A. R. Furger/M. Wartmann/E. Riha (m. Beitr. v. K. Hunger/E. Hildbrand/V. Hubert/M. Wörle sowie J. E. Spangenberg), Die römischen Siegelkapseln aus Augusta Raurica. Forschungen in Augst 44, 2009:
Zusammenfassung
Die 138 römischen Siegelkapseln aus Augusta Raurica (Augst im Kanton Basel-Landschaft und Kaiseraugst im Kanton Aargau, Schweiz) bilden den bisher grössten publizierten Komplex eines einzelnen Fundortes dieser relativ seltenen Fundgattung (Tabelle 4). Der Vorteil für eine
solche Fundvorlage aus Augusta Raurica liegt in der Tatsache, dass die allermeisten Objekte aus relativ gut dokumentierten Ausgrabungen stammen, ihr Kontext (Wohnhäuser, öffentliche Bauten, Tempel, Gräber) und ihre stratigraphische Vergesellschaftung mit anderen Funden
(Münzen, Keramik usw.) also bekannt ist. Dies bildet die Grundlage für die Datierung der einzelnen Typen und die Chronologie der Siegelkapseln, aber auch für Überlegungen zur Streuung dieser Objekte im Stadtperimeter (Abb. 64-68).
Archäologie und Kulturgeschichte
Im ersten archäologischen Teil dieses Buches behandelt Emilie Riha einleitend die Typologie (Abb. 23; Tabelle 2). Durch den Tod der Autorin übernahm Alex R. Furger das Projekt und vervollständigte den Katalog mit den Kapiteln zur Verwendung, Datierung (Tabelle 3), Verbreitung
und Kulturgeschichte der Siegelkapseln.
Die Siegelkapseln sind aus Dose und Deckel konstruiert und mit Scharnier- und Dekorelementen versehen (Schema: Abb. 21). Sie können aus Bein (Tierknochen) oder aus Kupferlegierungen hergestellt sein. In Augusta Raurica sind beinerne Exemplare aber bislang nicht gefunden
worden (Abb. 22; 26). Je nach Grundform sind Deckel und Dose mit einem Backen-, Rollen-, Laschen- oder Massivscharnier miteinander verbunden (Abb. 74-76). Die Scharnierachse ist immer aus Eisen. Viele Stücke haben gegenüber dem Scharnier ein Zäpfchen unten am
Deckelende, das beim Schliessen in ein Verschlussnäpfchen vorne an der Dose passt (Abb. 6).
Die Anwendung der Siegelkapseln geht aus ihrer Konstruktion und aus selten erhaltenen Resten von Wachs und von Schnüren hervor (Abb. 4; 5). Obschon eindeutig erkennbare Abdrücke im Siegelwachs bisher nicht gefunden wurden, darf davon ausgegangen werden, dass mit
Gemmenringen oder Fingerringen mit entsprechendem Metallrelief gesiegelt wurde, obschon viele Ringplatten kaum in die kleinen Kapseln passen (Abb. 9). Durch seitlich angebrachte Einkerbungen in den Kapseldosen konnte die Verpackungs- resp. Versiegelungsschnur in die Kapsel
eingeführt werden (Abb. 5,133). Dort wurde sie verknotet (Abb. 5,131), mit flüssigem Wachs übergossen und gestempelt (Abb. 7; 8), worauf der Deckel zum Schutz des empfindlichen Siegelabdruckes geschlossen wurde. Durch die Löcher im Boden konnte etwas Wachs auf die
Unterlage (z. B. das Schreibtäfelchen) fliessen, womit ein gewisser Klebeeffekt erzielt wurde. Es ist ein Beispiel bekannt, wo die Schnüre auch durch die drei Bodenlöcher geführt wurden (Abb. 4).
Die allermeisten Siegelkapseln dienten zum Verschluss von Schreibtäfelchen und zur Absicherung ihres geschriebenen Inhalts vor unbefugten Augen. Es ist durchaus auch denkbar, aber bisher nicht nachgewiesen, dass mit Kapseln auch Siegel an Päckchen und Wertsendungen
geschützt wurden (Abb. 11). Durch zwei Befunde aus Kalkriese/D und Trier/D scheint gesichert, dass auch grosse und kleine Münzbörsen bzw. Münzsäcke mit Siegelkapseln gesichert worden sind (Abb. 29,19; 51).
