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Die Stiftung Pro Augusta Raurica (PAR):
eine Geschichte der Freundinnen und Freunde von Augusta Raurica
 
 

Eine weitsichtige Gründung
Die Stiftung Pro Augusta Raurica wurde 1935 von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel gegründet. Wie die Stifter im Zweckartikel des Statuts festgehalten haben, soll die PAR die Erhaltung und Erforschung in Augusta Raurica unterstützen und sich besonders für die Vermittlung neuer Erkenntnisse über die antike Stadt in der Öffentlichkeit einsetzen.


Kupferstich der Theaterruine des Sebastian Muenster 1544 Der Mäzen Dr.R.Clavel im Atrium des Römerhauses


Vorgeschichte und Gründung

Das Gelände um Augst und Kaiseraugst wurde bereits im 16. Jahrhundert erforscht. Damals zeichnete man bereits einen erstaunlich genauen Plan der Theaterruine (die zunächst allerdings als ehemaliges Schloss interpretiert wurde). Doch es dauerte noch mehr als zwei Jahrhunderte, bis die Forschungen am Theater fortgesetzt werden konnten. Mit dem Wirken von Karl Stehlin (1859 - 1934) begann dann die systematische Erforschung der antiken Stadt. Nach seinem Tod zeigte sich bald, dass eine erfolgversprechende Fortsetzung der begonnenen Arbeiten ohne neue und dauerhafte Geldquellen nicht möglich war. Zu diesem Zweck beschloss die seit 1835 bestehende Historische und Antiquarische Gesellschaft zu Basel, die seit 1884 Besitzerin der Ruinen war, eine selbständige Stiftung mit einem zur Hauptsache unantastbaren Kapital zu gründen. Gönnerinnen und Gönner sollten für die Zukunft regelmässige Einkünfte von gewissem Umfang garantieren: Die neu geschaffene Stiftung widmet sich seit 1935 unter dem Namen "Pro Augusta Raurica" dieser Aufgabe.

Trotz wirtschaftlich nicht besonders günstiger Zeitumstände ermöglichten es die zunächst 370 Mitglieder und ein Startkapital von 30.000 Franken, den Unterhalt der antiken Ruinen, die Durchführung von Ausgrabungen und die archäologische Bearbeitung der Fundstücke sicherzustellen. Obwohl zu dieser Zeit noch keine öffentliche Institution existierte, die sich um die Belange von Augusta Raurica gekümmert hätte, dachte man bereits an eine Zusammenarbeit mit den Behörden und wählte je einen Vertreter aus den Kantonen Basel-Stadt, Basellandschaft und Aargau in den Stiftungsrat.


Grosszügige Mäzene

1955 erhielt die Stiftung als grosszügige Schenkung von Dr. René Clavel, der in der Villa auf Castelen wohnte, das Römerhaus. Damit entstand eine geschlossene archäologische Zone mit Theater, Schönbühltempel, Römerhaus und Museum. 1959 wurde das Amphitheater entdeckt. Mit einer Sammlung der Stiftung und einer erneuten Spende von Dr.Clavel konnte auch dieses Monument von der PAR erworben werden. Seit 2003 profitiert der Römische Haustierpark von den Erträgen der Stiftung Hans und Hanna Bischof, deren treuhänderische Verwaltung der PAR überantwortet wurde.


Langfristiges Engagement des Staates

Infolge der hektischen Bautätigkeit in den 1970er Jahren war es nicht mehr möglich, die Ausgrabungen durch die Stiftungsgelder alleine zu finanzieren. Die zunehmende Komplexität der Organisation, die erhöhte Zahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie die steigenden Anforderungen an ein professionelles Management des archäologischen Monuments erforderten die Unterstützung der öffentlichen Hand. Am 1. Januar 1975 übernahm der Kanton Basel-Landschaft die volle Verantwortung für Augusta Raurica. Dieser erste "Vertrag über die Römerforschung" regelte detailliert die Landbesitzverhältnisse und die Finanzierung der Ausgrabungen, des Römermuseums und der Konservierung der Funde. Der Vertrag wurde per 1. Januar 1999 erneut überarbeitet und als "Vertrag über die Römerstadt Augusta Raurica" von den drei Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau sowie der Stiftung Pro Augusta Raurica und der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel unterzeichnet. Im Rahmen dieser beiden Verträge ist seither der Kanton Basel-Landschaft für die Führung, das operative Geschäft und die Weiterentwicklung von Augusta Raurica zuständig. Die Einzelheiten wurden in einem Leistungsauftrag geregelt. Die umfassende Erforschung und mustergültige Restaurierung des Theaters, dessen erneute regelmässige Bespielung ab 2008 vorgesehen ist, stellt einen Meilenstein in der staatlichen Förderung von Augusta Raurica dar.


