Markus Trunk: Am Ende dieses Versuchs, römische Tempel in der Provinz ein wenig in das Interesse archäologischer Bauforschung zu rücken, steht ein kurzer Rückblick auf einige der auf den
vorausgegangenen Seiten gewonnenen Resultate, die dem Verfasser wichtig scheinen und daher auf diese Weise noch einmal unterstrichen werden. So ist hoffentlich eine Art
'Ehrenrettung' römischer Ringhallentempel gelungen, die bislang mehr oder weniger als Ausnahmeerscheinungen im römischen Tempelbau gehandelt wurden. Ansätze zur
Herleitung einiger Charakteristika ihrer Grundrisse, vor allem ihrer Vorhallengestaltung, wurden aufgezeigt. Die peripteralen Tempel im hier gewählten geographischen Rahmen
stehen somit sinnvoll - und nicht als Ausnahmen - im Denkmälerbestand der bekannten römischen Tempel im Westen des Reiches. Dies gilt auch für die beiden Tempel in Augst
(K1, K2), die vor allem aufgrund einer Beobachtung bei der Fundamentierung freistehender Säulen als Ringhallenbauten rekonstruiert worden sind, wobei diese Beobachtungen
aber nicht als 'Gesetze' römischen Bauens zu verstehen sind, sondern als eine sich im Befund einer Reihe von rekonstruierbaren Bauten abzeichnende Vorgehensweise in der
römischen Baupraxis, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die vorgelegten Rekonstruktionsvorschläge rechtfertigt. Ein weiterer wichtiger Punkt, auf den noch einmal hingewiesen sei, ist die Bedeutung des Tempels für das Ensemble Gallischer Forumsanlagen, die als Staatsmonumente in ihrer
Ausrichtung und der Gestaltung der Area sacra ganz auf den Tempel und seine 'Inszenierung' abgestimmt sind. Ob sich das Schema dieser Platzanlagen, die unter einigen
ausgewählten Aspekten diskutiert worden sind, nun in Norditalien oder in der Gallia Narbonensis letztendlich gefestigt hat, mag dahingestellt bleiben, wichtig aber ist, dass der
Ausbau der Stadtzentren des Rheingebietes und der Gallia Belgica von Südfrankreich aus erfolgte, von wo das Konzept dieser Plätze allmählich nach Norden 'wanderte'. In diese
Ausbreitungsbewegung kann nun auch das Augster Forum (K1) eingegliedert werden, dessen erste Steinbauphase entgegen älteren Vermutungen bereits in das 2. oder 3. Viertel
des 1. Jahrhunderts gehören muss, die Zeit also, in der die postulierte 'Wanderung' den Schweizer Raum erreichte. Analog zu dieser Ausbreitung des Platzschemas finden sich
selbst noch im Norden des Rheingebiets Elemente in der Bauornamentik, die auf denselben Wegen bis in das augusteische Südfrankreich zurückverfolgt werden können.
Andeutungsweise ist anhand der Formen korinthischer Kapitelle und anderer Schmuckmotive (lesbisches Kymation) diese 'Wanderung' nachvollzogen worden. Eine systematische
Aufnahme der Architekturdekoration vor allem in Ostfrankreich, die im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden konnte, würde diese Abhängigkeiten eindrucksvoller
herausstellen können, als es hier möglich war. Damit soll die Bedeutung Oberitaliens für die Romanisierung und die Kunst des Rheingebiets nicht geleugnet werden. Gerade Köln
mit seinem dreizelligen Capitol (K12) muss enge Verbindungen mit Oberitalien besessen haben. Der Weg bei der Vermittlung der Bauformen läuft aber sicherlich über
Südfrankreich, dessen zumindest mittelbarer Ausstrahlung das Mittel- und Niederrheingebiet spätestens seit neronischer Zeit verstärkt ausgesetzt ist, während am Oberrhein bereits
in (tiberisch-) claudischer Zeit Verbindungen zur Narbonensis spürbar sind. Ab dieser Zeit setzt auch die monumentale Ausgestaltung des Augster Stadtzentrums und seiner
öffentlichen Grossbauten ein: wahrscheinlich sind nicht nur Forum (K1) und Theater etwa um die Mitte des 1. Jahrhunderts entstanden, sondern erreichte der Ausbau in der 2.
