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Debora Schmid:
Die römischen Schlangentöpfe aus Augst und Kaiseraugst
(Forschungen in Augst 11)


Zusammenfassung

Die Arbeit befasst sich mit den römischen Schlangentöpfen aus Augst und Kaiseraugst, Gefässen also, auf denen oder auf deren Henkel Schlangen appliziert sind. Bisher sind 74 Individuen sicher nachweisbar, die sich in drei Gruppen unterteilen lassen: erstens als Gruppe A die hohe Tonne oder Flasche mit aufgelegten, plastischen Schlangen, die einen stilisierten Widderkopf tragen. Sie macht mit sicher 68 Individuen den Hauptteil des vorliegenden Materials aus. Zweitens der Krater mit drei Henkeln, um die sich Schlangen winden, als Gruppe B, die nur zwei Individuen umfasst und als dritte, heterogene Gruppe C Gefässe nicht genau bestimmbarer Form mit Schlangenauflage; sie ist nur durch ein Wandfragment und drei Henkel belegt.

Durch die typologische Analyse der Gruppe A können verschiedene Merkmale differenziert werden, die aber keine klaren, sich ausschliessende Typen ergeben. Gewisse Gesetzmässigkeiten im gemeinsamen Auftreten verschiedener Kriterien auf demselben Gefäss zeichnen sich aber ab und lassen uns den typischen, d.h. mengenmässig am stärksten vertretenen Schlangentopf in Augst und Kaiseraugst so definieren: eine hohe Tonne mit hochgewölbter, beinahe horizontaler Schulter, mit einem kurzen Steilrand, eingezogenem Standfuss, mit dem einem Widder nur entfernt verwandten Schlangenkopf, mit einem im Querschnitt bandförmigen, breiten oder dreieckigen Schlangenkörper, der sich geradlinig senkrecht oder sich windend auf das Gefäss legt. Die Anzahl der Schlangen pro Gefäss variiert zwischen einem und drei Tieren.

Die Gruppe B, der Krater, kann als offenes, leicht gedrungen wirkendes Gefäss mit drei Henkeln umschrieben werden, die von einer Schlange umwunden werden. Etwa auf der Höhe des Gefässrandes ist den Henkeln ein kleiner, trompetenförmiger Becher aufgesetzt. Zwischen den Henkeln sind auf diesem Gefäss eine Schildkröte, ein Frosch und wahrscheinlich eine zweite Schildkröte als plastische Auflagen appliziert.

Die Schlangentöpfe der Gruppe C lassen sich formal nur ungenau einordnen; sie gehören offensichtlich zu offenen Gefässen mit zwei bis drei Henkeln, um die oder auf denen sich Schlangen winden.

Das Fehlen der Bodenplatten einiger Schlangentöpfe der Gruppe A aus Augst und Kaiseraugst, das den Gedanken an Spende- oder Libationsgefässe erwecken könnte, ist in keiner Weise beabsichtigt, denn die Böden sind in einem zweiten Arbeitsprozess von unten her mit einem besonderen Tonstück angedreht worden; die dadurch entstandene Naht bildete eine Schwachstelle, die leicht zu einem Bruch führen konnte, weshalb die Böden der Schlangentöpfe oft verloren gegangen sind.

Das Material der Schlangentöpfe der Gruppe A und C kann einerseits als hellgraue und orangerote tongrundige, andererseits als schwarz bis grau geschmauchte Ware umschrieben werden, die für die einheimische Keramikproduktion typisch ist. Der orangerote Ton mit beiger Oberfläche, der sich auf den Krater der Gruppe B beschränkt, ist sicher ortsfremd und dem Material der Kratere aus Vindonissa ähnlich.

Die Schlangentöpfe finden sich in Augst und Kaiseraugst vor allem in den Wohnhäusern und Handwerksbetrieben, fehlen aber beinahe völlig in den öffentlichen Einrichtungen und interessanterweise in den Tempelbezirken.