In einem Exkurs werden winzige Bronze- und Beinschlösschen beschrieben (Abb. 12; 13), die eine ähnliche Anwendung und Funktion wie die Siegelkapseln gehabt haben müssen (Verschluss und Versiegelung von Wert- und Vertrauenssachen).
Entgegen der Ansicht mancher Autoren sind Siegelkapseln keine spezifisch militärischen Objekte. Sie kommen in Zivilsiedlungen, vor allem in grösseren Städten, mindestens ebenso häufig vor wie in Militärstationen und Legionslagern (gemessen z. B. an der Zahl der Stili). Militärischen
Charakter scheinen aber frühe Zungenförmige und Kreisrunde Siegelkapseln aus augusteischer bis neronischer Zeit mit «imperialem» Dekorschatz zu haben (Abb. 24; 40) - ja es gibt sogar ein Stück aus Ostia/I in der singulären Form einer Benefiziarierlanze (Abb. 31). In Gräbern
kommen Siegelkapseln überall in ihrem Verbreitungsgebiet ebenfalls vor, jedoch relativ selten. Man verband dies auch schon mit der Vorstellung von einem Brief, der dem Toten ins Jenseits mitgegeben wurde. Grabfunde können aber auch von bestatteten Schreibern mit weiterem
Schreibgeräte-Zubehör stammen (z. B. Winchester/GB, Grab II [Anm. 148]). Zwei Grabfunde aus Kaiseraugst/AG stellen keine funktionstüchtigen Beigaben dar, sondern sie sind fragmentierte Altsachen in je einem spätantiken (Taf. 9,76) und frühmittelalterlichen (Taf. 15,138) Grab.
Etwas nahe liegender ist die Interpretation für Siegelkapseln aus Tempeln (Beispiele Abb. 19; 20). Es scheint durchaus wahrscheinlich, dass versiegelte Bittschriften an die Götter wie andere Spenden und Votivgaben in den Heiligtümern deponiert wurden.
Siegelkapseln gibt es von republikanischer Zeit bis ans Ende der Kaiserzeit. Spätantike Stücke sind nicht bekannt. Ihr Formwandel und ihr Verbreitungsgebiet wandeln sich stark: «Erfunden» wurden Siegelkapseln offensichtlich im Mittelmeerraum, wie die Verbreitungsbilder der
frühesten Zungenförmigen Typen zeigen (Abb. 25; 26). Diese frühe Form kommt in Bein (Abb. 22) und in Bronze (Abb. 24) gefertigt vor. Es könnte sein, dass die ab etwa 100 v. Chr. bezeugten beinernen Exemplare tatsächlich die Prototypen waren, denn die bronzenen Stücke scheinen
erst etwa eine Generation später aufzutauchen (S. 52). Im Laufe weniger Jahrzehnte ist man davon abgekommen, weiterhin Siegelkapseln aus Knochen zu schnitzen - die Bronze hatte sich offenbar besser bewährt. Ab der Kaiserzeit verlagerte sich das Einsatzgebiet von Siegelkapseln
zunehmend nach Norden, insbesondere in die Nordwestprovinzen. In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts sind die viereckigen, dünnwandigen Siegelkapseln vom Typ 7a/b geläufig (Abb. 53); sie finden sich schon deutlich weiter nördlich entlang der Achse Norditalien bis
Niedergermanien (Abb. 59). Bis in flavischer Zeit haben die damals vorherrschenden Typen 2c (Abb. 30), 5b (Abb. 40) und 5c (Abb. 41) ganz Gallien erreicht und vereinzelt auch Britannien (S. 71-76). Im Mittelmeerraum kamen bereits damals nur noch wenige Siegelkapseln in den
