Ludwig Berger
Durchbrochene Messerfutterale (Thekenbeschläge) aus Augusta Raurica
(Forschungen in Augst 32)
Inhalt
Elemente der keltischen Kunst an römischen Gebrauchsobjekten
Nach mehreren Aufsätzen zum Thema der provinzial-römischen Messerfutteral-Beschläge, die bis ins Jahr 1957 zurückreichen, legt der Verfasser die abschliessende
Gesamtdarstellung vor. Sie verarbeitet 207 durchbrochene Beschläge nach chronologischen, sozialen, stilistischen, geographischen und technologischen Gesichtspunkten. Es wird
immer deutlicher, dass derartige Beschläge nicht nur in der bekannten Werkstatt des Gemellianus in der Bäderstadt Baden-Aquae Helveticae an der Limmat, sondern auch an
anderen Orten hergestellt worden sind, wobei sich aufgrund von Verbreitungsbildern verschiedener Typen mehrere Absatzgebiete von einander abheben. Sehr wahrscheinlich
durch Truppenbewegungen gelangten die hauptsächlich in Germania Superior und Raetia auftretenden Beschläge nach England, Afrika und Syrien. Dass Gemellianus, der als
einziger die Beschläge signierte, dieselben eingeführt habe, muss eine Vermutung bleiben. Es sind andere Modelle denkbar, etwa dass die im Latènestil verzierten, vermutlich
aufgrund britonnischer Einflüsse im nördlichen Obergermanien entstandenen mehrteiligen Beschläge am Anfang stehen.
Mit einer ornamenttypologischen Betrachtung der Beschläge wird erstmals versucht, ein Erzeugnis des metallverarbeitenden Kunsthandwerks des 2. und 3. Jahrhunderts n.Chr.
stilistisch zu ordnen. Dabei konnte für zwei Motivgruppen eine zunehmende Erstarrung des vordergründigen Ornaments zugunsten einer Dominanz der durchbrochenen Muster des
Untergrundes wahrscheinlich gemacht werden.