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Küchengeräte
siehe auch Essen, Nahrungsmittel, Vorratshaltung, Räucherkammern für Schinken und Würste
 

Das gebräuchlichste Kochgeschirr der Römerzeit war der Kochtopf aus Ton, der entweder direkt auf die Glut, auf einen Rost aus Eisen oder auf einen Tonständer gestellt wurde. Sein Ton musste relativ viel Magerung, eine Sandbeimischung, enthalten, um der Hitzesprengung vorzubeugen. Form und Machart der Kochtöpfe waren stark von lokaler Tradition geprägt. So bezeichnet man einen mehr oder weniger auf die Nordwestschweiz beschränkten Typ des 1. Jahrhunderts n. Chr. als «Augster Kochtopf». Eine mit Kammstrich verzierte Form der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts hat eine ähnliche Verbreitung und ist manchmal auf der Wandung mit der Signatur des Herstellers (z.B. SVCVS) versehen. Im 4. Jahrhundert wurde eine Form mit tief gekehltem Deckelfalzrand, der «Mayener Kochtopf», aus seinem Herstellungsgebiet in der Eifel in weite Gebiete des Imperiums und auch nach Augusta Raurica exportiert. Eine hier nachgewiesene Sonderform mit gelochter Überlaufrinne könnte zum Kochen von Milch verwendet worden sein. Aus dem gleichen Ton wie die Kochtöpfe wurden mitunter auch napfartige Kochgefässe, zum Teil mit drei Füssen, hergestellt, während Deckel oft aus feinerem Ton bestanden.

Die tellerartigen, feintonigen Backplatten wurden offenbar nur im Backofen oder in der heissen Asche verwendet, wo sie geringeren Hitzespannungen ausgesetzt waren als die Kochtöpfe. Ihre Innenseite ist oft mit einem dunkelroten bis orangen Überzug versehen, der das Anhaften der Speisen verhindern sollte. Die Verwendung solcher Backplatten weist auf eine deutliche Romanisierung der Essitten hin. Ihr lateinischer Name patina bezeichnet zugleich das Gericht, eine Art Auflauf, von dem in der römischen Literatur eine Anzahl Rezepte in süssen und salzigen Variationen überliefert ist. Die frühesten in Augusta Raurica gefundenen Backplatten stammen aus Italien. Bis an den Anfang des 2. Jahrhunderts wurden sie aus Gallien importiert, danach in grosser Zahl in Augusta Raurica selbst getöpfert, wobei vom 4. Jahrhundert an vermehrt Kochtopfton verwendet wurde.

Neben Kochgeschirr aus Keramik wurde auch solches aus Metall verwendet, wohl vor allem, wenn höhere Temperaturen erforderlich waren. Dazu gehören Bratpfannen aus Eisen, darunter auch als Besonderheit eine in Augusta Raurica gefundene Schneckenpfanne, sowie eiserne und bronzene Kessel mit Aufhängevorrichtung und patinae aus Bronze. Ein Importartikel aus dem alpinen Raum waren aus Speckstein (Lavez) gedrechselte Kochtöpfe, Deckel und Backplatten, die vor allem im 3. und 4. Jahrhundert nachgewiesen sind. Aus dem gleichen Material gab es auch Schüsseln, Teller und Becher für den Esstisch.

Eine wichtige Rolle in der römischen Küche spielten die keramischen Reibschüsseln, in denen Gewürzmischungen, Saucen und Aufstriche gerieben und angerührt wurden, so zum Beispiel moretum, das aus Frischkäse, Öl und Gewürzen bestand. Einem ähnlichen Zweck dienten Steinmörser mit Reibern aus Stein oder Holz, die oft als abgewinkelte Finger gestaltet waren. Ausserdem gehörten Handmühlen zum Mahlen von Getreide und vielleicht Hülsenfrüchten oder Nüssen zur Küchenausstattung.

Fliessendes Wasser gab es allenfalls in Bädern, für die Küche wurde es an öffentlichen Laufbrunnen geholt, die in der Oberstadt an vielen Strassenkreuzungen standen. In der tiefergelegenen Unterstadt bediente man sich aus Sodbrunnen. Zum Wasserholen verwendete man in erster Linie grosse Doppelhenkelkrüge; einhenklige Kannen wurden eher bei Tisch verwendet.

Die neben dem Geschirr gebrauchten Küchengeräte wie Feuerhaken, Schöpfkellen, Handbeile, Rüst- und Hackmesser haben sich seit der Römerzeit nicht stark verändert. Siebe und Trichter hingegen bestanden zum grössten Teil aus Keramik. Zum Teil handelt es sich um Gefässe in Zweitverwendung, die nachträglich mit Löchern versehen wurden.


Weiterführende Literatur zur römischen Kücheneinrichtung:
- A. R. Furger, Vom Essen und Trinken im römischen Augst. Kochen, Essen und Trinken im Spiegel einiger Funde. Archäologie der Schweiz 8, 1985, 168 ff.
- Chr. Holliger, Culinaria Romana. So assen und tranken die Römer (Brugg 1984¹, 1996²).
- J. André, L'art culinaire. Apicius: De re coquinaria (Paris 1965).
- N. Blanc/A. Nercessian, Le cuisine romaine antique. Le verre et l'assiette (Grenoble 1992).

Vgl. die Abbildung

Weitere Infos

Debora Schmid und Verena Vogel Müller

(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])


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