Geschichte der Domestikation Der Hund (Canis lupus familiaris) gehört zu der Ordnung der Raubtiere (Carnivora), zur Familie der Hundeartigen (Canidae) und zur Unterfamilie der echten Hunde (Caninae).
Der Haushund stammt vom Wolf (Canis lupus) ab, der ursprünglich in Nordamerika, Europa und Asien verbreitet war. Früheste Spuren der Hundedomestikation finden sich
bereits ab etwa 12'000 v. Chr. in den gleichen Gebieten, zu einer Zeit also, als die Menschen noch lange keine Viehzucht betrieben. Die frühen Hunde dienten dem Menschen
wohl in erster Linie als Begleiter und Spielgefährten. Dass sie in Notzeiten auch als Nahrungstiere geschlachtet wurden, ist anzunehmen. Der älteste Nachweis des Haushundes
aus der Schweiz stammt aus Champréveyres (am Neuenburger See) und datiert ins 12. Jahrtausend v. Chr.
![]()
![]()
Home Augusta Raurica Hunde siehe auch Tierhaltung, Haustierpark, Hühner, Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen, Schweine
Römische Hundeknochen werden - in Augst wie anderswo - sehr selten in archäologischen Ausgrabungen gefunden. Grössere Anteile an Hunderesten unter den Tierknochenfunden ergaben sich nur im militärischen Umfeld des späten 3. und des 4. Jahrhunderts im Kastell Kaiseraugst. Hier wäre es also möglich, dass Hundefleisch von den Leuten konsumiert wurde. Betrachten wir die Häufigkeitsverteilung der Hundereste im gesamten Stadtgebiet von Augusta Raurica, so stellen wir fest, dass nur die ärmlicheren Stadtrandquartiere etwas grössere Hundeanteile aufweisen. In diesen Quartieren wäre also ein Konsum von Hundefleisch ohne weiteres möglich. In den vornehmen und reich ausgestatteten Zentrumsquartieren wurden dagegen Hunde sorgfältig bestattet, was deutlich eine andere Beziehung zwischen Mensch und Hund voraussetzt.
Erst die jüngsten Forschungen erzielten umfassendere Ergebnisse über die Körpergrösse der römischen Hunde von Augusta Raurica. Das Spektrum war demnach bereits sehr breit. Die Grösse der Tiere, d.h. deren Widerristhöhe, kann anhand der Gesamtlänge eines Langknochens (z.B. Schienbein) mit Hilfe eines Umrechnungsfaktors erschlossen werden. In Funden aus dem Augster Amphitheater sind auf diese Weise Hunde verschiedener Grössen nachgewiesen: Die Skala reicht von kleinen Hunden mit einer Widerristhöhe von bloss 30 cm bis zu stattlichen Tieren mit Widerristhöhen von 60 cm, wobei auch "Zwischengrössen" von 50 cm belegt sind. Die Zusammenstellung (s. unten) zeigt, welche neuzeitliche Hunderassen den angegebenen Grössen etwa entsprechen. Es muss betont werden, dass wir damit nur eine Vorstellung der Grössen vermitteln können.
Über das äussere Erscheinungsbild der Hunde, d.h. über ihre Variationsformen (wir würden heute von Rassen sprechen), können mittels einzelner Knochen keine genauen Angaben gemacht werden. Aus römischer Zeit sind Wach-, Hirten- und Jagdhunde bekannt; aus bildlichen Darstellungen wissen wir aber auch, dass Extremzüchtungen vorkommen konnten. Gebissanomalien durch starke Zahnreduktionen, Krummknochigkeit (wie etwa beim Mops) oder extreme Ausprägungen in Bezug auf Körperproportionen (z.B. Dackel), die damit einhergehen können, sind in Augst bisher kaum nachgewiesen. Sogar kleine Schosshündchen sind - vor allem in grossen Städten - durchaus beliebt gewesen. So macht sich der Schriftsteller Martial über die lächerlich wirkende Fürsorge lustig, die diesen Vierbeinern von ihren Frauchen zuteil wurde.