Augusta Raurica braucht die PAR weiterhin

Die Stiftung Pro Augusta Raurica hat damit ihre Berechtigung keineswegs eingebüsst. Die über 670 Mitglieder ermöglichen mit ihren Jahres- und Gönnerbeiträgen zusammen mit den Kapitalzinsen der Stiftung, Sonderzuwendungen oder Legaten die Finanzierung von wissenschaftlichen Projekten und die Vermittlung der wissenschaftlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit. Sie bekunden dadurch ihr lebhaftes Interesse an den Geschehnissen rund um Augusta Raurica und ihre nachhaltige Unterstützung für deren Ziele und Visionen - nicht zuletzt für die Bewahrung der archäologischen Schutzzone und den Bau eines zeitgemässen, neuen Museums.

Als Gegenleistung für einen Jahresbeitrag von CHF 30.- resp. CHF 50.- (Schüler, Lehrlinge und Studenten CHF 20.- ) werden sie jährlich zu einem attraktiven Veranstaltungsprogramm eingeladen und laufend über neue Aktivitäten informiert. Überdies haben sie gratis Zutritt zum Römerhaus und zum Römermuseum.


Die Stiftung „Pro Augusta Raurica" ist 75 Jahre alt

HANSJÖRG REINAU*
Augusta Raurica, das grösste archäologische Freilichtmuseum der Schweiz, gehört mit seinen jährlich ca. 140'000 Besuchern zu den grossen Publikumsmagneten unserer Region. Ihr heutiges Renommé hätte die Römerstadt kaum erlangt, wäre nicht im letzten Jahrhundert von weitsichtigen Bürgern Basels und seiner Umgebung die Stiftung „Pro Augusta Raurica" gegründet worden. Sie kann in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag feiern.
Wie kam es dazu?
Zum besseren Verständnis muss der Blick um einige Jahrhunderte zurückschweifen. Nach dem Untergang der antiken Stadt ging die Kunde über sie weitgehend verloren. Nur wenige Zeugnisse waren im Mittelalter noch sichtbar, wurden aber als solche nicht erkannt. Das begann sich erst in der Epoche der Renaissance und des Humanismus zu ändern. Mit dem wieder erwachten Interesse für die griechisch-römische Antike wuchs auch in unserer Gegend das Bedürfnis, allfällige Zeugnisse römischer Besiedlung aufzuspüren. Von 1588 - 90 wurden unter der Leitung des Basler Ratsherrn und Kaufmanns Andreas Ryff erstmals auf dem Territorium der alten Römerstadt archäologische Grabungen durchgeführt. Sie bewirkten, dass die markantesten, noch sichtbaren Überreste, die von den Einheimischen während Generationen als „Neun Thürme" bezeichnet und lange für die Reste eines Schlosses gehalten wurden, vom berühmten Gelehrten Basilius Amerbach als das identifiziert wurden, was sie wirklich waren: als die Überreste eines römischen Theaters.
Nach gelegentlichen weiteren Grabungen kam es im 19. Jahrhundert zu den ersten, modernen Ansprüchen genügenden, seit 1878 systematisch durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen dieses Geländes: Die Forschungsergebnisse des Basler Gymnasiallehrers Theophil Burckhardt-Biedermann und seiner Mitarbeiter hatten zur Folge, dass man sich in Basel neu und stärker für die Theaterruine zu interessieren begann. Im Jahre 1884 erwarb die Historische und Antiquarische Gesellschaft mit Hilfe einer Schenkung von Johann Jakob Merian das ganze Gelände mitsamt dem gegenüberliegenden Schönbühl. In den folgenden Jahrzehnten setzte der Jurist, Historiker und Archäologe Karl Stehlin die Arbeit seiner Vorgänger zielstrebig fort. Ihm ist ein wesentlicher Teil unserer heutigen Kenntnisse der Römerstadt zu verdanken.
