Peter-A. Schwarz/Ludwig Berger (Hrsg.):
Tituli Rauracenses 1. Testimonien zu den Namen von Augst und Kaiseraugst und Aufsätze zu ausgewählten Inschriften aus Augst und Kaiseraugst
(Forschungen in Augst 29)
Vorwort
Die Analyse des epigraphischen Materials gehörte schon immer zu den allerersten Disziplinen, wenn es um die Interpretation des Fundmaterials aus römerzeitlichen Stätten ging.
Wir verdanken einen hohen historischen Kenntnisstand über viele Fundorte den zahlreichen Bau-, Ehren-, Weih- und Grabinschriften.
Nicht so in Augusta Raurica, wo diese Fundkategorie auffallend selten ist! Wir vermuten heute, dass ein Grossteil der Inschriften und Skulpturen, die in der Regel aus sehr reinen
Kalksteinen gehauen waren, in spät- und nachrömischer Zeit in die Kalkbrennöfen gewandert sind und sich so unserem Fundgut entzogen haben. Nur durch diese selektive, am
Material und an der Grösse orientierte Zerstörung bleibt erklärbar, dass die Römerstadt Augusta Raurica an anderen Fundgattungen - zum Beispiel Fibeln oder figürlichen Bronzen -
so überaus reich und ergiebig ist.
Dennoch - oder umso mehr - sind die nicht gerade häufigen Inschriftfunde aus Augst und Kaiseraugst wissenschaftlich zu hinterfragen. Ich bin froh, dass dieses von mir schon
lange beklagte Desiderat von Ludwig Berger aufgegriffen wurde, als er zusammen mit den Studierenden in den Jahren 1991 und 1992 drei Blockseminare über die damals knapp
100 Steininschriften aus Augusta Raurica am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Basel durchführte. Es gelang ihm, den damaligen Augster Grabungsleiter
Peter-Andrew Schwarz, der bereits 1988 eine kleine Broschüre über «Ausgewählte Inschriften aus Augst und Kaiseraugst» verfasst hatte, als Co-Leiter für diese
Einführungsveranstaltungen in die lateinische Epigraphik zu gewinnen. Die aus diesen praktischen Übungen hervorgegangenen Seminararbeiten zu jeder dieser Inschriften sind in
der Zwischenzeit mehrfach überarbeitet worden und sollen in Form eines Gesamtkataloges als nächstes Faszikel «Tituli Rauracenses 2» ebenfalls in unserer Monographienreihe
«Forschungen in Augst» publiziert werden.
Gleichzeitig hatte Ludwig Berger ein methodisch verwandtes Vorhaben realisiert, nämlich sämtliche «Testimonien für die Namen von Augst und Kaiseraugst von den Anfängen bis
zum Ende des ersten Jahrtausends» zusammengestellt und historisch gewertet.
Kaum waren diese Publikationsabsichten über die Inschriften von Augst/Kaiseraugst in «zünftigen» Epigraphikerkreisen bekannt geworden, regten sich unverhohlene Zweifel an der
wissenschaftlichen Qualität der in Basel und Augst gediehenen Arbeiten. Etwa gleichzeitig mussten wir leider auch akzeptieren, dass eine von uns angefragte Epigraphikerin, die
wir - im Rahmen einer bezahlten Beauftragung - um die wissenschaftliche Prüfung und Redaktion der Manuskripte gebeten hatten, absagte.
So entschieden sich Ludwig Berger, Peter-A. Schwarz und ich zur «Flucht nach vorn»: Wir luden eine Gruppe namhafter Epigraphikerinnen und Epigraphiker, die sich um die für
uns aktuellen Themenbereiche verdient gemacht hatten, zu einem Kolloquium am 9. und 10. März 1994 in die Römerstiftung Dr. René Clavel auf Kastelen nach Augst ein.
Peter-Andrew Schwarz und Ludwig Berger danken allen Teilnehmenden in der folgenden Einleitung zu den «Tituli Rauracenses 1» namentlich. Auch ich bin beeindruckt und
glücklich über die Bereitschaft aller, nach anfänglichem Zögern die Hand zu konstruktiver Zusammenarbeit zu bieten. Wir verdanken diesem Expertenkolloquium von 1994 und den
in der Folge zwischen Berlin, Lausanne und Athen verfassten Manuskripten viele Korrekturen und vor allem weit reichende Perspektiven und Interpretationen zu den Augster
Inschriften. In diesem Zusammenhang blieb nur ein Wermutstropfen zu verdauen, nämlich der unerklärliche Rückzug des bereits zugesagten und abgelieferten Manuskriptes «CIL
13,5283 und AE 1991,1264» über die beiden Handquader mit den stirnseitigen Inschriften P·C·R durch Autor Hans Lieb in letzter Minute vor Redaktionsschluss. Er hätte in seinem
Beitrag mit seiner neuen Interpretation der Abkürzung P·C·R als tria nomina eines Toten oder Eigentümers eines Grabfeldes aufgewartet.
Zum Schluss bleibt mir allen Autorinnen und Autoren herzlich für ihre Arbeit an den Manuskripten, ihr Verständnis für die Redaktion und ihre Geduld bei der Drucklegung zu
danken! Ludwig Berger hatte sich von Anfang an als Projektleiter und spiritus rector des komplexen Unterfangens eingesetzt, und Peter-A. Schwarz gebührt für seine nimmermüde
Koordination der Manuskripte und Abbildungen ein besonderer Dank.