Jahrhunderthälfte auch den Schönbühl (K2) und die Grienmatt (A1). Mit der Umdatierung des Augster Forums ist - und dies sei hier erwähnt, obwohl es die Problematik römischer Tempel nur ganz am Rande betrifft - auch für die Entwicklung der
römischen Marktbasilika, vor allem der Basilika Ulpia in Rom, ein interessanter Aspekt berührt. Obwohl die Datierung der älteren Augster Basilika in das 2., wahrscheinlich aber das
frühe 3. Viertel des 1. Jahrhunderts noch eines Beweises in Form eines gesicherten stratigraphischen Befundes bedarf, ist zum einen die Frage nach dem militärischen
Grundkonzept des Traiansforums neu zu stellen, zum anderen wird deutlich, dass auch die Nordwest-Provinzen bei der Ausprägung und Entwicklung von Bautypen eine - wenn
auch bescheidene - Rolle gespielt haben. Das heisst, dass Entwicklungen in der römischen Architektur nicht nur von der Hauptstadt aus gesehen werden dürfen, deren ferner
Abglanz dann in der Provinz spürbar wird, sondern dass sich vielmehr in einer Region mit reger Bautätigkeit in einer relativ kurzen Zeitspanne, wie es Gallia Lugdunensis, Gallia
Belgica und das Rheingebiet im Laufe des 1. Jahrhunderts ohne Zweifel waren, auch ohne äussere Vorbilder neue Bauideen entwickeln konnten, die auf die Hauptstadt
zurückwirkten. Während dort seit augusteischer Zeit im Laufe des 1. Jahrhunderts praktisch keine Neubauten errichtet wurden, sondern lediglich die bestehenden Basiliken dem
ursprünglichen Grund- und Aufriss folgend restauriert wurden, bot sich hier dem römischen Architekten das geeignete Experimentierfeld für die Weiterentwicklung des Bautyps.
Auch wenn der Beitrag zu Innovationen in der römischen Architektur, den der Nordwesten im 1. Jahrhundert geleistet hat, nicht mit dem zu vergleichen ist, was etwa Nordafrika für
die spätere Kaiserzeit bedeutete, so sind doch offenbar gerade in der Entwicklung der römischen Marktbasilika in Richtung auf die Basilika Ulpia wichtige Entwicklungen hier
vorweggenommen, vor allem da die Lage der Basilika an der Kopfseite eines Platzes, wie sie beim gallischen Forum bald üblich wurde, die apsidiale Erweiterung der
Basilikaschmalseiten sicherlich begünstigt hat. Als ein weiteres ausgesprochen interessantes Phänomen sei sodann noch einmal auf die Storchensäule des Cigognier-Heiligtums in Avenches (K4) verwiesen, die im Anschluss
zweier unterschiedlich proportionierter Architektursysteme aneinander eine Lösung aufweist, wie sie im erhaltenen Denkmälerbestand des gesamten Imperiums nur selten
anzutreffen ist. Selbst wenn in dem Überblick, der zu dieser Problematik zu geben versucht wurde, der eine oder andere Befund 'übersehen' worden sein sollte, sind es doch nur
eine Handvoll von Architekturen, die ähnlich elegante Lösungen aufzuzeigen vermögen wie die Storchensäule, deren Bedeutung in diesem Punkt - gerade etwa im Hinblick auf eine
Rekonstruktion des Templum Pacis in Rom - kaum hoch genug veranschlagt werden kann, wobei zu diskutieren bleibt, ob überhaupt schon in flavisch-traianischer Zeit mit
unmittelbar vergleichbaren 'Säulenbündeln' zu rechnen ist. Zuletzt darf als Ausblick auf Erkenntnismöglichkeiten in den nächsten Jahren in Aussicht gestellt werden, dass viele der hier angeschnittenen Fragen bald auf einer völlig
veränderten Grundlage diskutierbar sein werden. Dies beginnt bei der Bewertung römischer Peripteraltempel insgesamt, wobei mit der Aufnahme und Publikation der Tempel des
Mars Ultor (J. Ganzert), der Venus Genetrix (C.M. Amici) und des Apollo auf dem Marsfeld (E. La Rocca) sowie der Abschlusspublikation der skandinavischen Grabungen am
Castortempel auf dem Forum Romanum allein vier wichtige augusteische Bauten in Rom endlich mit der nötigen Verlässlichkeit beurteilbar werden. In diesem Zusammenhang ist
noch einmal daran zu erinnern, dass eine Bauaufnahme des Tempels des Augustus und der Livia in Vienne, der ein wichtiges Bindeglied bei der Entwicklung römischer
Ringhallentempel darstellt, ein dringendes Desiderat der Forschung ist. Der Publikationsstand im hier gewählten geographischen Rahmen wird schliesslich durch die Gesamtpublikation des Forums in Nyon durch P. Bridel und die Monographie über den
Baudekor des Cigognier-Heiligtums in Avenches von M. Bossert bald wesentlich bereichert sein. Hinzu kommt die Erfassung aller skulpierten Architekturfragmente in Mainz durch
H.G. Frenz im Rahmen des CSIR, der hoffentlich andernorts ähnliche Kataloge folgen werden, so dass bei der Bewertung des Bauornaments, vor allem stilistischer Entwicklungen
und überregionaler Zusammenhänge, endlich Fortschritte erzielt werden können, zumal auch in Frankreich begonnen wird, das nur schwer zugängliche Material zu erschliessen.
