Was ist Terra Sigillata (TS)? Terra Sigillata (Abkürzung TS) ist eine besondere Keramiksorte der römischen Zeit in verschiedener Hinsicht:
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Home Augusta Raurica Terra Sigillata siehe auch Töpferhandwerk, Experimentier-Töpferofen, Geschirrflicker
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Sie fällt auf durch ihre rote Farbe und ihre Härte. -
Sie "macht etwas her", auch für Laien am Rande der Ausgrabung. -
Sie ist für die ArchäologInnen immer noch das wichtigste Hilfsmittel für die Datierung "prima vista", darüber
hinaus liefert sie je nach Fragestellung Hinweise zur Wirtschaftsgeschichte, zum römischen
Manufakturwesen, zu Handelsrouten und zur Erforschung der Romanisierung. -
Sie ist in römischer Zeit offenbar ein Mittel, sich "römisch" zu geben und einen gewissen Wohlstand zu
signalisieren.
Terra Sigillata ist ein moderner Name. In römischer Zeit heisst die Keramik Vas arretinum (Mehrzahl: Vasa arretina) oder Vas Samium (Vasa Samia); das bezieht sich auf die glänzenden Töpferwaren von der Ägäisinsel Samos.
| - | TS ist Keramik von bester Qualität, hart (d.h. bei hohen Temperaturen) gebrannt. |
| - | Die Gefässe sind mit einem Überzug aus feinstem Tonschlicker versehen, der sich beim Brennen durch Versinterung der feinen Tonpartikel zu einem wasserdichten und hochglänzenden Überzug wandelt. Der flüssige Schlicker, in den die Gefäss vor dem Brennen getaucht werden, musste mit grossem Aufwand durch vielfaches Ausschlämmen hergestellt werden. Es handelt sich dabei nicht um eine Glasur, da diese per definitionem Blei als Flussmittel enthält. |
| - | TS weist genormte Gefässformen und -grössen auf, die teilweise zu Services zusammengestellt waren und auch so verkauft wurden. |
| - | Der Formenschatz ist begrenzt: Platten, Teller, Schüsseln, Tassen oder Schälchen sind am häufigsten produziert worden, Becher nur zeitweise, Reibschüsseln erst in späterer Zeit. Andere Formen konnten sich - obwohl gelegentlich produziert - nicht durchsetzen. |
| - | TS ist rot gebrannt. Schwarze und rot-gelb marmorierte TS wurde nur kurzzeitig und ohne grossen Erfolg bei den Käufern produziert. |
| - | Die typischen scharfkantigen, mit Hilfe von Schablonen oder speziellem Gerät geformten Gefässprofile sollen (zumindest anfangs) Metallgefässen nachahmen. |
| - | Bei der TS dominiert die glatte, wenig oder ganz unverzierte Ware. Eine Ausnahme sind die mit Bildern verzierten Relief-Schüsseln, die mehr als 250 Jahre - in unterschiedlichen Formen - beliebt blieben. |
| - | Ein erheblicher Teil der Gefässe weist Töpferstempel auf. |
| - | TS wurde als Massenware in Grossbetrieben hergestellt, Betriebe, die durchaus als Manufakturen bezeichnet werden könnten. Die Herstellung bedingte ein spezielles Know-how und eine gewisse Arbeitsteilung. |
| - | TS wurde über weite Distanzen verhandelt. Der aufwendige Produktionsprozess und der Transport machten die Keramik verhältnismässig teuer. Im Nordwesten des römischen Reiches stammte die meiste TS im 2. und 3. Jh. n.Chr. aus gallischen Werkstätten. |
| - | TS ist das Tafelgeschirr des "Mittelstandes", der sich im Westen des Römischen Reiches im frühen 1. Jh. n.Chr. zu etablieren beginnt. Dessen Mitglieder wollten sich unter anderem durch die TS "römisch" geben; funktional ersetzt die TS in diesen Haushalten das bei der Oberschicht auf der Tafel verwendete Metallgeschirr. |
| - | TS, wie wir sie hierzulande finden, wurde ab den 30er Jahren des 1. Jh. v. Chr. entwickelt. Eine erste grosse und sehr erfolgreiche Manufaktur war Arezzo in der Toscana, von dessen römischem Namen (Arretinum) die zeitgenössische Bezeichnung der TS als Vas arretinum herrührt. Die TS der frühen Zeit kam vorwiegend mit dem Militär in unser Gebiet, erfreute sich aber quasi sofort auch bei den Einheimischen grosser Beliebtheit. |
| - | Weitere Werkstätten entstehen - im Gefolge der am Rhein stationierten Legionen, in Gallien: zuerst in Lyon, dann in La Graufesenque in Südfrankreich. Die Werkstätten in La Graufesenque dominieren den Markt im 1. Jh. n.Chr. weitgehend. Mit dem sich weiter gegen Nordwesten ausdehnenden Reichsgebiet werden dann mittelgallische (Lezoux), schliesslich oberelsässische und mittelrheinische Werkstätten gegründet, wobei sich die grösste Manufaktur in Rheinzabern etablieren konnte. Im 4. Jh. entsteht in den Argonnen ein weit herum lieferndes Töpferzentrum. Lokale Produktionszentren, die meist schlechte Ware liefern, gibt es an verschiedenen Orten. Im 5. Jh. wird auch afrikanische TS in das Gebiet der heutigen Schweiz geliefert. |
| - | Die quasi zentral in den Werkstätten entwickelte Neuheiten, die überall etwa gleichzeitig in den Handel gelangen, sind ein gutes Hilfsmittel der Datierung. |
| - | Genormte Formen erleichtern die Zuweisung auch kleinster Scherben; seit über hundert Jahren werden die Gefässe der TS von den ArchäologInnen durch eine Numerierung international gleich gekennzeichnet. |
| - | Ausgehend von den Herstellungszentren lassen sich Nachweise für Handelswege und Absatzgebiete der einzelnen Manufakturen erbringen. |
| - | Die Töpferstempel ermöglichen Einblicke in die Werkstatt-Organisation, zeigen aber auch, wie einzelne Töpfer aus bestehenden Manufakturen auswanderten und an anderer Stelle neue gründeten. |
| - | Historisch gesehen ist die Verwendung von TS durch die einheimische Bevölkerung einer der "Marker" für den Fortgang der Romanisierung. Mit der Terra Sigillata kauften die Leute ja nicht nur Keramik, sondern auch einen Lebensstil, der von den Eroberern mitgebracht worden ist. Für den Vergleich mit anderen Kolonisierungsprozessen erbringen TS-Scherben einen wichtigen Beitrag. |
Literatur zur Terra Sigillata ist in den meisten Fällen ausgesprochene Fachliteratur. Eine populär gehaltene Gesamtdarstellung fehlt bisher.
Für ein breiteres Publikum gedacht sind die folgenden drei Hefte, die vom Limesmuseum in Aalen (D) herausgegeben wurden:
Jürg Rychener
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Barbara Pferdehirt, Die römischen Terra-Sigillata-Töpfereien in Südgallien, Stuttgart 1978. -
Otto Roller, Die römischen Terra-Sigillata-Töpfereien von Rheinzabern, Stuttgart 19692. -
Hans-Jörg Kellner, Die Sigillatatöpfereien von Westerndorf und Pfaffenhofen, Stuttgart o.J. Eine neuere Publikation, die sich allerdings auch mehr an Fachleute als an Laien wendet, ist: -
Colette Bémont u. Jean-Paul Jacob, La terre sigillée gallo-romain, Documents d'archéologie Française 6,
Paris 1986.
