Regula Schatzmann (mit einem Beitr. von D. Schmid)
Das Südwestquartier von Augusta Raurica. Untersuchungen zu einer städtischen Randzone
(Forschung in Augst 33)
Inhalt
Der Band 33 der Reihe Forschungen in Augst ist dem Südwestquartier von Augusta Raurica gewidmet, einer städtischen Randzone, die ausserhalb des in Insulae organisierten
Zentrums, jedoch innerhalb der Stadtmauern lag. Das eigentliche Herzstück des Quartiers war die Westtorstrasse, eine wichtige Verbindungsachse zwischen dem Stadtzentrum und
der Überlandroute, die über den Hauenstein in das schweizerische Mittelland führte. Die Besiedlungsstrukturen dieses Bereichs wurden bereits in den 1960er Jahren freigelegt,
anlässlich des Baus der Autobahn N2-A3; weitere Grabungen fanden in den 1970er Jahren statt. Insbesondere für die Trasse der Autobahn mussten sehr grossflächige
Untersuchungen durchgeführt werden, dank deren ein grundlegender Einblick in die Organisation dieses Stadtgebiets gewonnen werden kann.
In einem ersten Teil der Arbeit wird die Auswertung der Befunde sowie der für die Beurteilung der Siedlungsgeschichte relevanten Funde aus vier städtetopographischen Einheiten
(Regionen 4,G, 4,D, 5,H und 5,B) und der Westtorstrasse vorgestellt. Die gewonnenen Resultate werden anschliessend in einer Synthese zusammengeführt, welche die
Entwicklung des Quartiers in einem Überblick umreisst: Die ältesten Siedlungsspuren zeigen, dass die Nutzung des untersuchten Areals bereits kurz nach der Stadtgründung
einsetzte. Den Ausgangspunkt der Entwicklung bildete dabei die Westtorstrasse; bis etwa zur Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. lassen sich drei Töpfereien nachweisen, die für diese
Zeit eine in erster Linie gewerbliche Nutzung des Gebiets belegen. Gegen das Ende des 1. Jahrhunderts entstehen dann in kurzer Folge verschiedene Steinbauten, von welchen
einige bis in das 2. Jahrhundert hinein durch Um- und Ausbauten weiter verändert werden. Die Gebäude zeigen ein sehr vielfältiges Bild: Während sich nördlich der Westtorstrasse
mehrere Streifenbauten befanden, säumten die südliche Strassenseite verschiedene Gewerbehallen, eine domus als grosszügig angelegter Wohnkomplex sowie eine sehr grosse,
wohl als Unterkunftshaus zu interpretierende Anlage.
Ein abschliessender Teil der Arbeit befasst sich mit einer Gesamtwertung des Quartiers: Durch den Vergleich mit der Situation in anderen Randbereichen von Augusta Raurica wird
deutlich, dass die Bebauung entlang der Westtorstrasse gesamthaft gesehen als überdurchschnittlich gelten muss. Die Entstehung der prominenten Bauten dürfte sich neben der
Bedeutung der Westtorstrasse als Verkehrsachse sowie den günstigen topographischen Voraussetzungen auch aus der Lage des Quartiers zwischen zwei wichtigen Stadtarealen -
nämlich dem Zentrum mit den Insulae im Osten sowie der sakralen Zone mit ihren verschiedenen Heiligtümern im Westen - herleiten.