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Zusammenfassungen / Summaries / Résumées
Römische Tempel in den Rhein- und westlichen Donauprovinzen
(Forschungen in Augst 14)
Les temples romains dans les provinces du Rhin et de l'ouest du Danube. Une contribution à la classification architecturale des édifices sacrés romains d'Augst
Au terme de cet essai visant à rattacher un peu les temples romains de la province à l'intérêt de la recherche architecturale en archéologie, se trouve un bref rappel de quelques-uns des résultats obtenus dans les pages précédentes, que l'auteur juge importants et qui sont de cette façon à nouveau soulignés. Ainsi, la réhabilitation des temples romains périptères a-t-elle réussi, alors que ceux-ci étaient jusqu'à présent considérés plus ou moins comme des exceptions. Des possibilités de déduction de quelques-unes des caractéristiques de leur plan, en particulier dans l'organisation du pronaos, furent exposées. Dans le cadre géographique choisi, les temples périptères constituent une part significative de l'ensemble des temples romains connus à l'ouest de l'Empire - et non une exception. Cela vaut aussi pour les deux temples d'Augst (K1 , K2), qui ont été attribués aux temples périptères surtout sur la base des fondations de colonnes non engagées, observations qui ne constituent pas une 'règle' dans la construction romaine, mais un procédé architectural prépondérant pour toute une série de bâtiments, qui justifie selon toute vraisemblance les reconstitutions proposées.
Un autre point important, qu'il convient de souligner une fois encore, est l'importance du temple dans l'ensemble des fora de Gaule, ensembles monumentaux de l'Etat dont l'exécution et l'organisation de l'area sacra sont définis par le temple et sa 'mise en scène'. La question de savoir si le schéma de ces ensembles, dont quelques aspects particuliers ont été étudiés, se retrouve en Italie du Nord ou en Gaule Narbonnaise, peut rester en suspens. Ce qui importe est que la construction des fora des villes de Rhénanie et de Gaule Belgique vient du sud de la France, d'où la conception de ces places a peu à peu 'migré' vers le nord. Le forum d'Augst (K1), dont la première phase en dur doit, contrairement aux anciennes suppositions, remonter au 2e ou au 3e quart du 1er siècle déjà, donc dans la période où la 'migration' postulée atteint la Suisse, peut également s'inscrire dans ce mouvement. Parallèlement à cette diffusion du schéma des places publiques, on trouve au nord du domaine rhénan des éléments architectoniques que l'on peut suivre par les mêmes voies jusqu'au sud de la France de l'époque augustéenne. A titre d'exemple, ce mouvement se manifeste dans les formes de chapiteaux corinthiens et d'autres motifs ornementaux comme le kymation lesbien. Une analyse systématique du décor architectural, particulièrement dans l'est de la France, qui n'a pu être entreprise dans le cadre de ce travail, mettrait en évidence mieux qu'il ne l'a été possible ici cette influence. Le rôle de l'Italie du nord dans la romanisation et l'art du domaine rhénan ne devrait cependant pas être contesté. Cologne et son capitole à trois cellae (K12) a ainsi dû avoir des liens étroits avec le nord de l'Italie. Les voies de diffusion des formes architecturales passent cependant certainement par le sud de la France, dont le rayonnement indirect tout au moins se trouve accentué dans les parties basses et médianes du Rhin au plus tard dès Néron, alors que dans le haut Rhin, des liens avec la Narbonnaise sont déjà sensibles dès l'époque (tibéro-)claudienne. C'est également dès cette période que commence le développement monumental du centre d'Augst et de ses grands édifices publics: vraisemblablement, ce ne sont pas seulement le forum (K1) et le théâtre qui furent construits vers le milieu du 1er siècle; des édifices furent également bâtis sur le Schönbühl (K2) et le Grienmatt (A1) dans la seconde moitié de ce siècle. Bien qu'il s'agisse d'une question en marge de la problématique des temples