Eckhard Deschler-Erb: Die vorliegende Arbeit stellt eine direkte Fortsetzung der Forschungen von 1991 dar, in deren Verlauf mit Hilfe der Militaria des 1. bis früheren 2. Jahrhunderts ein
frühkaiserzeitliches Lager in der Kaiseraugster Unterstadt identifiziert werden konnte. Diese Methode wird nun auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt und führt zu einer
Gesamtschau der Beziehungen des frühkaiserzeitlichen Militärs zur Zivilstadt Augusta Raurica. Basis ist ein Katalog mit insgesamt 872 Objekten, die in die Kategorien Angriffswaffen, Verteidigungswaffen, Gürtel und Riemenschurz, weitere Ausrüstung und Signalinstrumente
unterteilt werden. Die Angriffswaffen umfassen bis auf die Bleikugeln der Schleuderer das gesamte Arsenal, das dem frühkaiserzeitlichen Militär zur Verfügung stand. Neben
Geschossbolzen sind dies Pilumteile, Speere zum Stossen oder Werfen, Pfeilspitzen, Schwert- und Dolchteile. Die zahlreichen Schwertteile liefern neben den gut bekannten
Belegen für Schwerter der Infanterie (Typ Mainz, Typ Pompeji) auch eindeutige Nachweise für Schwerter der Kavallerie. Bei den Verteidigungswaffen sind bis auf den
Muskelpanzer ebenfalls sämtliche Panzerungsarten der frühkaiserzeitlichen Armee vertreten. Darunter befinden sich Helm- und Schildteile, Beschlagteile vom Schienenpanzer
bzw. Kettenpanzer sowie Schuppen vom Schuppenpanzer. Die zahlreichen Schienenpanzerbeschläge erlauben neben der Identifikation des allgemein bekannten Schienenpanzers
vom Typ Corbridge auch den Nachweis anderer Schienenpanzertypen. Die Kategorie Gürtel und Riemenschurz stellt die zweitgrösste Einheit unter den frühen Militariakategorien
aus Augusta Raurica. Neben den Gürtelschnallen verdienen die zur Aufhängung des Militärdolches gebrauchten Knopfschliessen Beachtung, die einen Beleg zur Verwendung von
Dolchen in Augusta Raurica geben. Die Gürtelbleche erlauben einen Überblick zu sämtlichen Gestaltungsformen der frühkaiserzeitlichen Armee. Bei den Riemenschurzteilen sei
besonders auf die Gruppe der runden Beschläge mit Kopfrelief hingewiesen. Diese Gruppe, die erst ab flavischer Zeit einsetzt, erlaubt mit fünf Belegen einen guten Nachweis
flavischen Militärs in Augusta Raurica. Das Pferdegeschirr stellt die grösste Kategorie unter den frühkaiserzeitlichen Militaria. Besonders die Pferdegeschirranhänger sind
aussergewöhnlich vielseitig vertreten und bieten einen Überblick zu allen verwendeten Formen. Ein aussergewöhnliches herstellungstechnisches Detail bietet der Anhänger 534.
Die metallanalytische Untersuchung des silbrigen Überzuges ergab, dass auf eine Silberschicht eine Verzinnung - wohl zur Reparatur bzw. Auffrischung - aufgebracht wurde. Unter
der Gruppe der weiteren Ausrüstung sind alle die Objekte zusammengefasst, die mit einiger Sicherheit der Militärausrüstung zugewiesen werden können, deren genaue Funktion
aber nicht in jedem Fall gesichert ist. Am Schluss der Materialvorlage steht die Vorstellung der Signalinstrumente. Diese sind in Augusta Raurica einzig durch Mundstücke von
Blasinstrumenten belegt. Der Stand der Forschung zu den antiken Blasinstrumenten wird zusammengefasst und die vorhandenen Mundstücke den einzelnen Typen zugewiesen. Insgesamt zeigt das vorgestellte Material eine aussergewöhnliche Vielfalt und erlaubt den Nachweis aller Truppengattungen, die in der frühkaiserzeitlichen Armee präsent waren.
Eine exakte Zuweisung und mengenstatistische Auswertung dieser Belege sind aber beim derzeitigen Forschungsstand nicht möglich. Der Vorlage der Militaria folgt die stadtgeschichtliche Auswertung. Dazu werden nun auch die Daten herangezogen, die sich für die einzelnen Objekte aufgrund ihrer
Fundvergesellschaftung und ihrer Lokalisierung im Stadtgebiet von Augusta Raurica ergeben. Diese Untersuchung zeigt, dass nach einem langsamen Beginn in augusteischer Zeit
die meisten im Stadtgelände verlorengegangenen Ausrüstungsgegenstände aus tiberisch-neronischer Zeit stammen. Damit ist die Militariapräsenz aber noch nicht zu Ende. Auch
für die flavische Zeit lassen sich zahlreiche Gegenstände in der Stadt belegen. Die Militariaverteilung ergibt in Augusta Raurica einige Verbreitungsschwerpunkte: Neben dem Schwerpunkt in der Kaiseraugster Unterstadt, der eindeutig auf das dort liegende
frühkaiserzeitliche Kastell zurückzuführen ist, betrifft dies vor allem die zivilen Wohnquartiere der zentralen Augster Oberstadt und einige Zonen im südlichen Vorstadtbereich.
