In Augusta Raurica lassen sich 47 Mosaikböden nachweisen. Die meisten von ihnen fanden sich in den privaten Wohnbauten der Oberstadt, während von den öffentlichen Gebäuden lediglich die Thermen mit
Mosaiken ausgestattet waren. Von den 53 bekannten Insulae der Oberstadt weisen nur gerade 14 Mosaiken auf. Sie konzentrieren sich auf wenige, teilweise mit mehreren Böden luxuriös ausgestattete Gebäude (z.B.
die Insulae 30 und 41/47) und kommen nur vereinzelt in den Handwerkerhäusern vor. Im Verhältnis zur Grösse und Bedeutung der Stadt erstaunt die recht geringe Zahl von Gebäuden mit Mosaikausstattung;
anscheinend konnte sich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung in Augusta Raurica diesen Luxus leisten. In diesem Sinn dürfte auch die Fundleere in der Unterstadt von Augusta Raurica zu interpretieren sein. Anhand
anderer Fundgattungen konnte bereits festgestellt werden, dass in diesem Stadtteil eine im Durchschnitt der Bevölkerung weniger begüterte Einwohnerschaft lebte. Mosaiken wurden in öffentlichen und privaten Badeanlagen sowie in Wohnräumen verlegt, die teilweise beheizbar waren und demnach ganzjährig benutzt werden konnten. Erwartungsgemäss fanden sich die grössten
Räume mit Mosaiken in den öffentlichen Thermen. Ebenfalls stattliche Ausmasse hatten die Repräsentationsräume - zum Beispiel Speisesäle - und die Säulenhallen von Privathäusern. Meist kleiner waren die wohl als
Wohn- oder Schlafzimmer anzusprechenden Räume mit Mosaiken. Die frühesten Mosaikböden in Augusta Raurica entstanden im späteren 1. bis früheren 2. Jahrhundert, einem Zeitraum also, der dem Umbau der Stadthäuser in Stein unmittelbar folgte. Die Mehrzahl der Mosaiken
stammt allerdings aus dem späteren 2. bis früheren 3. Jahrhundert und bildet den Höhepunkt der Augster Mosaikkunst. Mit Sicherheit erst im 3. Jahrhundert sind nur wenige Böden verlegt worden. Das Ende der
Mosaikherstellung dürfte um die Mitte des 3. Jahrhunderts anzusetzen sein. Die Mosaiken aus Augusta Raurica zeichnen sich von Anfang an durch eine Vorliebe für geometrische, meist flächendeckende Muster aus, die in späterer Zeit mit Rosetten, Ranken oder Flechtbändern kombiniert sein
können. Das grosse Gladiatorenmosaik aus der luxuriösen Peristylvilla in Insula 30 bildet sowohl vom Motiv als auch von der Qualität her eine Ausnahme. Dargestellt sind Szenen von Gladiatorenkämpfen sowie ein
wasserspeiender Krater (zweihenkliges Prunkgefäss). Zwar sind wenige Reste von weiteren figürlichen Mosaiken überliefert, sie unterscheiden sich aber in ihrer Einfachheit vom Gladiatorenmosaik. Generell zeichnen sich die Mosaiken aus Augusta Raurica durch eine zurückhaltende Farbgebung und ein starkes Hervortreten des weissen Grundes aus. Figürliche Darstellungen sind selten, mythologische Bilder
fehlen bisher ganz. Vegetabile Muster sind hingegen zahlreich belegt und können teilweise aufgrund ihrer singulären Form - wie auch einzelne Kompositionen von geometrischen Rapporten - als Charakteristika lokaler
Mosaizisten oder Werkstätten angesprochen werden. Die Mosaiken aus den Insulae 41/47 zeigen diese Charakteristika besonders gut. Die Mosaiken aus Augst und Kaiseraugst lassen verschiedene Einflüsse und Beziehungen zu den bekannten Werkstattkreisen erkennen: Die frühen Böden sind erwartungsgemäss stark von italischen Mosaiken
beeinflusst, für die späteren lassen sich sowohl Verbindungen zu den Trierer und rheinischen Werkstattkreisen als auch zu denjenigen des Rhônetals nachweisen. Die Qualität der Böden aus diesen Zentren wird in
Augusta Raurica allerdings nur sehr selten erreicht, dies im klaren Unterschied zu den Mosaiken der Westschweiz (so in Orbe [VD]). Die Mehrheit der verwendeten Mosaiksteinchen wurde aus einheimischem Kalkstein hergestellt, der in der nächsten Umgebung von Augst gewonnen werden konnte. Die weniger häufig verwendeten Materialien wie
beispielsweise Marmor sind hingegen importiert. Ebenfalls sehr zurückhaltend wurden Glas, Keramik ohne Überzug und Terra Sigillata (rote Feinkeramik) verwendet. Die breiteste Palette weist das Gladiatorenmosaik
auf, an dem nicht weniger als 47 verschiedene Farb- und Materialnuancen festgestellt werden konnten. Der grösste Teil der verarbeiteten Steine stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Damit ist erwiesen, dass das
gesamte Mosaik in Augusta Raurica selbst hergestellt worden ist.
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Home Augusta Raurica Mosaiken siehe auch Insula, Wandmalereien
| - | V. v. Gonzenbach, Die römischen Mosaiken der Schweiz. Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz 13 (Basel 1961). |
| - | K. Parlasca, Die römischen Mosaiken in Deutschland. Römisch-Germanische Forschungen 23 (Berlin 1959). |
| - | M. Donderer, Die Mosaizisten der Antike und ihre wirtschaftliche und soziale Stellung. Eine Quellenstudie. Erlanger Forschungen A, Geisteswissenschaften 48 (Erlangen 1989). |
| - | D. Schmid, Die römischen Mosaiken aus Augst und Kaiseraugst. Forschungen in Augst 17 (Augst 1993). |
| - | L. Berger/M. Joos, Das Augster Gladiatorenmosaik. Römerhaus und Museum Augst. Jahresbericht 1969/70 (1971), 3 ff. |
Vgl. die Abbildung
Weitere Infos
Debora Schmid
(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])