| Widerristhöhen im Vergleich: | |
| Römische Augster Hunde: | 30-60 cm |
| Moderne Rassen/Races modernes: | |
| Deutsche Dogge/Dogue allemand | 72-92 cm |
| Bernhardiner/Saint-Bernard | 65-80 cm |
| Neufundländer/Terre-Neuve | 62-75 cm |
| Dobermann | 58-70 cm |
| Berner Sennenhund/Chien courant bernois | 58-70 cm |
| Deutscher Schäferhund/Berger allemand | 55-65 cm |
| Boxer | 53-63 cm |
| Airedale Terrier/Airedale | 55-62 cm |
| Appenzeller Sennenhund/Chien courant appenz. | 48-58 cm |
| Kleiner Münsterländer/Munstrlander | 48-55 cm |
| Englischer Setter/Setter anglais | 50-56 cm |
| Königspudel/Caniche royal | 45-55 cm |
| Kleinpudel/Caniche nain | 35-45 cm |
| Cocker Spaniel/Cocker | 35-42 cm |
| Bostonterrier/Terrier de Boston | 35-38 cm |
| Mops/Carlin | max. 32 cm |
Unter allen Haustieren hat der Hund vermutlich von Anfang an eine Sonderstellung eingenommen. Frühe Zeugnisse aus der Antike belegen, dass er - ausser wegen seines direkten Nutzens als Jagdgehilfe, Wächter, Herdenbeschützer, Zugtier oder Kampfgefährte - schon damals auch als Gesellschafter und Begleiter besondere Beachtung fand. Er wurde zum Hausgenossen, dessen Aufmerksamkeit, Anhänglichkeit und Treue einem menschlichen Bedürfnis nach Zuwendung, Schutz und Zerstreuung entgegen kam.
Von den Hunden der Römer in der Schweiz zu den gegenwärtigen lassen sich keine direkten Verbindungen ziehen. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind aus den vielerorts vorhandenen Lokalschlägen und den bestimmten Zwecken dienenden Primitivrassen die über dreihundert heute bekannten Rassen entwickelt und rein gezüchtet worden. Dabei wurden bereits vorhandene Körpermerkmale wie Grösse oder Kleinheit, Haarkleid, Farben, Körperbau oder Kopfformen zum Teil bis ins Extrem gesteigert.
Abgesehen von den wenigen, die als Blindenführhunde, Lawinenhunde, Trümmerhunde, Polizeihunde, Drogenspürhunde und Wachhunde unersetzliche Spezialdienste leisten, hat der Hund heute vor allem als Begleiter eine grosse Bedeutung.
| - | J. Schibler/A. R. Furger, Die Tierknochenfunde aus Augusta Raurica (Grabungen 1955-1974). Forschungen in Augst 9 (Augst 1988). |
| - | J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989). |
| Weiterführende Literatur zur Geschichte des Hundes: | |
| - | H. Brackert/C. van Kleffens, Zur Hundehaltung bei den Römern. Antike Welt 20, 1989, Nr. 3, 56 f. |
| - | N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994). |
| - | W. Herre/M. Röhrs, Haustiere - zoologisch gesehen (Stuttgart, New York 1990). |
| - | F. E. Zeuner, Geschichte der Haustiere (München 1967). |
| - | G. Breuer, Die Tierknochenfunde aus zwei Latrinengruben des 1. Jahrhunderts in Augst (Grabung 1991.65) unter besonderer Berücksichtigung der Hundeskelettreste. Jahresberichte aus Augst und Kaiseraugst 13, 1992, 177 ff. |
Weitere Infos
Sabine Deschler-Erb und Jörg Schibler
(aus: A. R. Furger/M. Windlin/S. Deschler-Erb/J. Schibler [traduction française C. May Castella], Der «römische» Haustierpark in Augusta Raurica. Le parc aux animaux domestiques «romains» d'Augusta Raurica. Augster Blätter zur Römerzeit 7 [Augst 1992])