Eine Idee wurde zum Publikumsmagneten Woher kommen die heutigen Haustiere? Welche Haustiere waren bereits bei den Römern bekannt? Welche Tiere waren der wichtigste Fleischlieferant? Dies sind einige
Fragen, die die Archäologinnen und Archäologen in Augusta Raurica anhand der über 2 Millionen Knochenfunde beschäftigen. Mit dem wachsenden Umfang des Fundmaterials
und des damit verbundenen Fachwissen entstand der Wunsch, diese Erkenntnisse dem Publikum zu vermitteln. Die Idee, diesen bisher kaum gezeigten Aspekt des römischen
Alltags durch einen Haustierpark zu veranschaulichen, verdanken wir Marco Windlin, Abwart des Römermuseums und heute Leiter des Haustierparks. Auch beim
Tierschutzverein beider Basel und bei der Stiftung Pro Specie Rara, die sich für die Erhaltung alter, widerstandsfähiger Nutztierrassen einsetzt, fand dieses Projekt grosse
Zustimmung. Die Stiftung Pro Augusta Raurica übernahm die Trägerschaft für den Betrieb des Tierparks, und nach langjährigen Vorbereitungen und dank der Unterstützung
unzähliger Gönner und Spender konnte die Einweihung im Jahre 1992 mit einem grossen Römerfest gebührend gefeiert werden. Leitgedanke dieses Projektes war es, Tiere zu zeigen, die schon bei den Römern existierten oder hätten existieren können. So entspricht die Hornform der Nera-Verzasca-
Ziege ziemlich den Hornzapfen, die auf den archäologischen Ausgrabungen geborgen werden konnten. Neben der Öffentlichkeitsarbeit wird aber auch die Weiterzucht der
Tierrassen mit grossem Einsatz betrieben, denn vom Aussterben bedrohte Arten stammen nicht zwangsläufig aus fernen Ländern. Auch in unseren Breitengraden sind
bestimmte Nutztiere nur noch selten anzutreffen. Der Erfolg dieser Anstrengungen zeigt sich heute in dem grossartigen Tierbestand und dass rund ein Drittel der Jungtiere
wiederum für die Zucht eingesetzt werden können, so zum Beispiel durch den Export von zwei Jungschweinen nach Österreich. Kontrolliert wird diese Arbeit durch die Stiftung
Pro Specie Rara, den Tierschutzverein Beider Basel und durch den Kantonstierarzt. Es erstaunt kaum, dass sich der "Römische" Haustierpark Augusta Raurica innert Kürze zu einem grossen Publikumsmagneten entwickelte, der Gross und Klein begeistert und
nicht mehr aus unserer Römerstadt wegzudenken ist. So kann er auf ein treues Stammpublikum aus Nah und Fern zählen, welches die Tiere immer wieder besucht.
Verständlich, denn die hübsche Parkanlage lädt zum Verweilen und Lustwandeln ein und ermöglicht die Verhaltensweise der Tiere zu beobachten. Aber auch andere
Institutionen interessieren sich für unsere Erfahrungen im Aufbau und Unterhalt des Parks. Bei der Errichtung ähnlicher Tierparks in der Römervilla Mückenlohe (D) sowie die
Fondation Pierre Gianadda (Kanton Wallis) standen wir beratend zur Seite. Knapp zehn Jahre nach der Eröffnung wurde ein lang gehegter Wunsch 1999 Wirklichkeit: Mit dem Bau eines Ökonomiegebäudes und drei neuer Stallungsbauten für die Tiere
konnten die Infrastruktur des Parks verbessert und die teilweise provisorischen Altbauten endlich ersetzt werden. Möglich wurde dies dank der finanziellen Zuwendungen des
Lotteriefonds Baselland, der Interkantonalen Landeslotterie und weiterer Geldgeber, denn der Haustierpark ist nach wie vor nur durch Spenden und Beiträge Privater finanziert.
![]()
![]()
Home Augusta Raurica Haustierpark siehe auch Tierhaltung, Hühner, Hunde, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen, Schweine
| - | A. R. Furger/M. Windlin/S. Deschler-Erb/J. Schibler (traduction française C. May Castella), Der «römische» Haustierpark in Augusta Raurica. Le parc aux animaux domestiques «romains» d'Augusta Raurica. Augster Blätter zur Römerzeit 7 (Augst 1992). |
| - | J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989). |
| - | F. Tobler, Haustiere in Augusta Raurica. Museumskoffer zum «römischen» Haustierpark. Augster Blätter zur Römerzeit 9 (Augst 1995). |
Vgl. die Abbildung 1 und Abbildung 2
Weitere Infos
Dani Suter
(aus: AUGUSTA RAURICA 1997/1, 10-11)