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Unsere Grundsätze zur Monumentenerhaltung
Der grösste Zerstörer: Der Mensch
Der Mensch ist der grösste Auslöser der Zerstörung antiker Substanz. Er zerstört durch Vandalismus, falsche Restaurierungen, Schadstoffe, Umweltschmutz und Abnutzung der Ruinen durch Besucherinnen und Besucher. Archäologische Notgrabungen, die sich ebenfalls zerstörend auswirken, werden ausgelöst durch Neubauten, Leitungsgrabungen, Wegbau oder Unterhaltsarbeiten.
Antike Substanz kann allerdings auch durch natürlichen Zerfall freigelegt werden. Er wird verursacht durch Verwitterung, Feuchtigkeit und Frosteinwirkung, Salzausblühungen, Bäume sowie durch andere Pflanzen (Algen, Moose, Flechten, Pilze und Bakterien).
Dokumentation im Schadenskataster
Anhand verschiedener Kriterien entscheiden die Archäologen/innen in Augusta Raurica, welche Schutzmassnahmen notwendig sind, um die Monumente und Denkmäler richtig zu erhalten und zu präsentieren. Seit 1995 werden alle römischen Monumente von Augst und Kaiseraugst in einem Schadenskataster dokumentiert und im Dreijahresrhythmus überprüft und nachgeführt.
In der Restaurierung der Monumente in Augusta Raurica wird grosser Wert auf die Materialwahl gelegt. Aus den Fehlern im Umgang mit "modernen" Restaurierungsstoffen anlässlich der Theatersanierung in den 1990er Jahren wurde gelernt. Heute werden fast ausschliesslich natürliche Materialien wie Jurakalkstein, Sandstein und Baukeramik zusammen mit einem modifizierten hydraulischen Kalkmörtel verwendet.
Alt und neu sollen unterscheidbar sein
Neue Materialien wie Stahl, Beton, Kunststoffe und Holz werden zwar in der modernen Infrastruktur verwendet, in der Restaurierung der Monumenten werden sie aber nur als moderne Hilfsmittel eingesetzt und als solche erkennbar gemacht. Zur besseren Lesbarkeit für die Besucherinnen und Besucher wird streng zwischen antik, teilrekonstruiert und modern unterschieden. Bei Restaurierungen und Ergänzungen von Gemäuern werden kleine graue Keramikplättchen (früher Eternitplättchen) zur Unterscheidung von "Alt" und "Neu" in die Mauerfugen integriert.
Schutzdächer und Kunststeinabgüsse
Weil die Originalsubstanz nicht der Witterung ausgesetzt werden darf, sind zur Erhaltung einzelner Denkmäler in Augusta Raurica Schutzdächer und Schutzbauten nötig. Bei anderen Monumenten genügt es, sie mit einer obersten "Schutzschicht" aus neuen Kalksteinen zu versehen. Dies ist Schutz genug, um Wasser- und Frostschäden im Mauerwerk zu verhindern. Schliesslich gibt es Monumente, die bereits so stark beschädigt sind, dass sie nur noch durch Zuschütten mit einer dicken Kiesschicht oder mit Sand erhalten werden können.
Weil Architekturstücke und skulptierte Steine unter dem sauren Regen und anderen Umwelteinflüssen Schaden nehmen, werden sie im "Archäologischen Freilichtmuseum" von Augusta Raurica kaum mehr im Original aufgestellt. Was draussen sichtbar ist, sind meist Kunststeinabgüsse.
Der beste Schutz: im Boden belassen
Die allerbeste Konservierungsart ist unbestritten: Nämlich die Ruinen und Gegenstände unberührt im Boden zu belassen. In Zukunft wird es noch besser als heute möglich sein, den Boden mit neuen Methoden, z. B. mit nicht destruktiven Prospektionen zu erforschen. Und wenn schon graben: Forschungsgrabungen nach allen Regeln der archäologischen Wissenschaft sind dem Druck und der Hektik von Notgrabungen tausendmal vorzuziehen.
Archäologische Denkmalpflege: Fallbeispiele