Boden. Mit den jüngeren, emaillierten (Abb. 29) und Phallus-verzierten (Abb. 27) Blattförmigen Siegelkapseln waren im Laufe des 2. Jahrhunderts auch die nordöstlichen Provinzen Noricum, Pannonien, Dakien usw. erreicht (Abb. 32-34; vgl. auch Abb. 48). Auch die damals geläufigen
Kreisrunden Siegelkapseln mit Emaildekor (Abb. 42; 43) und mit Tieraufsätzen (Abb. 38) finden sich vor allem in Gallien und Germanien mit vereinzelten Ablegern in den Nordostprovinzen bis Dakien und noch seltener im Süden (Iberien, Nordostprovinzen, östlicher Mittelmeerraum;
Abb. 47; 48). Fast dasselbe Verbreitungsbild wie die emaillierten Blattförmigen Siegelkapseln ergeben die aufgrund des Dekors und der Kontextdatierungen etwa gleichzeitigen Rautenförmigen emaillierten Kapseln (Abb. 35). Sie werden allerdings auffallend häufig in Britannien
gefunden (Abb. 36). Noch mehr auf das heutige England konzentriert sind die besonders späten Viereckigen Siegelkapseln mit Backenscharnier (Abb. 57), die grösstenteils auf der Insel gefunden wurden (Abb. 63).
Im Sinne einer Hypothese wird erörtert, ob dieser Rückzug der Siegelkapseln (und damit der Wachsschreibtafeln?) aus dem Mittelmeerraum in Richtung der nördlichen Reichsgrenze nicht klimatische Gründe haben kann. Immerhin ist festzustellen, dass in Teilen des Mittelmeerraums
mit seinem trockenen Klima häufiger Papyrus als Wachstafeln beschrieben wurde und ab der Spätantike auch Pergament. Diese Beschreibstoffe kommen zwar auch im Norden vor, waren aber für den Dokumententransport im dortigen feuchten Klima wenig geeignet. Die meisten
Holztafeln in Ägypten wurden - ohne Wachsbeschichtung - mit Tinte beschrieben. Hat sich Bienenwachs, das in der Hitze rasch weich wird, als Siegelstoff im Mittelmeerklima nicht bewährt? Könnten - begleitend zu den aufrollbaren Beschreibstoffen im mediterranen Raum - an Stelle der
empfindlichen Wachssiegel des Nordens im Süden die tausendfach bezeugten Tonsiegel und allenfalls Bleiplomben getreten sein (Abb. 17)? Es gibt zahlreiche Ausnahmen, die diese vermeintliche «Regel» bestätigen: auf der einen Seite Darstellungen von Papyrusrollen und -behältern
auf Reliefs und Wandmalereien bis nach Nordgallien, also in Zonen mit Wachsschreibtäfelchen und Siegelkapseln. Und andererseits kennen wir hölzerne Wachstafeln (Abb. 1) und sogar eine entsprechende Werkstatt aus Ägypten, der Heimat des Papyrus.
Dekor und «Wachsloch»
Für die oft sehr hübschen Verzierungen auf den Deckeln der Siegelkapseln hat man die ganze Palette der in der römischen Antike üblichen Dekortechniken eingesetzt: Besonders auffallend und in der Forschung am meisten beachtet sind die Dekorauflagen in Form von Phalli (Abb. 27;
39; Taf. 1) oder Tierchen (Abb. 38; Taf. 7). Sie wurden nachweislich aufgenietet, manchmal sogar mit einem dünnem Blech als Unterlage (Abb. 73).
Noch häufiger, aber erst im 2. und 3. Jahrhundert, wurden Siegelkapseldeckel mit unterschiedlichsten Mustern - ja sogar in Blättchen- und Vogelform - bunt emailliert (Abb. 29; 42; 43; 56; Taf. 2-4; 6; 9; 14, unten).
Punzierungen der Dosendeckel mit geometrischen, vegetabilen oder gar figürlichen Formen scheinen vor allem im 1. Jahrhundert in Mode gewesen zu sein (Abb. 30; Taf. 8,65).
