Karl Stehlin (1859-1934):
Ausgrabungen in Augst 1890-1934
(Forschungen in Augst 19)
Vorwort
Das Manuskript für eine geplante Monographie von Karl Stehlin (1856-1934) gelangte - kurz vor dem Tod Stehlins - vor 60 Jahren am 3. August 1934 an Rudolf Laur-Belart, der
jedoch die ursprüngliche Publikationsabsicht nie realisierte. Aus dem Nachlass Laur-Belart gelangte das handschriftliche Manuskript schliesslich - in zwei Fassungen und mitsamt
zahlreichen Tuschezeichnungen von K. Stehlin - via die «Römerstiftung Dr. René Clavel» an mich zu Handen des Römermuseums Augst. Es wird heute in unserem Archiv in Augst
aufbewahrt. Die Transkription besorgte 1991 - in unserem Auftrag und auf Anregung von Peter-A. Schwarz - Heiner Speiser von der «Gesellschaft für Arbeit und Wohnen» in Basel.
Die vorliegende Fassung ist die von mir umformatierte und einheitlich umbrochene Überarbeitung der zeichen- und zeilengenauen Manuskript-Transkription, ergänzt durch
zahlreiche Angaben, die Constant Clareboets 1993/94 zusammengetragen hat.
Mit der vorliegenden, geringfügig überarbeiteten Fassung möchte ich das nie publizierte «Augster Lebenswerk» Karl Stehlins den an der Augster Forschung Interessierten
zugänglich machen. Fast täglich begegnen wir bei unserer Arbeit dem Wirken Stehlins, sei es in konservierten und heute zugänglichen Monumenten (z.B. Kloake bei den
Zentralthermen) oder in seinen umfangreichen Grabungsakten. Nicht erst unsere Forschergeneration am Ende des 20. Jahrhunderts vermag das Werk Karl Stehlins gebührend zu
würdigen mit all seinen klaren Beobachtungen, den unzähligen exakten Plänen und Zeichnungen und den für die antike Vergangenheit der Nordwestschweiz wegweisenden
Erkenntnissen. Bereits zu K. Stehlins Lebzeiten vermerkte Felix Staehelin, dass dieser «seit vielen Jahren in unermüdlicher stiller Tätigkeit Beobachtungen gesammelt, exakte
Messungen vorgenommen, die Ausgrabungsbefunde sorgfältig aufgezeichnet und zahlreiche Fundpläne von nicht zu überbietender Klarheit gezeichnet» habe; «er hat auch alle
Probleme ... reiflich erwogen und durchdacht, und es bleibt nur zu bedauern, dass der Versuch eines erneuten zusammenfassenden Überblicks, der ja doch einmal gewagt werden
musste, nicht von diesem in jeder Hinsicht am besten dazu geeigneten Manne unternommen wird».
Nur ein Minimum an Korrekturen, die für eine flüssige und verständliche Lektüre hilfreich sind, wurde in der vorliegenden Überarbeitung angebracht. Constant Clareboets hat keine
Mühe gescheut, allen Lücken, Massangaben und unklaren Stellen im Manuskript von Karl Stehlin nachzugehen. Sehr viele Ergänzungen konnten so im Interesse der Leserschaft
angebracht werden; sie sind - wie alle modernen Anfügungen - in eckige Klammern [...] gesetzt. Das Bereitstellen der Abbildungen 1 bis 87 und besonders die exakte Lokalisierung
vieler Beobachtungs- und Fundstellen besorgte ebenfalls C. Clareboets, dem ich für seinen akribischen Einsatz sehr danken möchte.
Es war usprünglich geplant, das Lebenswerk Karl Stehlins als Nr. 3 der «Internen Augster Arbeitspapiere» herauszubringen - in einer Form, die nicht für den Buchhandel bestimmt
ist. Im Laufe der Überarbeitung des Textes und der Ergänzung mit Plänen und Abbildungen wurde uns die Wichtigkeit von Stehlins Beobachtungen für die Dokumentation und
Erforschung der antiken Stadtgeschichte von Augusta Raurica je länger je mehr bewusst. Die vielen C. Clareboets geglückten Querverweise auf die Originalakten von K. Stehlin
und die dadurch meist rekonstruierbaren Fehlstellen im Text (Jahreszahlen, Masse usw.) ermutigten uns schliesslich, die Monographie in der Reihe «Forschungen in Augst»
herauszugeben.
(Alex R. Furger)