Emilie Riha: Die Grundlage für die vorliegende Studie über den römischen Schmuck und die Haarnadeln bilden die bis und mit 1980 aufgefundenen Objekte aus dem Gebiet der römischen
Zivilstadt Augusta Rauricorum und des spätrömischen Castrum Rauracense, im Gebiet der heutigen Gemeinden Augst BL, Pratteln BL und Kaiseraugst AG. Die erfassten Funde
sind vorwiegend im Römermuseum Augst, ausnahmsweise auch im Schweizerischen Landesmuseum Zürich und im Historischen Museum Basel aufbewahrt. Diese Schmuckstücke und Haarnadeln stammen einerseits aus den Wohngebieten der Zivilstadt, d. h. aus den Privathäusern, öffentlichen Plätzen, Strassen und öffentlichen
Gebäuden (Thermen), aber auch aus den Werk- und Verkaufsstätten. Andererseits handelt es sich jedoch um Grabbeigaben, die entweder als geschlossene Grabeinheit oder als
Streufunde in den Gräberfeldern der Stadt gefunden worden sind. Als ein geschlossenes Ganzes wird ein in der Insula 42 vergrabener Schatzfund mit Schmuckstücken behandelt.
Bedingt durch diese Tatsachen wird das untersuchte Material in drei Abschnitte unterteilt: Siedlungsfunde, die typologisch unterteilt und untersucht werden, Grabfunde, bei denen
die eventuelle Grabzusammengehörigkeit berücksichtigt wird, und der Schatzfund aus Insula 42, der als Einheit dargestellt wird. Die Siedlungsfunde sind vorwiegend in geschlossenen Fundkomplexen zutage gefördert worden; aufgrund von stratigraphischen Datierungen, d.h. aufgrund mitgefundener Keramik
und Münzen, konnten einige chronologisch interessante Erkenntnisse herausgearbeitet werden. Das Material, aus dem Schmuckstücke und Haarnadeln hergestellt wurden, ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Die beiden Exkurse 1 und 2 über die technischen
Untersuchungen bestimmter Metalle und Schmucksteine sind von W. B. Stern beigetragen worden. Die Schmuckobjekte und die Haarnadeln sind in zwölf grosse Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe (Schmucksteine; 3 %) umfasst Gemmen, Kameen und unverzierte
Schmucksteine, die entweder einzeln oder in der ursprünglichen Fassung (46 % aller Gemmen) gefunden worden sind. Das Material ist entweder Stein (40 %) oder Glas (60 %). Die zweite Gruppe umfasst Fingerringe (16 % aller Schmuckobjekte), die in 37 Typen unterteilt worden sind. Die Typen 1-19 zeichnen sich durch eine Platte aus; zu den Typen
20-37 gehören Ringe ohne Platten. Als Fingerringe sind glatte Ringe mit D- und bandförmigem Querschnitt eingestuft worden; einfachste Bronzeringe mit rundem Querschnitt
konnten nur statistisch aufgrund der Innendurchmesser und nur teilweise als Fingerringe erkannt werden (Exkurs 3). Das Material ist grösstenteils Bronze; nur Einzelstücke sind aus
anderen Metallen (Gold, Silber, Eisen, Blei, Messing) und aus Glas und Bein hergestellt worden. Die dritte Gruppe umfasst Armringe (9 %), die in 34 Typen unterteilt worden sind. Die Siedlungsfunde sind vorwiegend fragmentiert, die Grabfunde ganz erhalten. Meistens
bestehen die Armringe aus Bronze (66 % aller Armringe), an zweiter Stelle aus Glas (23 %), der Rest ist aus Silber, Sapropelit und Bein. Die Gruppen 4-10 (4 Goldgliederketten; 5 Kettenglieder; 6 Ohrringe; 7 Anhänger; 8 Stirnschmuck; 9 Halsringe; 10 Kettchen) sind jeweils mit nur wenigen Exemplaren vertreten und
machen zusammen nur 2 % des Gesamtmaterials aus. In diesen Gruppen sind jedoch die meisten Goldobjekte zu finden. Ein Teil der Anhänger und auch bestimmte Perlen dienten als Amulette, die in einem Kapitel kurz behandelt werden. Die elfte Gruppe umfasst Perlen. Hier besteht ein markanter Unterschied zwischen den einzeln gefundenen Perlen aus den Siedlungsgebieten und den ganz oder teilweise
erhaltenen Perlenketten aus den Gräbern. Der Prozentsatz dieser Gruppe (22 %) beinhaltet sowohl Einzelperlen mit einer Katalognummer, wie auch Perlenketten mit mehreren
Perlen, die als Einheit ebenfalls nur eine Katalognummer erhielten und entsprechend gezählt wurden. Das Material ist vorwiegend Glas; sehr stark vertreten sind ebenfalls Perlen
aus Kieselkeramik. Einzelstücke sind aus Metallen, organischen und anorganischen Materialien hergestellt worden. Die zwölfte Gruppe umfasst Haarnadeln (48 %), die jedoch nur in beschränktem Masse als Schmuckstücke bezeichnet werden können. Vorwiegend handelt es sich um