Ebenfalls ins erste nachchristliche Jahrhundert gehören die Kreisrunden, dünnwandigen Siegelkapseln mit figürlicher Reliefverzierung (Abb. 40). Sie sind offenbar in Pressblechtechnik ausgeführt worden (Abb. 81). Auffallend an dieser Gruppe ist der Umstand, dass die meisten
Verzierungen eine «staatlich-militärische» Ikonographie zeigen wie Gottheit (Victoria), Krieger, Pferd und Adler. Eine geometrisch verzierte Variante davon sind die Stücke mit Rosettendekor (Abb. 41).
Eine besondere Gruppe von Kreisrunden Siegelkapseln ist sehr schlicht. Ihre Deckel sind lediglich mit konzentrischen Rillen resp. Wülsten «verziert». Im Zentrum sind sie zwar meist «zukorrodiert», aber unsere Beobachtungen und Analysen haben ergeben, dass die Deckel dort ein
kleines Loch haben. In mehreren Fällen liess sich die Lochfüllung archäometrisch als Gemisch von Metallkorrosion und Bienenwachs nachweisen (Taf. 17,80.86). Wir haben aus dieser Gruppe daher einen eigenen Typ 5f «mit Wachsloch im Deckel» gemacht (Abb. 44; 45).
Bezeichnenderweise haben diese Stücke kein Verschlusszäpfchen und -näpfchen gegenüber dem Scharnier. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Deckel - ohne Stempelung! - geschlossen wurden, als das Wachs noch weich war und ein wenig davon durch das Loch entwich und so
den Deckel auf der Dose festhielt. Die Dosen dieses Typs 5f sind zudem so klein, dass sie kaum mit einem Siegelring gestempelt werden könnten (Abb. 9). Der Typus kommt, wie die anderen Formen der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts, ebenfalls schwerpunktmässig in den
Nordwestprovinzen vor (Abb. 49).
Werkspuren und Technologie
Im mittleren Teil legen Maya Wartmann und Alex R. Furger die zahlreichen Beobachtungen an Werk- und Herstellungsspuren vor. Die Restauratorin hat viele Details festgehalten, die ihr beim Freilegen und Restaurieren der Objekte unter dem Binokular aufgefallen sind. Schon in
diesem Teil wird eine Teilsynthese gemacht, indem die Analyseergebnisse der Archäometrie (s. dritter Teil) in die Beurteilung von Material und Herstellung eingeflossen sind (Tabelle 5, Seite 98/99).
Die Siegelkapseln aus Kupferlegierungen wurden in der Regel gegossen. Nur der Viereckige Typ 7a scheint aus Blech gefaltet zu sein (Abb. 53), was mangels entsprechender Funde aus Augusta Raurica aber nicht am Original verifiziert werden konnte. Der Guss ist oft erstaunlich
dünnwandig, vor allem bei den frühen Kreisförmigen und Viereckigen Stücken. Die Oberflächen sind immer sorgfältig überarbeitet und poliert. Nur an versteckten Stellen sind daher noch Feilspuren zu beobachten (Abb. 72,22; 74,47; 75,131; 77,1.9; 78,53). Die beiden Schnurkerben am
oberen Dosenrand sind durch Sägen, Ausfeilen oder direkt im Guss entstanden (Abb. 78). Die Machart der unterschiedlichen Scharniertypen wird ausführlich erörtert (Abb. 74; 75). Einige Kreisrunde Dosen sind nachweislich auf der Drehbank hergestellt worden, wie konzentrisch
verlaufende Spuren und zierliche Standringe belegen (Abb. 72,86; Taf. 10). Die konzentrischen Vertiefungen auf einigen emaillierten runden Deckeln hingegen scheinen mitgegossen zu sein (Abb. 71,77).
Ein Stück fällt mit seiner unebenen Metalloberfläche, mit den offenbar mitgegossenen Bodenlöchern (aber dazwischen nicht voll ausgefüllter Bodenpartie) und einem asymmetrischen Standring auf (Taf. 11,88; Abb. 71,88). Es muss eine Art «Raubkopie» sein, d. h. ein antiker Abguss
eines gut gefertigten Stückes, das abgeformt und ohne Nachbearbeitung der Oberfläche unsorgfältig nachgegossen worden ist.
