Reparaturen an zerbrochenem Geschirr waren in römischer Zeit aufwendig und teuer: Nur jedes 300ste Gefäss wurde in Augusta Raurica einem Geschirrflicker gebracht. Was wurde geflickt? Das Flickmaterial Blei wurde laut den Texten von römischen Dichtern und Schriftstellern oft als Verbindungsmaterial gebraucht. Es ist meist nicht erhalten; die Flickstellen erkennt man nur an den Flicklöchern oder -kerben. Kitt wurde wohl ebenfalls benützt, um die Flickstelle wasserundurchlässig zu machen. Kittspuren sind allerdings auch nicht mehr erhalten. Heutige Töpfer aus dem Mittelmeerraum kleben Risse mit einer Mischung aus
Eiweiss, Kalk, Tonmehl und Speichel. Flicktechnik 1: Bleiverguss Vorbereitung: Der Geschirrflicker wählte die zum Bohren der Flicklöcher günstigste Stelle eine knappe Fingerbreite von der Bruchkante entfernt. So konnte diese bei den entstehenden Spannungen nicht erneut
Schaden nehmen. Die Flicklöcher wurden mit dem Drillbohrer meist von aussen her und immer ganz durch die Gefässwand gebohrt. Auf der Innenseite des Gefässes wurde quer über die gebohrten Löcher ein Klumpen aus feuchtem Ton angedrückt, in den eine halbrunde Kehlung eingetieft war. Auf der nach oben gehaltenen Gefässaussenseite
formte der Geschirrflicker rings um das Lochpaar ein rechteckiges Kästchen aus Ton. Nun goss er das flüssige Blei (Schmelzpunkt 327o) in dieses Kästchen und durch die Flicklöcher ein. So entstanden zwei Zapfen,
die die Stege auf der Unter- und Oberseite fest verbanden. Nach dem Entfernen des tönernen «Models» schnitt er die äusseren Verbindungsstege in der Regel mit dem Messer zurecht. Flicktechnik 2: eingelassene Klammern Vorbereitung: Anstelle der Flicklöcher wurde die zu flickende Stelle beidseits der Bruchkante auf der Gefässaussenseite trapezförmig eingekerbt. Verbindung mit Blei: Der so entstandene «Doppelschwalbenschwanz» wurde mit Blei ausgegossen. Da die Flicken selbst kaum hervorstanden, mussten sie nicht versäubert werden. Diese Technik für Gefässreparaturen ist bei uns selten. Sie wurde aber oft bei Steinblöcken angewendet.
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Home Augusta Raurica Geschirrflicker siehe auch Töpferhandwerk
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Teures Tafelgeschirr, die Terra Sigillata, die im 1. Jahrhundert n. Chr. aus Gallien importiert wurde. Man
liess sie wegen ihres hohen Preises besonders häufig flicken. -
Reibschüsseln, die sogenannten mortaria, die in der Küche zum Mörsern von Gewürzen und Kräutern
gebraucht wurden. Dank ihrer Dickwandigkeit und den kantigen Bruchflächen konnten sie gut geflickt
werden. -
Dolien, grosse, bauchige Vorratsgefässe, die für die Aufbewahrung von Getreide, Essig und anderem
gebraucht wurden. Diese dickwandigen Gefässe waren bereits beim Brennen im Töpferofen anfällig auf
Sprünge und mussten deshalb oft schon vor dem Verkauf geflickt werden.
- S. Martin-Kilcher, Römische Geschirrflicker. Augster Blätter zur Römerzeit 1 (Augst 1978,1992).
Vgl. die Abbildung
Debora Schmid und Alex R. Furger