Besonders markant ist die Häufung im Bereich der Insula 22. Eine nähere Auswertung dieses Befundes ergab, dass hier in einer Schmiede ein kompletter Schienenpanzer - wohl
zur Gewinnung von Altmetall - auseinandergenommen worden sein muss. Um die gehäuften Vorkommen von Militaria in zivilen Wohnquartieren besser zu verstehen, wird das
Verhältnis der verschiedenen Militariakategorien zueinander in den festgestellten Verbreitungsschwerpunkten untersucht. Dabei ergibt sich, dass dieses Verhältnis in den zivilen
Wohnquartieren immer ein anderes als in den militärisch geprägten Regionen der Kaiseraugster Unterstadt ist. Derselbe Unterschied in den Verhältnissen lässt sich auch
ausserhalb von Augusta Raurica bei der Untersuchung des Militariaspektrums zahlreicher Militärplätze respektive Zivilsiedlungen des 1. Jahrhunderts nachweisen. In der Augster
Oberstadt waren also mit Sicherheit keine regulären Truppen stationiert. In einem letzten Kapitel werden alle bisher gewonnenen militärgeschichtlichen Ergebnisse auf die frühe Stadtgeschichte von Augusta Raurica übertragen und mit den Ergebnissen
der bisherigen Forschung verknüpft. Auf diese Art lässt sich ein vielfältiges Bild militärischer Präsenz in der Stadt gewinnen. Bis in die Mitte des 1. Jahrhunderts waren militärische
Einheiten nahe der Stadt stationiert; gemeinsam mit ihren Familien stellten sie einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung. Daneben waren verschiedene Gewerbebetriebe mit
der Versorgung dieser Einheiten befasst. Unter den männlichen Stadtbewohnern lassen sich einige Veteranen nachweisen, die sich nach ihrer Dienstzeit in oder bei Augusta
Raurica niedergelassen hatten. Und zuletzt ist auf die zahlreichen Truppen hinzuweisen, die auf ihrem Weg z. B. von der Donau- zur Rheingrenze in der Stadt Quartier nahmen.
Diese Präsenz dürfte bis ans Ende des 1. Jahrhunderts angehalten haben. Erst mit Beginn des 2. Jahrhunderts, der Vorverlegung der Militärgrenze nach Norden und den allgemein
friedlicheren Zeiten ist ein massives Abflauen militärischer Präsenz in Augusta Raurica nachweisbar.
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Zusammenfassungen / Summaries / Résumées
Ad arma! Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Augusta Raurica
(Forschungen in Augst 28)
The work presented here is a direct continuation of the research carried out in 1991, in the course of which, with the help of the military finds from the 1st and early 2nd century, it became possible to identify a military camp dating from the early imperial era in the lower town of Kaiseraugst. Now the same method is extended to the whole municipal area and leads to an overall picture of the interrelationship between the early imperial military establishment and the civilian town of Augusta Raurica.
The study is based on a catalogue of 872 objects in total, which are divided into categories: weapons, armour, belts and aprons, other equipment, and signalling instruments. The weapons are representative of the entire arsenal available to the early imperial army, only excluding sling-shots. Besides projectiles, there are javelin fragments, spears for stabbing or throwing, arrow heads and pieces of swords and daggers. Among the numerous sword fragments are found not only the familiar evidence of infantry swords (Mainz and Pompeii types) but also what must undoubtedly be the remains of cavalry swords. The armour category likewise includes examples of every type known to the early imperial army, only excluding muscle cuirasses. There are pieces of helmets and shields, clasps from segmental plate armour or chain mail, and scales from scale armour. The numerous segmental plate armour clasps not only allow the generally well-known Corbridge type of segmental plate armour to be identified, but also provide evidence of other types. Belts and aprons make up the second largest category of early military finds from Augusta Raurica. Besides the belt buckles, the pommel fasteners are particularly interesting; these were used for suspending military daggers from the belt and are evidence that daggers were used in Augusta Raurica. The belt plates provide a broad overview of the entire range of forms and types used in the early imperial army. Among the fragments of aprons, special attention is drawn to the group of round fasteners depicting a head in relief. This type first appeared during the reign of Flavian and, with five examples, the group is important evidence of the presence of Flavian troops in Augusta Raurica. Cavalry harness makes up the largest category of early imperial military finds. Harness pendants, in particular, are represented in extraordinary variety and offer an overview of all the forms used. Number 534 offers an unusual insight into a detail of manufacture. When the silver coating was analysed it turned out that a layer of tin had been applied over the silver, probably for the purpose of repair or refurbishment. Under the category "other equipment" are brought together all the objects which can be identified with some certainty as military equipment, but whose exact function is not always clear. The presentation of material concludes with signalling instruments. In Augusta Raurica the only evidence for these is mouth pieces from wind instruments. The present state of research into antique wind instruments is summarised and the mouthpieces identified by type.
