Stätten von Glauben und Verehrung
In den römischen Provinzen des Nordens begegnen uns zumeist zwei unterschiedliche Formen von Tempeln: einerseits der aus Italien übernommene Podiumtempel, in dem
sich - neben der Veehrung der römischen Götter - imperiale Selbstdarstellung und Machtdemonstration ausdrücken, andererseits Tempelbezirke in keltischer Tradition, die in
der Regel mit lokalen Gottheiten (z.B. Schutz- und Fruchtbarkeitsgöttinnen) in Verbindung stehen.
Der monumentale römische Tempel steht, aus seiner Umgebung herausgehoben, auf einem Podium, besitzt eine Cella mit tiefer Vorhalle und eine Freitreppe. Er hat einen
gestreckten Grundriss, eine betonte Frontseite und ist auf Fassadenwirkung hin konzipiert. Im Tempel konnten eine oder mehrere römische Gottheiten verehrt werden. Im
Unterschied etwa zu einer Kirche oder einer Synagoge diente er nicht als Versammlungsraum für die Gläubigen, sondern war Haus der Gottheit und somit nur den Priestern
zugänglich. Die öffentlichen Kulthandlungen spielten sich vor dem Tempel ab, wo sich die Gläubigen um den meist vor der Frontseite errichteten Altar versammelten.
Die keltische Bevölkerung war verpflichtet, den römischen Staatsgöttern ihre Verehrung zu erweisen, durfte daneben aber weiterhin an ihren religiösen Vorstellungen festhalten.
In den westlichen Provinzen errichtete sie ihren Göttern im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. sogenannte gallo-römische Umgangstempel. Diese lokalen Heiligtümer lagen
mehrheitlich am Rande der Stadt und waren kleiner und einfacher ausgestattet als die Tempel für die Staatsgötter.
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| Weiterführende Literatur zu den Augster Tempelbauten: |
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L. Berger (mit einem Beitrag von Th. Hufschmid), Führer durch Augusta Raurica (Basel
19986) 48 ff., 96 ff. und 125 ff. |
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M. Trunk, Römische Tempel in den Rhein- und westlichen Donauprovinzen. Ein Beitrag
zur architekturgeschichtlichen Einordnung römischer Sakralbauten in Augst.
Forschungen in Augst 14 (Augst 1991). |
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R. Hänggi, Der Podiumtempel auf dem Schönbühl in Augst. Augster Museumshefte 9
(Augst 1986). |
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E. Riha, Der gallo-römische Tempel auf der Flühweghalde bei Augst. Augster
Museumshefte 3 (Augst 1980). |
Vgl. die Abbildung
Weitere Infos
Claudia Neukom-Radtke
(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])