Da es sich bald nach Stehlins Tod (1934), trotz dessen grosszügiger Zuwendungen, rasch zeigte, dass die archäologischen Aktivitäten auf Dauer nicht sichergestellt waren, entschloss man sich in der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zur Schaffung einer selbständigen Stiftung mit einem zur Hauptsache unantastbaren Kapital und einem Kreis von Gönnern, damals Kontribuenten genannt, die regelmässige Einkünfte garantieren sollten. Am 29. Juni 1935 wurde die Urkunde der Stiftung „Pro Augusta Raurica" unterzeichnet.
Dank der finanziellen Unterstützung der zunächst 370 Gönner konnten die Forschungen in Augusta Raurica fortgesetzt und intensiviert werden. Sie fanden bis 1969 unter der Leitung von Rudolf Laur-Belart statt.
1955 erhielt die Stiftung von dem in der Villa auf Castelen wohnenden Grossindustriellen René Clavel das von ihm inspirierte und mitgestaltete Römerhaus geschenkt. 1957 wurde das vom Kanton Basel-Landschaft gestiftete Museum eröffnet. Damit war die noch heute bestehende geschlossene archäologische Zone mit Theater, Schönbühltempel, Römerhaus und Museum entstanden. Im Jahre 1959 wurde das Areal des wieder entdeckten Amphitheaters dank einer Sammlung und einer weiteren Schenkung René Clavels von der Stiftung erworben.
In der Folge zeigte sich immer deutlicher, dass die Stiftung mit der alleinigen Verantwortung für die Forschungen in Augusta Raurica überfordert war. In den 1960er und 1970er Jahren hatten die Ausgrabungen infolge der hektischen Bautätigkeit Dimensionen erreicht, die nur noch mit staatlichen Mitteln zu finanzieren waren. Am 1. Januar 1975 trat der „Vertrag über die Römerforschung" in Kraft, der den Kanton Basel-Landschaft die Hauptlast der wissenschaftlichen Tätigkeit tragen lässt, aber auch die Nachbarkantone zur Unterstützung verpflichtet.
Die Stiftung verlor damit keinesfalls ihre Bedeutung. Sie konzentriert sich seither, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, auf die finanzielle Unterstützung einzelner archäologischer Aktivitäten, insbesondere aber auf Beiträge an wissenschaftliche Publikationen und auf die Öffentlichkeitsarbeit. Heute bietet sie ihren gegen 700 Gönnerinnen und Gönnern, in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Römerstadt Augusta Raurica unter der Leitung von Alex Furger, ein reichhaltiges Jahresprogramm mit Führungen, Vorträgen und Exkursionen an. Sie beteiligt sich an den in den 1990er Jahren initiierten, seit 1999 jährlich durchgeführten Römerfesten mit einem eigenen Informationsstand. Überdies ist sie massgeblich an einer seit 1992 existierenden Attraktion beteiligt: sie führt und finanziert, vor allem dank der Unterstützung der Hans und Hanna Bischof-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pro Specie Rara den Tierpark Augusta Raurica, in dem zahlreiche alte Haustierrassen präsentiert werden.
Die Stiftung „Pro Augusta Raurica" blickt an ihrem 75.Geburtstag mit Stolz und Genugtuung auf eine erfolgreiche Geschichte zurück. Sie wird auch weiterhin mit allen Kräften die Archäologen des Augster Teams bei ihren Bemühungen, die Römerstadt Augusta Raurica zu erforschen, deren Denkmäler zu erhalten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse an ein breiteres Publikum zu vermitteln, finanziell und ideell unterstützen. Sie setzt sich in diesem Zusammenhang insbesondere für die Schaffung eines neuen und grösseren Museums ein und wünscht sich für die Verwirklichung dieser Vision möglichst viele Gönnerinnen und Gönner!
* Hansjörg Reinau ist Präsident der Stiftung „Pro Augusta Raurica"


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