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Pferde
siehe auch Legionäre, Tierhaltung, Haustierpark, Hühner, Hunde, Rinder, Schafe und Ziegen, Schweine
 

Geschichte der Domestikation

Das Hauspferd (Equus caballus) gehört zu der Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla), zu der Überfamilie der Pferdeartigen (Equoidea) und zur Familie der Pferde (Equidae). Nach dem Ende der letzten Eiszeit - vor rund 11'000 Jahren - zogen sich die einst über weite Gebiete Eurasiens verbreiteten Wildpferde (Equus ferus) in die Halbwüsten Zentralasiens zurück. Hier teilte sich das Pferd in mehrere Unterarten auf. Unsere heutigen Pferde könnten vom Tarpan (Equus ferus gmelini) abstammen. Älteste Funde von domestizierten Pferden stammen aus der Ukraine und datieren ins 4. Jahrtausend v. Chr. Ob für die Domestikation die Bedeutung des Pferdes als Zugtier wichtiger war als die Möglichkeit der Fleischversorgung, ist nicht geklärt. Sicher diente das Pferd seit je als Last- und Reittier. In der Schweiz finden sich erste spärliche Spuren des wohl bereits domestizierten Pferdes in den jungsteinzeitlichen Seeufersiedlungen (3. Jahrtausend v. Chr.).


Pferde, Maultiere und Esel zur Römerzeit in Augusta Raurica

Pferde dienten den Römern in erster Linie als Reit- oder Lasttiere, darüber hinaus spielten sie eine wichtige Rolle für die Wagenrennen. Columella gibt in seinen Schriften Anweisungen zur sorgfältigen Pflege der Pferde. Für die Arbeiten in der Landwirtschaft scheinen die Römer die genügsameren Maultiere und Esel bevorzugt zu haben. Allerdings gibt es nördlich der Alpen nur wenige Nachweise von Hauseseln in römischer Zeit.

Darüber, ob die Römer Pferdefleisch gegessen haben, herrschen unterschiedliche Meinungen. Die bei Grabungen aufgefundenen Pferdeknochen weisen zwar Schnittspuren auf, doch sind sie weniger zerstückelt als dies bei Speiseresten von anderen Tieren üblich ist. In Augusta Raurica wurden allerdings auch Pferdeknochen gefunden, die sich als Speisereste deuten lassen.

Die Pferde der Römerzeit erreichten eine durchschnittliche Widerristhöhe von 141 cm. Von der Grösse her entsprechen ihnen am besten die heutigen Haflinger. Bedeutend grösser sind die in der Schweiz gezüchteten Warmblutrassen. Ihre Stuten erreichen eine durchschnittliche Höhe von 160 cm, die Hengste sogar 170 cm.

Der Anteil an Pferdeknochen am gesamten Knochenbestand von Augusta Raurica ist äusserst gering, er steigt jedoch im Verlauf der Jahrhunderte an. Im Kastell Kaiseraugst, wo das Militär untergebracht war, sind für das 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. die meisten Pferdeknochen nachgewiesen. Diese Befunde stimmen mit denen aus anderen römischen Militärstationen nördlich der Alpen überein. Aus den Fundstellen ist zu schliessen, dass die Stallungen am Rand und nicht im Zentrum der Stadt lagen. Der relativ grosse Anteil an Pferdeknochen am Ort der Herberge (mansio), an der grossen Einfallstrasse zwischen dem Ost- und Westtor, deutet entweder darauf hin, dass hier auch grössere Stallungen standen, die dem Pferdewechsel dienten, oder dass hier besonders viel Pferdefleisch verzehrt wurde.

