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Hühner und anderes Hausgeflügel
siehe auch Tierhaltung, Haustierpark, Hunde, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen, Schweine
 

Geschichte der Domestikation des Haushuhns

Das Haushuhn (Gallus domesticus) gehört zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes), der Unterfamilie der Fasanen (Phasianinae) und der Gattung der Kammhühner (Galli). Unser heutiges Haushuhn stammt vom Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, das in Indien und Südostasien beheimatet ist. Älteste gesicherte Nachweise des Haushuhnes stammen aus dem Industal und datieren zwischen 2500 und 2100 v. Chr. Neuste, noch nicht völlig gesicherte Ergebnisse weisen auf die Möglichkeit einer bereits im 6. Jahrtausdend v. Chr. erfolgten Domestikation hin, wurden doch Knochen des Haushuhns aus diesem Zeitraum in China gefunden.

Die griechische Kolonisation im westlichen Mittelmeer und Handelskontakte bis nach Mitteleuropa dürften auch verantwortlich dafür sein, dass bereits im 5./4. Jahrhundert v. Chr. spärliche Funde des Haushuhnes in der Schweiz fassbar sind, so etwa in Gelterkinden/BL und in Möhlin/AG. Grössere Verbreitung fand das Haushuhn bei uns aber erst seit der Römerzeit.

Das Hausperlhuhn (Numida meleagris) gehört ebenfalls zur Ordnung der Hühnervögel, aber zur Unterfamilie der Perlhühner (Numidinae). Die Stammart unseres Hausperlhuhnes ist das Helmperlhuhn (Numida meleagris galeata). Seine Heimat ist Afrika. Bereits im alten Ägypten erscheint das Perlhuhn als heiliges Tier auf Reliefdarstellungen.

In Rom waren Perlhühner als Delikatesse bekannt. So schreibt Varro in de re rustica im 1. Jahrhundert v. Chr.: "Die afrikanischen Hühner, welche man Meleagrides nennt, sind gross, bunt, bucklig. Sie sind neuerdings für Schmausereien der Leckermäuler in Gebrauch gekommen, aber noch teuer, weil selten." Ob Hausperlhühner im ganzen römischen Reich verbreitet gewesen sind, lässt sich leider weder historisch noch osteologisch, d.h. anhand ihrer Knochen, nachweisen, was damit zusammenhängt, dass sie von anderen Hühnervögeln nicht leicht zu unterscheiden sind. Im Mittelalter scheinen sie fast vollständig verschwunden zu sein. Erst im 16. Jahrhundert wurden sie wieder von afrikareisenden Portugiesen in Europa eingeführt.


Hühner zur Römerzeit in Augusta Raurica

Als die Römer ihre Herrschaft über die Mittelmeerländer, Vorderasien und Nordafrika ausdehnten, brachten sie aus den unterworfenen Ländern neue Hühnerrassen ins italische Kernland. Zusammen mit ihren einheimischen Hühnern züchteten sie neue Schläge und Rassen. Diese erfuhren eine weitere Verbreitung nach Westen und Norden, also auch in das Gebiet von Augusta Raurica.

Bei den Knochenfunden, welche von Geflügel stammen, machen die Hühnerknochen den allergrössten Anteil aus. Hausgans und Ente lassen sich dagegen nur spärlich nachweisen. Der Geflügelkonsum nahm vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. deutlich zu, was als Zeichen wachsender Prosperität gedeutet werden darf. Dass Geflügelfleisch zu den kostbaren Fleischsorten gehörte, bestätigen Hinweise im Kochbuch des Apicius und auch die Sitte, dass man Verstorbenen Geflügelfleisch als Wegzehrung ins Grab legte.

In den Aussenquartieren von Augusta Raurica fanden sich viel weniger Geflügelknochen als in den Zentrumsquartieren. An der räumlichen Verteilung der Geflügelreste lässt sich die Sozialstruktur der Stadt ablesen. Auch dort, wo das römische "Hotel" (mansio) am Südrand der Stadt und das Gasthaus (taberna) beim Theater standen, kamen auffallend viele Hühnerknochen zutage.


Die im Augster Tierpark gezeigten Hühnerrassen

Verschiedene in Augusta Raurica und vor allem in Italien erhaltene Darstellungen, besonders natürlich auf farbigen Mosaiken, zeigen Hühner, welche den heutigen rebhuhnfarbenen Italienern gleichen. Diese gehören zu den Mittelmeerrassen. Sie besitzen weisse Ohrscheiben und einen tief eingeschnittenen Zackenkamm. Die Tiere sind leicht, beweglich und lebhaft. Für ihre Haltung benötigt man einen isolierten Stall. Die Italiener sind nicht bequem zu halten, da es sich um eine sehr lebhafte Rasse handelt.

Dass die Römer bereits Perlhühner hielten, wissen wir von historischen Quellen. Ihr Aussehen kennen wir zuverlässig nur von Mosaikbildern. Diese Darstellungen lassen auf unser Hausperlhuhn (aus der Gruppe der Helmperlhühner) schliessen. Anhand der Knochen sind die Perlhühner allerdings kaum von anderen Hühnerrassen zu trennen. Man unterscheidet heute prinzipiell drei Arten von Perlhühnern: die Helm-, Hauben- und Geierperlhühner, wovon allerdings nur die Helmperlhühner bei uns als Haustiere gehalten werden.


Geflügel in der heutigen Landwirtschaft

In der Schweiz macht das Geflügel ungefähr 11 % des konsumierten Fleisches aus. Man unterscheidet zwischen Küken, Junghennen (zur Aufzucht), Legehennen und Mastpoulets. Für alle Arten wäre ein unterteilter Stall, verbunden mit einem freien Auslauf, wünschenswert. Leider ist eine streulose Käfighaltung heute immer noch vorherrschend. Bei einer ausschliesslichen Stallzucht ist Bodenhaltung tolerierbar, doch sollte Tageslicht vorhanden sein.

Nicht nur Hühner, sondern auch vielerlei anderes Geflügel wurden als Haustiere gehalten: Tauben, Gänse, Enten und sogar Pfauen (alle gezeigten Funde stammen aus Augusta Raurica).


Weiterführende Literatur zur Haustierhaltung in Augusta Raurica:
- J. Schibler/A. R. Furger, Die Tierknochenfunde aus Augusta Raurica (Grabungen 1955-1974). Forschungen in Augst 9 (Augst 1988).
- J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989).

Weiterführende Literatur zur Geschichte der Hausgeflügel:

- N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994).
- W. Herre/M. Röhrs, Haustiere - zoologisch gesehen (Stuttgart, New York 1990).
- F. E. Zeuner, Geschichte der Haustiere (München 1967).

Vgl. die Abbildung

Weitere Infos

Sabine Deschler-Erb und Jörg Schibler

(aus: A. R. Furger/M. Windlin/S. Deschler-Erb/J. Schibler [traduction française C. May Castella], Der «römische» Haustierpark in Augusta Raurica. Le parc aux animaux domestiques «romains» d'Augusta Raurica. Augster Blätter zur Römerzeit 7 [Augst 1992])


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