Man darf annehmen, dass in Augusta Raurica viele Wände, vor allem Innenwände, verputzt waren. Die erhaltenen Reste, teils noch an Mauern haftend, zum grossen Teil aber
abgefallen oder abgeschlagen, dürften nur einen Bruchteil des ursprünglichen Bestandes ausmachen. Oft war dieser Putz nur weiss, in vielen Fällen auch einfarbig bemalt,
häufig rot. Eigentliche Wanddekorationen bestanden meistens aus sehr einfachen, nebeneinandergesetzten und zum Teil gerahmten Farbflächen oder aus Streifenmustern,
welche die Wand oft in einzelne Panneaux gliederten. Beliebt waren auch marmorierte Flächen, die Marmorverkleidung vortäuschen sollten, sowie Schmutzstreifen und
Sockelzonen mit ein- oder mehrfarbigen Spritzern, die auch praktischen Zwecken dienten.
Näher an unsere durch Pompeji geprägten Vorstellungen von Wandmalerei kamen Dekorationen, die man als provinzielle und stark vereinfachte Weiterentwicklung des «dritten
pompejanischen Stils» bezeichnen kann. Das Repertoire dieser Malerei bestand vorwiegend aus pflanzlichen Motiven wie Grasbüscheln, Ranken, Voluten, Flechtbändern,
hängenden Blättergirlanden mit Blüten und Früchten sowie Pflanzenkandelabern, die manchmal durch architektonische oder figürliche Elemente wie Säulen, Sockel, Gebälk
und Gefässe bereichert wurden. Daneben gab es stärker stilisierte, oft flächige Muster wie Kreis- oder Blütenrapporte, welche vor allem Decken und Gewölbe zierten.
Wandmalereien waren ein Element des luxuriösen Innenausbaus. In Augusta Raurica zierten sie aber nicht nur die Wände der reichen Villen der Oberstadt oder öffenlicher
Gebäude wie der Curia, der Zentralthermen, der Mansio und der Tempel auf dem Schönbühl und in «Sichelen 1», sondern fanden sich auch in Wohn- und
Repräsentativräumen von Handwerkerhäusern (Insula 31, Kaiseraugst-Schmidmatt), in Korridoren (Insula 30, Kaiseraugst-Schmidmatt) und sogar Gewerberäumen (Insula 23).
Unter den grossen Peristylhäusern zeichnet sich besonders die palastähnliche domus in Insula 28, in der auch mehrere Mosaiken gefunden wurden, durch eine reiche
Innenbemalung aus. Die komplexen Dekorationen umfassen perspektivisch gemalte Architekturmotive, die durch pflanzliche Elemente, Flechtbänder und Medaillons bereichert
sind. Einige Räume wiesen Deckengewölbe mit Flächenrapportmustern auf. Ausserdem fanden sich Darstellungen menschlicher Figuren, die in Augusta Raurica schon eher zu
den Seltenheiten zu rechnen sind. Nach Befund und Stil gehören diese Malereien ins spätere 2. oder an den Beginn des 3. Jahrhunderts.
Wandverputz und Wandmalereien sind recht häufig Träger von Kritzeleien bildlicher oder verbaler Art. Gekritzelte Bildchen, wie die Gladiatoren aus Insula 8, die Göttin Diana
mit Hirsch aus dem palastartigen Gebäude von Insula 41/47, und Sprüche wie ...is in pistrina se gravit (« ...is betrinkt sich in der Backstube»), oder tecum in mansione («mit dir
in der Herberge», beide Insula 29) werfen Schlaglichter auf das tägliche Leben der Bewohner von Augusta Raurica.
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| Weiterführende Literatur zur römischen Wandmalerei: |
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A. Linfert, Römische Wandmalerei der nordwestlichen Provinzen (Köln 1975). |
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W. Drack, Die römische Wandmalerei der Schweiz. Monographien zur Ur- und
Frühgeschichte der Schweiz 8 (Basel 1950). |
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W. Drack u. a., Römische Wandmalerei aus der Schweiz (Feldmeilen 1986). |
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Michel Fuchs, Peintures romaines dans les collections suisses. CNRS, Bulletin de
Liaison 9 (Paris 1989). |
Weitere Infos
Verena Vogel Müller
(Text aus: P. Zsidi/A. R. Furger (Hrsg.), Out of Rome. Augusta Raurica / Aquincum. Das Leben in zwei römischen Provinzstädten [Basel 1997])