zweckmässige Gegenstände zum Festhalten der Frisur; dadurch trugen sie jedoch ähnlich wie der Schmuck zum besseren Aussehen der Frauen bei. Die Zweckmässigkeit und
Billigkeit wird durch das Material, aus dem sie hergestellt worden sind, nämlich vorwiegend Bein (83 %), hervorgehoben. Die Haarnadeln werden in 27 Typen unterteilt. Die
einfachsten Haarnadeln mit rundovalem Kopf aus Bein (Typ 16) sind in riesigen Mengen in Augst und Kaiseraugst zutage gefördert worden. Der Exkurs 6 befasst sich mit den Haarnadeln und Perlen aus den Thermen der Insula 17, die aufgrund dieser Funde "Frauenthermen" genannt worden sind. Ein eigenes Kapitel behandelt Grabfunde und Streufunde aus den Gräberfeldern der Stadt Augusta Rauricorum und des Castrum Rauracense (2790-2979). Die spätrömischen
Schmuck- und Haarnadel-Beigaben aus dem Grossen Kastellgräberfeld (Region 22A) sind der Publikation von M. Martin entnommen worden. Mit nur wenigen Ausnahmen
stammen die Schmuckobjekte und die Haarnadeln aus spätrömischen Bestattungen. In einem weiteren Kapitel wird der Schmuck aus dem Schatzfund, der in der Insula 42 vergraben wurde, als Ganzes behandelt (2980-3001). Zusammenfassend stellt der bearbeitete Komplex der Schmuckobjekte und Haarnadeln einen Querschnitt durch die Trachtgewohnheiten einer Zivilsiedlung der nördlichen
römischen Provinzen während der ganzen römischen Kaiserzeit (1.-4. Jh.) dar. Nur ein kleiner Bruchteil der gefundenen Objekte bilden Schmuckgegenstände und Haarnadeln aus wertvollen Materialien (Gold, Silber, Edelsteine), die, soweit sie nicht aus den
Gräbern stammen, nur fragmentarisch erhalten sind. Eine Ausnahme bildet das Goldgliedercollier (692), das unter aussergewöhnlichen Umständen gefunden worden ist.
Abgesehen von wenigen Ausnahmen sind die meisten Schmuckobjekte aus billigen und imitierenden Materialien hergestellt worden (Bronze anstelle von Gold; Glas anstelle von
Halbedelsteinen; Sapropelit anstelle von Gagat). Der Schatzfund aus Insula 42 bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Für die Herstellung von Haarnadeln ist neben spärlicher
Verwendung von Metall vorwiegend das einheimische und leicht zu bearbeitende Bein verwendet worden. Charakteristisch für solche "billigen" Gebrauchs- und "Wegwerf"waren ist die Tatsache, dass die Mehrzahl der in Augusta Rauricorum ausgegrabenen Objekte (mit Ausnahme der
Grabbeigaben) nur als Bruchstücke zum Vorschein gekommen sind. Sowohl die stratigraphischen als auch herkömmlich-typologischen Datierungen des Schmuckes und der
Haarnadeln aus Augst und Kaiseraugst stellen eine breite Palette dar, welche die ganze römische Kaiserzeit seit der frühen bis zur spätesten Periode umfasst. Für die aus topographischer Sicht interessanten Kategorien wurden Verbreitungskarten für das Stadtareal hergestellt.
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Zusammenfassungen / Summaries / Résumées
Der römische Schmuck aus Augst und Kaiseraugst
(Forschungen in Augst 10)
La présente étude sur les parures et les épingles à cheveux romaines porte sur tous les objets découverts jusqu'en 1980 sur le territoire de la ville civile d'Augst et dans le Castrum Rauracense du Bas-Empire, sur les actuelles communes d'Augst BL, Pratteln BL et Kaiseraugst AG. Les objets traités se trouvent essentiellement au Musée Romain d'Augst, à l'exception de certaines pièces conservées au Musée National à Zurich et au Musée Historique de Bâle.
Ces bijoux et épingles à cheveux proviennent pour une part des quartiers d'habitation de la ville civile, c'est-à-dire des maisons privées et des places, rues et bâtiments publics (thermes), ainsi que des ateliers et des boutiques; il s'agit pour une autre part d'offrandes funéraires, découvertes dans des sépultures formant des unités de fouille ou dispersées dans les nécropoles de la ville. Un trésor de bijoux enterré dans l'insula 42 a été traité comme un ensemble clos. En conséquence, le matériel étudié est réparti en trois chapitres: les découvertes faites dans la ville, classées et examinées selon leur typologie, les objets funéraires, pour lesquels est parfois pris en considération le contexte archéologique, et le trésor, présenté comme une unité.
Les objets découverts dans la colonie appartiennent pour la plupart à des complexes de fouilles clos; leur datation stratigraphique a permis quelques considérations chronologiques intéressantes.
