Geschichte der Domestikation Das Hausrind (Bos taurus) gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla), der Unterordnung der Wiederkäuer (Ruminantia) und der Familie der Hornträger (Bovidae). Alle
heutigen domestizierten Rinder der Welt stammen vom Ur bzw. vom Auerochsen (Bos primigenius) ab. Der letzte Ur starb 1627 in einem Wildgehege in Polen. Der Ur war
ursprünglich von Europa bis nach Asien und von Sibirien bis nach Nordafrika verbreitet. Älteste Funde des Hausrindes datieren ins späte 8. Jahrtausend v. Chr. und stammen
aus dem Vorderen Orient (Ostanatolien, Syrien), von wo aus sich die Kenntnis über die Haustierzucht allmählich ausbreitete. Zu Beginn der Rinderdomestikation stand sicher
die Fleischproduktion im Vordergrund; eine eigentliche Milchwirtschaft dürfte erst mit der Zeit betrieben worden sein. Das Hausrind kommt in der Schweiz bereits in den ältesten
bekannten jungsteinzeitlichen Siedlungen vor - im Wallis ab ca. 5000 v. Chr., im Mittelland ab ca. 4300 v. Chr. Die frühesten Nachweise von domestizierten Rindern in
Zentraleuropa stammen aus den Fundstellen der Linearbandkeramik (2. Hälfte 6. Jahrtausend v. Chr.), welche die Schweiz nur an ihrem nördlichen Rand gestreift hat.
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Home Augusta Raurica Rinder siehe auch Tierhaltung, Haustierpark, Hühner, Hunde, Pferde, Schafe und Ziegen, Schweine
Die in Augusta Raurica ausgegrabenen Tierknochen stammen zu 43 % von Rindern. Das Rind war demnach das wichtigste Haustier zur Römerzeit; es lieferte mit Abstand die grösste Fleischmenge. Vom 1. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. ist eine Zunahme der Rinder festzustellen. Im Kastell Kaiseraugst, dem militärischen Zentrum des 4. Jh. n. Chr., ist der Anteil der Rinderknochen besonders hoch.
Die zur Römerzeit lebenden Rinder erreichten eine durchschnittliche Widerristhöhe von 113 cm bei Kühen und 132 cm bei Stieren. Beim heutigen Simmentaler Fleckvieh beträgt die durchschnittliche Höhe 138 cm bei weiblichen und 147 cm bei männlichen Tieren.
Die in Augst ausgegrabenen Rinderknochen stammen zum grössten Teil von ausgewachsenen Tieren, welche vor der Schlachtung als Zug-, Trag- oder auch als Milchtiere genutzt worden waren. Dass Rinder in erster Linie als Arbeitstiere gehalten wurden, ist auch den von Columella verfassten Schriften über die Landwirtschaft zu entnehmen.
In den von Handwerkern bewohnten Aussenbezirken von Augusta Raurica machen die Rinderknochen einen grösseren Anteil aus als in den vornehmeren inneren Stadtquartieren. In dem am Südrand gelegenen Hotel und Restaurant (mansio) wurden auffallend wenig Rinderknochen gefunden, was darauf schliessen lässt, dass es sich um ein exklusives Restaurant handelte.
Für das Augster Tiergehege kämen verschiedene pflegeleichte und winterharte Rinderrassen in Frage: das Schottische Hochlandrind, das Rätische Grauvieh, das Hinterwälder Rind oder eine in Polen zurückgezüchtete namenlose Rasse. Die Stiftung Pro Specie Rara fördert die Zucht des Rätischen Grauviehs und des Hinterwälder Rindes. Von letzterem wird seit einigen Jahren nun auch eine kleine Zuchgruppe im Haustierpark geführt.
Ungefähr ein Drittel des heute in der Schweiz konsumierten Fleisches stammt vom Rind. Bedeutender ist die Rindviehzucht zum Zwecke der Milchproduktion.
Bei der Rinderzucht unterscheidet man zwischen Mast- und Zuchtkälbern (bis ca. 6 Monate), Jungvieh (zur Aufzucht bestimmte Tiere ab 6 Monaten bis zum Abkalben), Mastvieh (zur Grossviehmast bestimmte Tiere ab 3 Monaten bis zur Schlachtung) und Milchkühe (Tiere nach dem ersten Abkalben).
Kälber, Jung- und Mastvieh werden heute vielfach in Ställen mit Vollspaltenböden ohne Einstreu gehalten, was zwar die Arbeit erleichtert, aber nicht als "tierfreundlich" gelten kann. Bei Milchkühen ist eine Schwemmentmistung mit Einstreu tolerierbar. Für die Aufzucht der Kälber sind vollklimatisierte Ställe unnötig. Für Jungvieh, Mastvieh und Milchkühe wäre eine Haltung mit Weideland wünschenswert.
| Weiterführende Literatur zur Haustierhaltung in Augusta Raurica: | |
| - | J. Schibler/A. R. Furger, Die Tierknochenfunde aus Augusta Raurica (Grabungen 1955-1974). Forschungen in Augst 9 (Augst 1988). |
| - | J. Schibler/E. Schmid, Tierknochenfunde als Schlüssel zur Geschichte der Wirtschaft, der Ernährung, des Handwerks und des sozialen Lebens in Augusta Raurica. Augster Museumshefte 12 (Augst 1989). |
| Weiterführende Literatur zur Geschichte des Hausrinds: | |
| - | N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994). |
| - | W. Herre/M. Röhrs, Haustiere - zoologisch gesehen (Stuttgart, New York 1990). |
| - | F. E. Zeuner, Geschichte der Haustiere (München 1967). |
Weitere Infos
Sabine Deschler-Erb und Jörg Schibler
(aus: A. R. Furger/M. Windlin/S. Deschler-Erb/J. Schibler [traduction française C. May Castella], Der «römische» Haustierpark in Augusta Raurica. Le parc aux animaux domestiques «romains» d'Augusta Raurica. Augster Blätter zur Römerzeit 7 [Augst 1992])