde angezeichnet oder bei Übersichten Befunde markiert. Das dient dazu, das Grabungsjournal leichter lesbar zu machen. Positiv ist die gute Qualität (auch unterbelichtete Aufnahmen lassen sich durch Verbesserungsmassnahmen noch brauchbar ausdrucken), die relative Anspruchslosigkeit der Digitalfoto betreffend Beleuchtung, die sofortige Verfügbarkeit, keine Abfälle wie früher bei der Polaroid und die grossformatigen Ausdrucke, die z.B. auch aufs Feld mitgenommen und dort vor dem Befund kommentiert werden können. Es wurden auch schon Befunde, deren zeichnerische Dokumentation nicht lohnend erschien, mit Senkrechtaufnahmen dokumentiert und auf dem Ausdruck mit Niveaux-Angaben versehen. Mit etwas Herumprobieren kann man die Ausdrucke sogar einigermassen masstäblich hinkriegen, mindestens im Umkreis des Bildzentrums! Auch Fundobjekte werden ab und zu damit aufgenommen und die Ausdrucke dem Journal beigelegt. Im Allgemeinen nicht gut und auch nur in besonderen Fällen notwendig sind Aufnahmen mit (Aufhell-)Blitz bei Tageslicht; Blitzaufnahmen werden meistens nur dann gut, wenn es wirklich ziemlich dunkel ist. Das Bedienen der Kamera ist einfach und auch für Fototechnikmuffel kein Problem.

Aus der Augster Grabungsdokumentation:
Digitalaufnahme mit Befunddaten (Grabung Augst, "Degen-Messerli", 2. Etappe 2002.64)

Zum Ausdrucken verwenden wir auf der Ausgrabung den Microsoft-Photoeditor und einen kleinen HP-Deskjet. Damit lassen sich die Fotos einfach auf einer Druckseite platzieren, in ihrer Grösse anpassen und partienweise auch ausschneiden. Dass die EDV-Anwendungen einfach sind und schnell gemacht werden können, ist m.E. Voraussetzung für den Einsatz auf einer Ausgrabung.
Gewisse Aufnahmen (Übersichten, Arbeitsaufnahmen) werden manchmal auch mit dieser Kamera gemacht. Diese werden in guter Qualität ausgedruckt auf Fotopapier und dann zur Dokumentation gelegt.
Grundsätzlich gilt im Moment: Digitale Aufnahmen der Augster Grabungsabteilung sind nicht für das Fotoarchiv bestimmt. Sie werden deshalb wieder gelöscht, wenn alles kontrolliert und ausgedruckt ist. Als neue Möglichkeit (ab 2003) sehen wir vor, ausgewählte Aufnahmen auf CDs zu brennen - welche, das entscheidet der Grabungsleiter. Allerdings nur zum Anschauen, evtl. für Vorträge mit PowerPoint oder ähnlichem. Jedoch ist dies als reine Sammlung ohne weitere Betreuung gedacht.
Um sowohl auf dem Laptop wie auf dem Kamerachip (flashcard) Speicherplatz zu sparen, verwenden wir übrigens das .jpg-Format. In Ausnahmefällen, d.h. wenn Digitalaufnahmen - aus welchen Gründen auch immer - einmalig sind, werden wir diese - vorerst - in Dias umwandeln und so ins Fotoarchiv einordnen.
In der Römerstadt Augusta Raurica existiert mittlerweile ein Archiv für digitale Bilder (Bilderserver). Darauf werden jedoch bisher nur Bilder abgelegt, die z.B. für den Druck digitalisiert worden sind oder Aufnahmen, die von vorneherein für Publikationen gedacht sind. Die dafür zuständige Fotografin verwendet die gleiche Kamera wie wir (ab 2003 die Nikon D100), allerdings im qualitativ weitaus besseren .tif-Format. So kann bei einer eventuellen Wiederverwendung darauf zurückgegriffen werden. Das Archiv kann von allen MitarbeiterInnen angeschaut werden, sofern die Bildbetrachtungssoftware (meist IrfanView) installiert ist.

Aus der Augster Grabungsdokumentation:
Digitalaufnahme mit Definition künftiger Abträge (Grabung Augst, "Degen-Messerli", 1. Etappe 2001.64)

Kurz- und wohl auch mittelfristig wird die Ausgrabungsabteilung der Römerstadt die konventionelle Aufnahmetechnik mit sw-Fotos, Farbnegativen und Dias (alles Kleinbild) beibehalten. Zwar ist die Bildverarbeitung per EDV inzwischen weit fortgeschritten, doch bestehen unserer Ansicht nach noch viel zu viele Probleme und ungelöste Fragen, was die Dauerarchivierung anbetrifft, die ja auch eine stetige Aktualisierung der Bilder nach den jeweils neuesten Bildformaten und Speichermedien umfassen müsste. Wir haben in dieser Hinsicht schon genügend Probleme mit der Aktualisierung von "alten" Textdateien und "alten" Datenbanken!
Auch müsste gerade bei Grabungsaufnahmen eine möglichst umfassende Sicherung gegen Manipulationen vorhanden sein (von Anfang an!).
Was hingegen bald einmal verwirklicht werden soll, ist die elektronische Archivierung von alten Dias, die allmählich ihre Farbe verlieren, damit wenigstens auf diese Art weiterer Informationsverlust vermieden werden kann (begonnen 2003).

Jürg Rychener, Grabungsleiter, 05.06.2003


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