Als in den 1940er Jahren südlich des Theaters mehrere grosse Werkhallen mit Herdstellen und eigenartigen eingebauten Ziegelkammern zum Vorschein kamen, verhalf eine
Textstelle des römischen Schriftstellers M. Terentius Varro zu einer Deutung dieser Anlagen. Er schreibt: «Nun werden auch Jahr für Jahr aus Gallien Schinken, Würste, Speck
und Hammen eingeführt». Die Herdstellen lassen sich aus dieser Sicht als Wurstsiedereien deuten. Die erwähnten Fleischwaren mussten für den Export haltbar gemacht
werden, am ehesten durch Räuchern. Die ausgegrabenen Kammern aus Ziegelmauern weisen Kanäle mit Verteilungsdüsen auf, die von den benachbarten Herdstellen aus mit
Rauch beschickt werden konnten. Da wir solche Räucherkammern nunmehr in grösserer Zahl aus Augst kennen, ist an eine Überproduktion haltbarer "gallischer Rauchschinken
und -würste" für den Export zu denken, die über den eigenen Bedarf hinaus ging. «Stampfe Pfeffer, Kümmel, Bohnenkraut, Raute, Petersilie, gemischte Kräuter (condimenta), Lorbeer-Beeren und liquamen (Fischsauce) und mische dies mit sehr fein
gehacktem Fleisch; dabei wird alles nochmals gründlich gestampft. Zu dieser Masse füge liquamen, Pfefferkömer, reichlich Fett und Pinienkerne hinzu, stopfe damit eine lang
und dünn ausgezogene Wursthaut (intestinum) und hänge die fertige Wurst zum Räuchern auf.»
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Home Augusta Raurica Räucherkammern für Schinken und Würste siehe auch Essen, Tabernen, Küchengräte, Tierhaltung, Vorratshaltung, Wirtschaft in Rom
Lukanische Würstchen (lucanicae), nach Apicius:
| - | R. Laur-Belart, Gallische Schinken und Würste. Ur-Schweiz 17, 1953, 33 ff. |
| - | J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989) 25 f. Abb. 47-50. |
| - | Marcus Gavius Apicius, De re coquinaria (Über die Kochkunst) Kapitel II, Rezept Nr. 4 (Lukanische Würstchen). Vgl. z. B. die Apicius-Ausgaben: J. André, L'art culinaire. Apicius: De re coquinaria (Paris 1965); E. Alföldi-Rosenbaum, Das Kochbuch der Römer. Rezepte aus der «Kochkunst» des Apicius (Zürich/München 1970¹, 19888); R. Maier (Hrsg.), Marcus Gavius Apicius. De re coquinaria. Das römische Kochbuch des Apicius. Universal-Bibliothek 8710 (Stuttgart 1991); H.-P. Peschke/W. Feldmann (Hrsg.), Kochen wie die alten Römer. 200 Rezepte nach Apicius, für die heutige Küche umgesetz (Zürich 1995). |
Vgl. die Abbildung
Weitere Infos
Alex R. Furger
(aus: A. R. Furger, Römermuseum und Römerhaus Augst. Kurztexte und Hintergrundinformationen. Augster Museumshefte 10 [Augst 1987¹, 1989²])