Taken all together, the material presented here demonstrates an extraordinary variety and establishes proof of the presence of troops of every type existant in the early imperial army. Research has not yet reached the stage, however, where precise categorisation and statistical evaluation of this evidence are possible.
The presentation of the military finds is followed by their evaluation in terms of the history of the town. The study now draws on the dates assigned to each individual object, based on the particular archeological context and geographical location within the municipal area in which they were found. This investigation shows that, after a slow beginning in the reign of Augustus, most of the items of equipment lost within the town boundaries date from the time of Tiberius and Nero. The military presence did not end then, however; there are also many objects from the town which can be dated to the time of Flavian.
The distribution of military finds in Augusta Raurica shows some clusters of particular concentration. Besides the high concentration in the lower town of Kaiseraugst, which is undoubtedly due to the presence there of the early imperial fort, these clusters are above all to be found in the civilian residential areas of the central upper town of Augst and certain zones in the southern suburbs. Particularly remarkable is the large number of finds in the region of Insula 22. Closer investigation has shown that a complete set of segmental plate armour must have been dismantled in a smithy on this site - probably to salvage the metal for scrap. In order to understand better why large numbers of military objects should be found in civilian residential areas, the proportion of finds of different categories in each cluster is investigated. The results show that the proportions in the civilian residential areas are always different from those found in the parts of the lower town of Kaiseraugst which were heavily influenced by the army. Other studies outside Augusta Raurica have compared the spectrum of military finds from numerous military sites with those from civilian settlements of the 1st century and have found the same difference in the relative proportions between the categories. We can therefore be certain that no regular troops were stationed in the upper town of Augst.
In the last chapter all the results obtained hitherto concerning military history are placed in the context of the early municipal history of Augusta Raurica and links drawn with the results of research to date. In this way a many facetted picture of the military presence in the town is obtained. Up to the middle of the 1st century, military units were stationed near the town; along with their families, they made up a not-inconsiderable part of the population. In addition, various business were concerned with provisioning these units. It has been shown that some of the male population of the town were army veterans who had settled in or near Augusta Raurica after their period of service. And finally, reference must be made to the numerous troops who were quartered in the town en route, for example, from the Danube to the Rhine border. The presence of such troops must have continued until the end of the 1st century. Only with the beginning of the 2nd century, coinciding with the redrawing of the military border further north and generally more peaceful times, is there evidence of a massive decline in the military presence in Augusta Raurica.
Translation: Isabel Aitken
Le présent travail s'inscrit dans la continuité directe des études menées en 1991, qui ont permis d'identifier un camp du début de l'Empire dans la ville basse de Kaiseraugst sur la base des militaria (litt. «objets militaires») du 1er et du début du 2e siècle. Cette méthode a été étendue à l'ensemble de la ville et offre une vision globale des rapports qu'entretenaient au début de l'Empire l'armée et la ville civile d'Augusta Raurica.