Le matériau utilisé pour la fabrication des bijoux et épingles varie selon les groupes. Une annexe en deux parties de W.-B. Stern traite de l'examen technique de certains métaux et pierres.
Les objets de parure et les épingles à cheveux sont répartis en douze grands groupes. Le premier (pierreries, 3%) comprend les gemmes, camées et pierres non travaillées, découverts soit séparément, soit avec leur sertissure d'origine (pour les gemmes dans 46% des cas). Le matériau est la pierre (40%) ou le verre (60%).
Le deuxième groupe comprend les bagues (16%), réparties en 37 types; les types 1-19 sont caractérisés par un plateau, alors que les types 20-37 n'en possèdent pas. Par bagues, on entend des anneaux lisses présentant une section en D ou en bandeau. Le matériau utilisé est principalement le bronze; seules quelques pièces sont en autres métaux (or, argent, fer, plomb, laiton), en verre ou en os.
Le troisième groupe comprend les bracelets (9%), répartis en 34 types. Les pièces découvertes dans la ville sont pour la plupart fragmentaires, alors que celles qui proviennent de sépultures sont entières. Ces bracelets sont généralement en bronze (66%); au deuxième rang vient le verre (23%), puis l'argent, le sapropélite ('schiste') et l'os.
Les groupes 4 à 10 (4 chaînes en or; 5 maillons de chaînes; 6 boucles d'oreilles; 7 pendentifs; 8 diadèmes; 9 ras-du-cou; 10 chaînettes) ne comprennent que quelques individus, ce qui représente 2 % de l'ensemble. C'est dans ces groupes que l'on trouve cependant l'essentiel des objets en or.
Une partie des pendentifs ainsi que certaines perles servaient d'amulettes, qui font l'objet d'un bref chapitre.
Le onzième groupe comprend les perles. Il y a une différence marquée entre les perles isolées découvertes dans l'habitat et les colliers entiers ou partiellement conservés des tombes. Le pourcentage de ce groupe (22%) se base sur des unités limitées par des numéros de catalogue. Le verre est le principal matériau, mais l'on trouve aussi beaucoup de perles en céramique. Quelques pièces sont en métal ou en matières organiques ou anorganiques.
Le douzième groupe comprend les épingles à cheveux (48%), que l'on ne peut qualifier de bijoux que dans un nombre restreint de cas. Il s'agit essentiellement d'objets utilitaires destinés à maintenir les coiffures, ce qui ne les empêchait pas de contribuer comme les bijoux à embellir les femmes. Le côté fonctionnel est souligné par le matériau bon marché utilisé: dans la plupart des cas, il s'agit d'os (83%). Ces épingles à cheveux sont réparties en 27 types. Le modèle le plus simple, en os avec une tête ronde (type 16), a été trouvé en immenses quantités à Augst et Kaiseraugst.
Une annexe présente les épingles et perles des thermes de l'insula 17, qui ont été baptisés "thermes des femmes" sur la base de ces découvertes.
Un chapitre de l'étude concerne les découvertes faites dans les sépultures et en surface dans les nécropoles de la ville d'Augusta Rauricorum et du Castrum Rauracense (2790-2979). Les bijoux et épingles à cheveux déposés en offrandes dans la nécropole orientale de la région 22A sont tirés de la publication de M. Martin. A quelques exceptions près, les objets de parure et les épingles proviennent de sépultures du Bas-Empire.
Un autre chapitre traite du trésor découvert dans l'insula 42 (2980-3001).
En résumé, l'ensemble des objets de parure et des épingles à cheveux offre un survol des usages vestimentaires d'une population civile des provinces romaines du nord durant tout l'Empire (1er - 4e s.).
Seule une petite partie des objets mis au jour sont faits de matériaux précieux (or, argent, pierres précieuses); sauf pour ceux qui proviennent des tombes, ils ne sont conservés que fragmentairement. Une exception cependant, la chaîne en or (692), découverte dans des circonstances très particulières. Si l'on écarte ces quelques cas, l'essentiel des objets sont faits de matériaux bon marché imitant des matières plus nobles (le bronze pour l'or, le verre pour les pierres précieuses, le sapropélite pour le jais). Dans ce sens, le trésor n'est pas une exception. Pour la fabrication des épingles à cheveux, outre l'emploi économique du métal, on utilisait de préférence l'os, disponible sur place et facile à travailler.
Le fait que l'essentiel des objets découverts à Augusta Rauricorum (exception faite des offrandes des sépultures) soient fragmentés illustrent bien qu'il s'agissait d'objets d'usage courant, "prêts-à-jeter". Les datations données tant par la stratigraphie locale que par la chronologie générale pour ces objets de parure et ces épingles d'Augst et de Kaiseraugst offrent une large palette couvrant tout l'Empire.
Pour les catégories intéressantes du point de vue topographique, des cartes de répartition ont été dressées.
(Traduction: Catherine May Castella)