Die den Siegelkapseln eigenen Löcher im Dosenboden wurden nach Ausweis der Werkspuren - bis auf den erwähnten Nachguss - nach dem Guss angebracht, teils gebohrt, teils gestanzt bzw. durchschlagen (Abb. 79).
Leider gibt es kaum Halbfabrikate und keine archäologischen Werkstattbefunde, die uns etwas über die Herstellung und die Verbreitung der Produktionsorte sagen würden. Es darf vermutet werden, dass - aufgrund grosser Ähnlichkeiten einiger Siegelkapseltypen mit Fibeln in Form,
Konstruktion und Dekor (Abb. 28) - diese teils in denselben fabricae hergestellt worden sind. Belege für die Siegelkapsel-Herstellung aufgrund von Halbfabrikaten und Werkabfällen liegen erst aus Augst/BL und Sisak-Siscia/HR vor. Hier ist es ein missratener Guss eines Deckels (Abb.
71,77), dort sind es einige Blei-Modelle von Siegelkapseldosen (Abb. 70). Zwei kleine blattförmige Bleischeiben im Museum in Lyon/F könnten ebenfalls Gussmodelle sein (Abb. 69).
Archäometrie und Materialien
Im dritten Teil folgen naturwissenschaftliche Untersuchungen. In der Frühphase des Projektes analysierte Jorge E. Spangenberg vom Institut de minéralogie et géochimie der Universität Lausanne die Sedimentinhalte von drei Siegelkapseln auf Spuren des antiken Siegelstoffes. In
einem Fall konnte er Bienenwachs nachweisen (Kat.-Nr. 3; Abb. 128; 130).
In der Folge untersuchte das Archäometrieteam der Schweizerischen Landesmuseen in Affoltern am Albis/ZH mit Katja Hunger (Koordination), Erwin Hildbrand, Vera Hubert und Marie Wörle sehr viel mehr Oberflächen und Proben von Augster Siegelkapseln. Die von ihnen
angewandten Analysemethoden richteten sich nach den Fragestellungen, die zuvor von archäologischer und technologischer Seite formuliert worden sind (S. 97).
Dank der Raman-Spektroskopie war auch in anderen Kapseln Bienenwachs nachweisbar. Wie zu erwarten war, kamen bei der Siegelkapselproduktion relativ heterogene Kupferlegierungen zum Einsatz. Nebst Zinnbronze wurde in einigen Fällen auch Messing und sogar Bleibronze
unterschiedlichster Legierungszusammensetzungen verwendet. Die «Weissmetallüberzüge» an einem halben Dutzend Objekten erwiesen sich als Verzinnung. An Dekoreinlagen wurden Niello und Email nachgewiesen. Mehrere durchgeführte Analysenserien (Linienscans) zeigten
einerseits, dass die Backenscharniere mitgegossen und nicht aufgelötet sind. Andererseits zeigten Linienscans quer durch die partiell angeschabte Objektoberfläche (1 mm²), dass die Metallzusammensetzung erst in einer gewissen Materialtiefe für die antike Legierung repräsentative
Werte ergibt. Die Unterschiede zwischen den Korrosionsschichten und dem blanken Metall unter der Patina sind deshalb meist erheblich, weil durch den Oxydations- und Auslaugprozess im Boden die einen Elemente an der Oberfäche unter- (vor allem Zn) und andere übervertreten
(Sn, Pb; Taf. 18-41) sein können. Das konservatorische Fazit daraus ist, dass für verlässliche Legierungsanalysen die Objektoberflächen punktuell blank geschliffen werden müssen (oder aber angebohrt)! Mit zusätzlichen Flächenscans (mappings) an einigen wenigen viereckigen
Siegelkapseln wurde ermittelt, ob auf den Deckeln einst kleine Bleireliefs aufgelötet gewesen sein könnten (Typ 7d; Abb. 55; vermutlich Zinnlot auf 124 [Abb. 118]).