Durch die dürftige Publikationslage von Schlangentöpfen ausserhalb von Augst und Kaiseraugst und die Tatsache, dass sich die wenigen Fundpunkte grösstenteils auf die Nordwestschweiz, das 'Einzugsgebiet' der vorliegenden Arbeit, und auf Grund einer Untersuchung von F. Wiblé auf das Wallis konzentrieren, wird eine Interpretation des momentanen grossräumigen Verbreitungsbildes unmöglich. Beachtenswert ist aber immerhin die Feststellung, dass der für die Schlangentöpfe der Gruppe A aus Augst und Kaiseraugst typische kurze Steilrand an den anderen Fundplätzen fehlt. Ebenso scheint die Schlange mit Widderkopf eine Spezialität der näheren Umgebung von Augst zu sein.

Für den Krater der Gruppe B lassen sich vorläufig nur gerade drei genaue Parallelen - Vindonissa, Avenches und Neuss - ausserhalb von Augst eruieren. Es lässt sich deshalb nur soviel bemerken, dass in Augst wie in Vindonissa das Auftreten beider Gruppen von Schlangentöpfen nebeneinander belegt ist, wobei der prozentuale Anteil der Gruppe A gegenüber der Gruppe B in Vindonissa genau umgekehrt ist. Hier widerspiegelt sich offenbar der Gegensatz Koloniestadt - Legionslager.

Auf Grund einiger Fehlbrände kann die Herstellung von Schlangentöpfen in Augst nachgewiesen werden. Die Vielfalt der formalen Ausgestaltung und die Tatsache, dass sie sich nicht in bestimmte, sich gegenseitig ausschliessende Typen unterteilen lassen, bekräftigen die Annahme, dass ein eng eingrenzbarer Produktionsraum für die Schlangentöpfe der Gruppe A und wohl auch C aus Augst und Kaiseraugst angenommen werden kann. Ob es sich um eine einzelne Werkstatt oder um einen einzelnen Töpferbezirk handelt, bleibt unklar. Durch Funde sowohl in den Töpferbezirken Venusstrasse-Ost als auch in anderen Augster Töpfereien und durch die Vielfalt beispielsweise der Schlangenköpfe wird jedoch deutlich, dass auf jeden Fall mit mehreren Töpfern gerechnet werden muss.

Die durch die Typologie erarbeiteten Datierungen, die zeitliche Eingrenzung der bereits publizierten Schlangentöpfe und die aus den datierten Fundkomplexen resultierenden chronologischen Ansätze liefern im Grossen und Ganzen ein sich entsprechendes, einheitliches Ergebnis. Vor allem die Resultate der Typologie und die Datierungen der Fundkomplexe stimmen in den entscheidenden Punkten - Gefässformen und Randformen - überein. Die Schlangentöpfe der Gruppe A aus Augst und Kaiseraugst tauchen demnach in der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts, wohl in spättiberischer Zeit, auf und erfahren in der 2. Hälfte des 1. und in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts ihre Blütezeit. Dass sie noch in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert in Gebrauch waren, kann - trotz weniger Fundkomplexe aus dieser Zeit - ausgeschlossen werden.

Die Schlangentöpfe der Gruppe B aus Augst können auf Grund der verlorenen Befunde und der geringen Anzahl nur mit den in Vindonissa recht zahlreich belegten Krateren und den Stücken aus Avenches und Neuss verglichen werden, die ins 1. Jahrhundert datiert werden.

Die Gefässe der Gruppe C weisen mehrheitlich ins 2. und 3. Jahrhundert.

Auf Grund der Gefässform kommt für alle Schlangentöpfe der Gruppe A nur eine Funktion als Flüssigkeitsbehälter in Frage. Der Krater der Gruppe B kann in die Reihe der Mischgefässe gestellt werden. Im Kult, in dem die Schlangentöpfe verwendet wurden, wird deshalb Flüssigkeit, mit grosser Wahrscheinlichkeit Wasser und/oder Wein, eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die plastischen Auflagen, besonders die Schlangen, legen die Vermutung nahe, dass das Symbol des Schutzes im weitesten Sinne zum Inhalt des Kultes gehören.