Cette étude repose sur un catalogue de 872 objets, répartis dans les catégories suivantes: armes offensives et défensives, ceintures et baudriers, équipements divers, enseignes et instruments. Les armes offensives comprennent tout l'arsenal à disposition des troupes au début de l'époque impériale, sauf les boulets de plomb des catapultes. A côté des pointes de traits de catapulte, on trouve des éléments de javelots, des lances d'estoc ou de jet, des pointes de flèches, des parties d'épées et de poignards. Les innombrables éléments d'épées nous fournissent des indications non seulement sur les épées d'infanterie bien connues (types de Mayence, de Pompéi), mais aussi sur celles de la cavalerie. Parmi les armes défensives, on trouve tous les types de protections existant dans l'armée du début de l'Empire, sauf les protections musculaires. Il y a des fragments de casques, de boucliers, des éléments de cuirasses segmentées et de cottes de mailles, de même que des pièces de cuirasses à écailles. La quantité élevée de cuirasses segmentées a permis de mettre en évidence d'autres types que le type de Corbridge, le plus courant. Les ceintures et les baudriers constituent le deuxième plus important groupe parmi les catégories de militaria précoces d'Augusta Raurica. A côté des boucles de ceinture, les fermetures à bouton servant à suspendre un poignard ont aussi leur intérêt, puisqu'elles attestent l'utilisation de ce type d'armes à Augusta Raurica. Les plaques de ceinture donnent une idée des différents types d'équipement de l'armée du Haut Empire. En ce qui concerne les pendants de baudriers, le groupe des garnitures rondes à tête en relief mérite particulièrement qu'on s'y attarde: il n'apparaît en effet que dans le dernier quart du 1er siècle ap. J.-C. et constitue, avec ses cinq occurrences, une bonne attestation de la présence de l'armée flavienne à Augusta Raurica. Les pièces d'harnachement forment la catégorie la mieux représentée parmi les objets militaires du Haut Empire. Les œillets de harnais sont particulièrement nombreux et donnent une idée de l'éventail des formes utilisées. L'œillet 534 présente un détail de fabrication particulier: l'analyse métallographique de son revêtement argenté a montré qu'un étamage a été effectué sur la couche d'argent - probablement une réparation ou une remise à neuf. Le groupe des équipements divers réunit tous les objets qui peuvent être attribués avec une relative certitude à l'équipement militaire, mais dont la fonction ne peut être précisée dans tous les cas. La présentation du mobilier se termine par les enseignes et instruments. A Augusta Raurica, ceux-ci ne sont représentés que par des embouts d'instruments à vent. Le chapitre dresse l'état de la question sur ces instruments et fait l'attribution des embouts mis au jour aux types existants.
Le mobilier présenté offre une extraordinaire variété et permet d'attester tous les corps de troupes qui étaient présents dans l'armée du Haut Empire. Une attribution exacte et une exploitation statistique ne sont toutefois pas possible dans l'état actuel de la recherche.
A la suite de ce catalogue, un autre chapitre fait le lien entre ces objets et le contexte historique et géographique de la ville, grâce aux renseignements fournis par les éléments en relation et par la localisation des objets dans le territoire d'Augusta Raurica. Cette étude montre que, alors que les pièces augustéennes se trouvent en quantité très faible, la majorité des éléments d'armement dispersés sur le territoire de la colonie sont d'époque tibéro-néronienne. Les militaria ne disparaissent toutefois pas à ce moment, puisque de nombreux objets datent aussi de l'époque flavienne.
Pour ce qui est de leur répartition, les militaria d'Augst et Kaiseraugst se concentrent en quelques points forts: mise à part la ville basse de Kaiseraugst, dont la concentration s'explique évidemment par la présence du camp du Haut Empire qui se trouvait à cet endroit, les zones particulièrement concernées sont les quartiers civils d'habitation de la ville haute d'Augst et quelques zones dans les faubourgs sud de la ville. Une concentration particulièrement importante est à noter aux abords de l'Insula 22. Après un examen détaillé, il s'est avéré qu'une cuirasse segmentée entière a dû y être démontée dans une forge - certainement pour en récupérer le métal. Pour mieux comprendre l'accumulation d'objets militaires dans les quartiers civils, les différentes catégories de militaria sont mises en rapport avec les zones de concentration détectées. A l'examen, il s'avère que le rapport est toujours différent entre les zones d'habitation civiles et les quartiers militaires de la ville basse de Kaiseraugst. On constate les mêmes différences à l'extérieur d'Augusta Raurica, en comparant les éventails d'objets provenant de places d'armes et ceux de sites civils du 1er siècle ap. J.-C. On peut donc affirmer qu'aucune troupe régulière ne séjournait dans la ville haute d'Augst.
Un dernier chapitre dresse le bilan de l'ensemble des découvertes militaires faites jusqu'à présent pour les mettre en relation avec l'histoire précoce de la ville et les résultats de la recherche actuelle. On obtient de cette façon une image complète de la présence militaire à Augst. Jusque vers le milieu du 1er s. ap. J.-C., des unités étaient stationnées à proximité de la ville; avec leurs familles, ces soldats constituaient une part non négligeable de la population. Divers ateliers travaillaient pour ces unités. La population masculine comptait aussi quelques vétérans qui se sont établis à Augst ou à proximité à la fin de leur temps de service. Enfin, il faut citer les nombreuses troupes qui ont pris quartier dans la ville alors qu'elles faisaient par exemple route de la frontière danubienne à celle du Rhin. Cette présence a dû se prolonger jusque vers la fin du 1er siècle de notre ère. Ce n'est qu'au début du 2e siècle, avec le déplacement de la frontière militaire vers le nord et les temps plus pacifiques que la présence militaire à Augusta Raurica a accusé une baisse massive.
Traduction: Catherine May Castella