romains, la datation du forum d'Augst soulève un point intéressant du développement des basiliques, et particulièrement de la Basilica Ulpia de Rome. Quoique la datation de la basilique la plus ancienne d'Augst estimée du 2e, ou vraisemblablement plus précisément du début du 3e quart du 1er siècle, nécessite encore d'être étayée par un ensemble stratigraphique sûr, il convient d'une part de reformuler la question d'une conception de base militaire du forum de Trajan, et d'autre part il apparaît que les provinces du nord-ouest ont joué un rôle, même modeste, dans le développement des types architecturaux. Cela signifie qu'il ne faut pas seulement voir dans l'architecture romaine un développement partant de la capitale, dont le rayonnement éloigné se ferait ensuite sentir dans la province, mais plutôt que des idées nouvelles pouvaient se développer également sans modèles extérieurs, dans des régions où une activité de construction intense a lieu dans un court laps de temps, comme c'est le cas en Gaule Lyonnaise, Belgique ou dans le domaine rhénan au cours du 1er siècle, pour avoir ensuite une influence sur la capitale. Quoique les innovations apportées au 1er siècle par les régions du nord-ouest dans l'architecture romaine ne peuvent être comparées au rôle que joua l'Afrique du nord au Bas-Empire, on voit cependant des influences importantes sur le développement des basiliques, comme par exemple la Basilica Ulpia, particulièrement dans la position en tête d'une place, devenue rapidement usuelle sur les fora de Gaule, et qui a certainement favorisé l'adjonction d'absides sur les petits côtés. La colonnade du sanctuaire du Cigognier à Avenches (K4) constitue un autre phénomène paticulièrement intéressant: il s'agit en effet d'un exemple rare dans l'ensemble des monuments de l'Empire d'une solution réunissant deux systèmes architecturaux de proportions différentes. Même si le tour d'horizon proposé pour cette problématique pouvait omettre l'une ou l'autre découverte, il n'existe qu'une poignée d'édifices qui présentent des solutions aussi élégantes que la colonnade du Cigognier, dont le rôle - particulièrement dans l'optique d'une reconstitution du Templum Pacis de Rome - a certainement été sousestimé, bien qu'il reste à voir s'il a pu exister à l'époque flavienne et trajanienne déjà des 'faisceaux de colonnes' directement comparables. Enfin, dans la perspective des nouvelles connaissances possibles pour les années à venir, il faut tenir compte du fait que bon nombre des questions soulevées ici seront bientôt traitées sur une tout autre base. Cela concerne tout d'abord l'exploitation de l'ensemble des temples périptères romains pour laquelle l'étude et la publication des temples de Mars Ultor (J. Ganzert), de Venus Genetrix (C. M. Amici) et d'Apollon du champ de Mars (E. La Rocca) et la publication des fouilles scandinaves du temple de Castor, fourniront pour le seul forum de Rome quatre édifices augustéens essentiels, qui pourront enfin être jugés avec fiabilité. Dans cette optique, il faut rappeler une fois encore, qu'une étude architecturale du temple d'Auguste et Livie à Vienne, qui constitue un élément de liaison important dans le développement des temples périptères, est un besoin pressant de la recherche.
Enfin, l'état des publications dans le cadre géographique choisi sera bientôt considérablement enrichi par la publication générale du forum de Nyon par Ph. Bridel et la monographie de M. Bossert sur le décor architectural du sanctuaire du Cigognier d'Avenches. A cela s'ajoute le recensement de tous les fragments d'architecture de Mayence par H. G. Frenz, dans le cadre du CSIR qui, espérons-le, suscitera ailleurs de semblables catalogues, afin que des progrès puissent enfin être réalisés dans l'exploitation des ornements architecturaux, et particulièrement des développements stylistiques et des liens interrégionaux, et que l'on commence en France aussi à exploiter ce matériel jusque là difficilement accessible.
(Traduction: Catherine May Castella)