Die Fundhäufungen von Schlangentöpfen der Gruppe A in den Wohnhäusern und das Fehlen eines Kultgebäudes oder Kultortes lassen annehmen, dass sich hier ein kultischer Brauch - vielleicht in Form eines Trankopfers - im familiären Kreis in oder beim Lararium abzeichnet. Den Inhalt dieses Kultes und die genaue Aufgabe der Kultgefässe kennen wir jedoch nicht. Beim Versuch, die Schlangentöpfe aus Augst und Kaiseraugst einem bestimmten Kult zuzuweisen, muss unterstrichen werden, dass nicht alle Gefässe demselben Kult und der damit verbundenen Gottheit angehörten, sondern dass ihnen auf Grund der formalen, zeitlichen und funktionalen Unterschiede eine verschiedenartige Aufgabe zugekommen sein muss: Die Schlangentöpfe der Gruppe A gehören einem privaten Hauskult an, in dem die Schlangen den Schutz des Hauses und der Familie gewährleisten sollten. Die Kratere der Gruppe B lassen sich wohl dem in Vindonissa belegten orientalischen Mysterienkult des Sabazios zuordnen, und Fragmente der Gruppe C liefern die bisher einzigen Zeugnisse für Schlangentöpfe in Augst, die im römischen Mithraskult verwendet wurden.

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Résumé

Le présent ouvrage traite des vases à serpents romains d'Augst et Kaiseraugst, récipients sur l'anse, ou les anses desquels sont appliqués des serpents. Jusqu'à présent, 74 individus sont clairement identifiables, qui se répartissent en 3 groupes: le groupe A comprend des tonnelets ou bouteilles avec des serpents en relief à tête stylisée de bélier. Avec 68 individus, c'est l'ensemble principal du matériel présenté. Le groupe B comprend des cratères à trois anses autour desquelles s'enroulent des serpents: il n'en existe que deux exemplaires. Dans le groupe C, hétérogène, on trouve des récipients avec serpents appliqués dont la forme n'est pas identifiable avec précision: il est représenté par un fragment de panse et trois anses.

L'analyse typologique du groupe A permet de différencier diverses caractéristiques, qui ne forment cependant pas des types clairement dissociés. Une certaine régularité dans la présence simultanée de plusieurs critères sur un même récipient se dessine cependant et nous fait définir ainsi la forme de vases à serpents typique d'Augst et Kaiseraugst, c'est-à-dire quantitativement la plus répandue: un haut tonnelet, à épaule très marquée presque horizontale, court bord vertical et pied rentrant; la tête du serpent n'a que peu à voir avec un bélier; le corps, de section en bandeau large ou triangulaire, s'étend tout droit ou ondulant sur le récipient. Suivant les récipients, le nombre de serpents varie de un à trois.

Le cratère du groupe B est un récipient ouvert, légèrement trapu, dont les trois anses sont entourées par un serpent. A peu près à la hauteur du bord, les anses sont surmontées d'un petit gobelet en forme de trompette. Entre les anses, des appliques en relief: une tortue, une grenouille et vraisemblablement une deuxième tortue.

Les récipients du groupe C ne peuvent pas être classer avec précision; ils appartiennent certainement à des récipients ouverts à deux ou trois anses, sur ou autour desquelles ondulent des serpents.

Le fait que le fond de certains vases à serpents du groupe A manque, qui pourrait faire penser à des objets de libation, n'est en aucun cas intentionnel: en effet les fonds étaient tournés dans un deuxième temps, dans une argile particulière; la soudure qui en résultait était un point faible, où les cassures survenaient facilement. C'est de cette façon que certains fonds de vases ont disparus.

Le matériau des vases des groupes A et C se compose d'une part d'une argile gris clair ou rouge orangé, d'autre part d'une pâte fumigée noire ou grise typique de la production céramique locale. L'argile rouge orangé à surface beige, limitée aux cratères du groupe B, n'est certainement pas locale et s'apparente au matériau des cratères de Vindonissa.

Les vases à serpents d'Augst et Kaiseraugst se trouvent avant tout dans les habitations et les quartiers artisanaux, mais sont presque inexistants dans les installations publiques et, chose intéressante, dans les zones de temples.

