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Insula
siehe auch Mosaiken, Wandmalereien
 

Römische Wohnblocks - das Insula-System

Wie bei römischen Neugründungen üblich, orientierte sich das Strassensystem der Oberstadt an zwei rechtwinklig zueinander liegenden Hauptachsen, dem cardo maximus und dem decumanus maximus. Ihr Schnittpunkt bildete das Zentrum der Stadtvermessung. Der cardo maximus wird gemeinhin mit der in Richtung NNW-SSE vor dem Forumtempel vorbeiführenden Strasse (sogenannte Hohwartstrasse) gleichgesetzt. Er wurde von den Stadtplanern so angelegt, dass das von zwei Bachläufen begrenzte Plateau der Oberstadt unter optimaler Nutzung des Geländes mit dem rechtwinkligen Strassen- und Quartiersystem überbaut werden konnte.

Die Lage des decumanus, der wie der cardo nicht unbedingt eine Strasse, sondern auch nur eine vermessungstechnische Linie sein kann, ist weniger eindeutig erkennbar. Als Möglichkeiten bieten sich die Längsachse des Forums an, wodurch der Schnittpunkt der beiden Achsen mit dem Forumsaltar identisch wäre, ferner die Strasse unmittelbar südlich des Forums oder die nächstfolgende Parallelstrasse. Favorisiert man die dritte Lösung, lässt sich das ergänzte Grundrissschema der Oberstadt durch die beiden Hauptachsen in vier gleich grosse Quadranten mit je 25 hypothetischen Einheiten unterteilen. Ausserdem würden an den so definierten Achsen nicht nur das Hauptforum, sondern auch weitere öffentliche Gebäude der Stadt zu liegen kommen, so das Südforum, die Frauen- und die Zentralthermen und in einer späteren Phase auch der sogenannte Palazzo in den Insulae 41/47.

Der theoretisch ergänzte Strassenraster ergibt ein 665 auf 560 m messendes Rechteck mit zehn mal zehn Einheiten, die wir als Insulae bezeichnen. Eine Insula der Oberstadt war in der Regel 48 × 60 m gross und oft mit einer Säulenhalle (porticus) umgeben. Wegen der Geländeverhältnisse und der Belegung mit Monumentalbauten gelangte nur ein Teil dieser Insulae zur Ausführung. Am Beispiel der Insula 24 lässt sich anhand der Überbauung ihre weitere Unterteilung in zwölf Parzellen oder unciae (Lose) ablesen, die zusammen die Fläche eines iugerum ergeben, eines geläufigen und häufig verwendeten römischen Flächenmasses (circa ¼ ha).

Die Hauptachse der noch im 1. Jahrhundert erschlossenen «Unterstadt» führt von einer Biegung in der nördlichen Überlandstrasse auf direktem Weg an eine Stelle des Rheinufers, wo sich eine Brücke und möglicherweise eine Hafenanlage befanden (Höllochstrasse). Längs dieser Achse, deren Ausrichtung vom Cardo der Oberstadt abweicht, wurden auffallend längliche Insulae mit dem Seitenverhältnis 7:2 angelegt, deren Überbauung aber erst teilweise bekannt ist. Ihr Flächeninhalt entspricht jeweils vier iugera. Im Gegensatz zu griechischen Vorbildern mit ähnlich grossen Insulae, wie zum Beispiel der Stadt Olynth in Makedonien, wo die Insulae mit ihren Schmalseiten an die Hauptstrassen stossen, verläuft im Falle der Unterstadt die Hauptverkehrsrichtung entlang der Längsseiten. So wurden rasche, «kanalisierte» Verbindungen für den Durchgangsverkehr in der Unterstadt ermöglicht. Der Raster der Oberstadt mit seinen nahezu quadratischen Grundelementen bietet hingegen eine Vielzahl gleichwertiger Verbindungen von einem beliebigen Punkt zum andern.

Vgl. die Abbildung und das Panoramabild vom Innenhof der Insula 30

Weitere Infos

Urs Müller

(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])


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