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Vierecktempel
siehe auch Religion, Tempel und Heiligtümer, einheimische Götter, Götter in Rom
 

Die keltische Bevölkerung hielt auch unter römischer Herrschaft an ihrem Glauben fest, ging allerdings dazu über, ihre Kultbauten mittels römischer Bautechniken ins Monumentale zu steigern. Die heute meist nur noch im Fundament erhaltenen Tempel unterschieden sich in ihrem Aussehen deutlich von den klassischen Podiumtempeln: Die vorwiegend am Stadtrand gelegenen, ebenerdigen Sakralbauten bestanden meist aus einer turmartig erhöhten Cella mit überdachtem Umgang, der nach allen Seiten offen war. Hier dürften Prozessionen stattgefunden haben und Weihegaben aufgestellt gewesen sein. Das Spektrum reichte von kleinen, schmucklosen Kapellen über hölzerne Pfostenbauten bis hin zu grossen Steinbauten, wobei quadratische und rechteckige Grundrisse vorherrschten.

In Augst liegt der seltene Fall vor, dass ein römischer Podiumtempel, nämlich derjenige auf dem Schönbühl, im sechsten oder siebten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts n. Chr. direkt über einem älteren, seit dem frühen 1. Jahrhundert benutzten keltischen Kultbezirk errichtet wurde und diesen ablöste. Die einheimischen Kulte dürften dabei an den Stadtrand verdrängt worden sein, wo sich in der Folgezeit ein reger Kultbetrieb entwickelte.

Bei dem auf einem Podium mit zwei vorgelagerten Treppen errichteten Tempel «Sichelen 2» nahe des Westtores der Stadtmauer handelt es sich um eine Mischform zwischen römischem Podium- und gallo-römischem Umgangstempel. Der imposante Kultbau war möglicherweise religiöser Mittelpunkt der civitas Rauracorum und bildete eine Art Gegenpol zum römischen Staatskult im Stadtzentrum (Forumtempel, Tempel auf dem Schönbühl).

Im ausserhalb der Stadt gelegenen Heiligtum auf der Flühweghalde (späteres 2. Jahrhundert bis 260/280 n. Chr.) wurde eine Mutter- und Schutzgöttin verehrt. Aus diesem Heiligtum sind einige Kleinfunde erhalten (z.B. Statuettenbasen und Geschirr), die uns gewisse Rückschlüsse über die Ausstattung und den Kult erlauben.


 
Weiterführende Literatur zu den Augster Vierecktempeln:
- G. Th. Schwarz, Ein neuer gallo-römischer Tempel in Augst. Ur-Schweiz 23, 1959, 1 ff.
- H. Bögli, Ein Heiligtum der Civitas Rauracorum. In: Helvetia Antiqua. Festschrift Emil Vogt (Zürich 1966) 209 ff.
- C. Bossert-Radtke, Überlegungen zur Ausgrabung des gallo-römischen Tempels Sichelen 2 im Süden von Augusta Raurica. In: F. E. Koenig/S. Rebetez (Hrsg.), Arculiana. Recueil d'hommages offerts à Hans Bögli (Avenches 1995) 303 ff.
- E. Riha, Der gallo-römische Tempel auf der Flühweghalde bei Augst. Augster Museumshefte 3 (Augst 1980).
- M. Trunk, Römische Tempel in den Rhein- und westlichen Donauprovinzen. Ein Beitrag zur architekturgeschichtlichen Einordnung römischer Sakralbauten in Augst. Forschungen in Augst 14 (Augst 1991) 80 ff.
- Th. Strübin u. a., Ein gallo-römisches Höhenheiligtum auf der Schauenburgerflue. Baselbieter Heimatbücher 12 (Liestal 1973) 214 ff.

Vgl. die Abbildung

Weitere Infos

Claudia Neukom-Radtke

(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])


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