En raison du manque de publications sur les vases à serpents en dehors de Augst et Kaiseraugst, et du fait que les quelques lieux de découverte se concentrent pour la plupart dans le nord-ouest de la Suisse, dans le "voisinage" des pièces décrites ici, ou en Valais (étude de F. Wiblé), une interprétation de cette aire de distribution pour l'instant fort large est impossible. Il est toutefois intéressant de remarquer que le petit bord droit typique des vases à serpents d'Augst et de Kaiseraugst ne se retrouve pas ailleurs. De même, le serpent à tête de bélier semble être une spécialité de la région d'Augst.

Pour le cratère du groupe B, seuls trois parallèles exacts sont connus à ce jour hors d'Augst: Vindonissa, Avenches et Neuss. On ne peut donc que remarquer que non seulement à Augst, mais à Vindonissa également, les deux types de vases à serpents sont attestés conjointement, la proportion de vases des groupes A et B étant exactement inversée à Vindonissa, ce qui illustre visiblement l'opposition colonie-camp légionnaire.

La présence de quelques ratés de cuisson atteste la fabrication de vases à serpents à Augst. La diversité des formes et le fait qu'ils ne se répartissent pas en types précis s'opposant mutuellement, accentue l'idée qu'il existait à Augst et Kaiseraugst un lieu de production bien délimité pour les vases à serpents du groupe A, et vraisemblablement du groupe C. On ne peut cependant dire s'il s'agissait d'un seul atelier ou d'un quartier de potiers. Des trouvailles faites aussi bien dans les ateliers de la Venusstrasse-est que dans ceux d'Augst, ainsi que la diversité des têtes de serpents, par exemple, montre cependant clairement qu'il devait en tous les cas y avoir plusieurs potiers.

Les datations élaborées sur la base de la typologie, la fourchette donnée pour les vases à serpents déjà publiés et les estimations chronologiques tirées des complexes datés, donnent un résultat globalement cohérent et homogène. Les résultats de la typologie et les datations des ensembles concordent tout particulièrement sur les deux points décisifs de la forme des récipients et des bords. Les vases à serpents du groupe A provenant d'Augst et Kaiseraugst font leur apparition dans la 1ère moitié du 1er siècle, vraisemblablement sous Tibère, et connaissent leur apogée dans la 1ère moitié du 2e siècle. Malgré le petit nombre d'ensembles de cette période, on peut exclure que ces récipients aient encore été utilisés aux 2e et 3e siècles.

En raison de leur nombre très faible, les vases à serpents du groupe B d'Augst ne peuvent qu'être comparés aux cratères relativement abondants de Vindonissa et aux éxamples d'Avenches et de Neuss, datés du 1er siècle.

Une partie des vases du groupe C remontent aux 2e et 3e siècles.

D'après leur forme, tous les vases du groupe A sont à considérer comme des récipients destiner à recevoir des liquides. Les cratères du groupe B peuvent être classés parmi les récipients mixtes.

Le liquide, vraisemblablement l'eau et/ou le vin, devait avoir une grande importance dans le culte dans lequel étaient utilisés les vases à serpents. Les appliques en relief, et tout particulièrement les serpents, laissent supposer que le symbole de la protection, au sens large du terme, était contenu dans ce culte.

La concentration des vases à serpents du groupe A dans les habitations et l'absence d'un bâtiment ou d'un lieu de culte laissent penser qu'il s'agissait d'un usage cultuel (vraisemblablement sous forme de libations) réservé au cercle familial, dans ou près du laraire. Le contenu de ce culte ainsi que l'usage précis des vases reste cependant inconnu. Dans la tentative de rattacher les vases à serpents d'Augst et Kaiseraugst à un culte précis, il faut souligner que tous les récipients n'appartenaient pas à un même culte, et donc à la divinité qui s'y rattachait, mais qu'il faut leur attribuer un rôle différent selon leurs spécificités de forme, de chronologie et d'utilisation: Les vases du groupe A se rattache à un culte domestique privé, dans lequel les serpents doivent assurer la protection de la maison et de la famille. Les cratères du groupe B peuvent être mis en relation avec le culte à mystères oriental de Sabazios, attesté à Vindonissa. Quant aux fragments du groupe C, ils pourraient bien constituer les seuls témoins connus à ce jour de vases à serpents d'Augst utilisés dans le culte romain de Mithra.

(traduction Catherine May Castella)


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