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Die Bevölkerung einer römischen Stadt präsentierte sich weitaus homogener als dies in modernen Metropolen der Fall ist. Den grössten Teil machten einheimische
Bewohneraus, zu denen sich Angehörige des Militärs sowie Zugezogene aus dem gesamten Imperium gesellten. Häufig stand der Bau einer militärischen Anlage am Beginn der
Romanisierung eines Gebietes. Dabei konnte es sich um ein kleines Kastell zur Sicherung einer Verkehrsverbindung oder um einen Wachturm an der Grenze handeln. Von
grosser Bedeutung waren die Legionslager mit ihren Stabsgebäuden, Mannschaftsunterkünften und Hospitälern. Neben diesen Lagern entstanden häufig zivile Lagerdörfer, in
denen sich Angehörige der Soldaten oder der lokalen Bevölkerung niederliessen; im Falle von Augusta Raurica waren dies Kelten verschiedener Stämme. Die römischen
Soldaten ihrerseits stammten zum Teil aus weit entfernten Teilen des Imperiums. Sie wurden normalerweise an ihrem Geburtsort rekrutiert und im Verlauf ihrer 25-jährigen
Dienstzeit bei Bedarf in verschiedene Provinzen verlegt. Am Ende ihrer Aktivzeit erhielten sie als Entlöhnung oder Pension ein Stück Land - häufig in einem der neu eroberten
Gebiete - zugewiesen. Dort konnten sie sich als Zivilisten niederlassen und offiziell eine Familie gründen. Damit wurden sie in ihrer neuen Heimat zu wichtigen Trägern des
Romanisierungsprozesses.
Der Wohnstandard hing vom sozialen Status der einzelnen Stadtbewohner ab. So gab es einfachste Behausungen, Mehr- und Einfamilienhäuser, Prachtvillen und militärische
Unterkünfte. Zu den zahlreichen lokal geprägten Wohnformen traten mit der Romanisierung bevorzugt multifunktionale Häuser, in denen Wohn- und Arbeitsbereiche unter
einem Dach vereint waren. Entsprechend häufig sind sie denn auch bei archäologischen Ausgrabungen festzustellen. Das im Folgenden beschriebene Haus dient zur Illustration
einer solchen durchschnittlichen Wohnsituation.
Dieser Haustypus weist - in freier Wiederholung - bestimmte architektonische Elemente auf. Die Anlagen sind im allgemeinen zweigeschossig, Wohn- und Arbeitstrakt sind um
einen zentralen Hof gruppiert, in dem sich oft ein Garten sowie Stallungen für die Haustiere befinden. Gegen die Strassenfront sind die Hauseinheiten häufig von einer
Säulenhalle abgeschlossen. Als Grundelemente sind im Wohnbereich Küche, Wohn- und Esszimmer (das manchmal auch als Schlafzimmer diente) sowie Schlafräume zu
nennen. Luxuriösere Häuser verfügten zusätzlich über fliessendes Wasser, ein Bad und eine Latrine; ausserdem konnten gewisse Räume mit einer Warmluftheizung
(Hypokaust) versehen sein. Die Innengestaltung der Räumlichkeiten erfolgte in erster Linie durch Wandmalereien und Mosaiken; Möbel wurden für unsere Begriffe nur äusserst
spärlich eingesetzt.
Ein weiterer Bestandteil dieser multifunktionalen Häuser war der Arbeits- und Handelsbereich, der vom Hof gegen die Strasse orientiert war. Zahlreiche Händler und
Handwerker hatten also ihre Arbeitsplätze direkt im eigenen Haus. Nur bestimmte Gewerbe, die von der Bevölkerung als grosse Belastung empfunden wurden (z.B. Töpfereien
mit Feuergefahr und Rauchbelästigung oder Gerbereien mit übelriechenden Gerbgruben), waren eher am Rande der Siedlungen anzutreffen.
Ein durchschnittlicher römischer Haushalt umfasste wesentlich mehr Personen als dies in der modernen Gesellschaft der Fall ist. Familienoberhaupt war der pater familias, der
nicht nur die wirtschaftlichen und rechtlichen Angelegenheiten betreute, sondern auch für die religiösen Handlungen am Hausheiligtum, dem lararium, zuständig war. Ihm zur
Seite stand, wenn auch nicht gleichberechtigt, seine Frau, die domina. Sie wachte in erster Linie über die Kinder und die Bediensteten, bei denen es sich um Sklaven handeln
konnte. Neben den alltäglichen Arbeiten, zu denen das Kochen, Einkaufen und Besorgen von Hof und Garten gehörte, sorgte die domina auch dafür, dass der im Haus
benötigte Vorrat an Textilien angefertigt wurde. Entsprechend häufig finden sich denn auch in den Häusern Utensilien, die für das Textilhandwerk benötigt wurden. Für die
Kinder bestand keine allgemeine Schulpflicht, wenn überhaupt, fand der Unterricht zuhause statt. Da auch die Sklaven - mit entsprechendem rechtlichem Status - zur Familie
gehörten, lebten und arbeiteten in den typisch römischen Häusern also eigentliche Grossfamilien unter einem Dach. Die Spezialisierung des Handwerks führte zu einem regen
Warenaustausch, wobei gewisse Produkte wie zum Beispiel Getreide von den umliegenden Gutshöfen bezogen wurden. Der Handel mit speziellen Luxusartikeln wie Wein,
Südfrüchten, Bernstein oder gar Austern bedingte dagegen weitreichende Verkehrsverbindungen mit dem gesamten Imperium.
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| Weiterführende Literatur zur antiken Stadt: |
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F. Kolb, Die Stadt im Altertum (München 1984). |
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U. Heimberg/A. Rieche, COLONIA ULPIA TRAIANA. Die römische Stadt. Planung -
Architektur - Ausgrabung. Führer und Schriften des Archäol. Parks Xanten 8 (Köln
1986). |
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E. Ortiz de Urbina, Die römische municipale Ordnung. Realität und Virtualität. Bonner
Jahrbücher 195, 1995, 39 ff. |
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J. Ch. Balty, Curia ordinis. Recherches d'architecture et d'urbanisme antiques sur les
curies provinciales du monde romain (Bruxelles 1991). |
Vgl. die Abbildung
Weitere Infos
Rudolf Känel und Karin Kob
(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])