Aus römischer Zeit überlieferte Pferdenamen (nach M. Junkelmann):
Advocatus (Anwalt/avocat)
Agricola (Bauer/paysan)
Amandus (Liebling/amant)
Aquila (Adler/aigle)
Blandus (Schmeichler/chéri)
Candidus (Schneeweisser/blanc)
Catta (Katze/chat)
Cursor (Renner/coureur)
Ferox (Tollkühner/téméraire)
Gallus (Gallier/Gaulois)
Glaucus (Grauschimmel/cheval gris)
Incitatus (Heisssporn/tête brûlée)
Latro (Schurke/coquin)
Leo (Löwe/lion)
Lupus (Wolf/loup)
Luxuriosus (Lüstling/débauché)
Maculosus (Schecke/limaçon)
Nauta (Matrose/matelot)
Parasitus (Schmarotzer/parasite)
Puerina (Mädelchen/fillette)
Pullentianus (Rappe/cheval noir)
Romanus (Römer/Romain)
Sagitta (Pfeil/flèche)
Scholasticus (Student/étudiant)
Taurus (Stier/taureau)
Victor (Sieger/vainqueur)


Die im Augster Tierpark gezeigten Grossesel

Da Pferde nur mit grossem personellen Aufwand zu halten sind, zeigen wir im Haustierpark Esel als Vertreter der Equiden (Pferdeartige). Sie sind nicht nur stellvertretend für die in römischer Zeit nachweisbaren Esel zu sehen, sondern auch für die in grosser Zahl gezüchteten Maultiere. Beide wurden in erster Linie als Arbeitstiere gehalten. Die gezeigten Tiere sind Grossesel und Piemonteser Esel, die in Grösse und Wuchsform den antiken Darstellungen recht gut entsprechen.


Das Pferd in der heutigen Gesellschaft

Es ist heute kaum noch vorstellbar, welch wichtige Bedeutung das Pferd einst hatte, bevor es motorisierte Transportmittel gab. Der Grad der Mobilität von Menschen und Gütern bemass sich nach der Pferdestärke.

In der Industriegesellschaft ist das Pferd als Transportmittel und als Arbeitstier überflüssig geworden. Dafür spielt es nun eine wichtige Rolle in der Freizeitgestaltung. In den letzten Jahren ist eine regelrechte Zubehör-Industrie entstanden, und Reitställe schiessen wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur das sportliche Zubehör in den Boutiquen, ja das Tier selbst ist zur Ware geworden. Das Pferd dient heute aber nicht ausschliesslich als Hochleistungs- und Freizeitsportler, sondern auch als Fleischlieferant, der wieder an Bedeutung gewinnt. So hat es in diesen Funktionen seinen Platz als "Haustier" in der modernen Gesellschaft behaupten können.


Weiterführende Literatur zur Haustierhaltung in Augusta Raurica:
- J. Schibler/A. R. Furger, Die Tierknochenfunde aus Augusta Raurica (Grabungen 1955-1974). Forschungen in Augst 9 (Augst 1988).
- J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989).
 
Weiterführende Literatur zu Pferden in römischer Zeit:
- M. Junkelmann, Die Reiter Roms I. Reise, Jagd, Triumph und Circusrennen. Kulturgeschichte der antiken Welt 45 (Mainz 1990).
- M. Junkelmann, Die Reiter Roms II. Reitweise und militärischer Einsatz. Kulturgeschichte der antiken Welt 49 (Mainz 1991).
- M. Junkelmann, Die Reiter Roms III: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung. Kulturgeschichte der antiken Welt 53 (Mainz 1993).
 
Weiterführende Literatur zur Geschichte des Hauspferds:
- N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994).
- W. Herre/M. Röhrs, Haustiere - zoologisch gesehen (Stuttgart, New York 1990).
- F. E. Zeuner, Geschichte der Haustiere (München 1967).

Weitere Infos

Sabine Deschler-Erb und Jörg Schibler

(aus: A. R. Furger/M. Windlin/S. Deschler-Erb/J. Schibler [traduction française C. May Castella], Der «römische» Haustierpark in Augusta Raurica. Le parc aux animaux domestiques «romains»


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