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Inhalt von "Prisca und Silvanus"

(Augster Museumshefte 15 und 18)
Das jüngste "literarische" Werk über Augusta Raurica ist ein Comic, der in engster Zusammenarbeit der Autorin mit der Römerstadt entstanden ist.
D. Šimco (Geschichte) und Roloff (Zeichnungen), Prisca und Silvanus. Band 1: Unruhige Zeiten in Augusta Raurica. Augster Museumsh. 15, Augst 1995, Band 2: Die Zerstörung von Augusta Raurica. Augster Museumsh. 18, Augst 1996

Schauplatz
Augusta Raurica, später das Kastell von Kaiseraugst

Zeit
1. Mai 239 bis 321 n. Chr.

Handlung
Silvanus wächst als Sohn des Metzgers Marcus Aurelius Ciltus und der Valeria Augustilla in Augusta Raurica auf. Als er 9 Jahre alt ist, erlebt er einen folgenschweren Tag: Zuerst lernt er die um ein Jahr jüngere Licinia Prisca, Tochter des Bronzegiessers Aulus Licinius Crescens kennen, deren Mutter bei der Geburt des zweiten Kindes gestorben ist. Die Beiden sind fortan unzertrennlich. Auf dem Heimweg von dieser ersten Begegnung beobachten sie einen Sklaven des Ciltus bei krummen Geschäften mit einem Fremden. Silvanus verfolgt diesen, stellt ihn, droht Alles auszubringen, wenn er nicht sofort verschwinde, und läuft weg. Am selben Tag verletzt sich sein zweitältester Bruder Olus, in der Metzgerei mit dem Messer. Auf dem Weg zum Arzt stossen Silvanus und sein ältester Bruder Fuscinus in der Dämmerung wieder auf den Fremden, der den Knaben erkennt und bedroht. Silvanus kann sich losreissen und zum Arzt zu laufen, während sein Bruder den Angreifer aufhält. Als Fuscinus nicht nach Hause kommt, machen Silvanus und sein Vater sich auf die Suche und finden ihn erstochen. In der Nacht stirbt Olus an einer Blutvergiftung. Am andern Tag erkennt Silvanus auf dem Markt den Mörder an der Stimme. Trotz sofortiger Verfolgung durch die Menge kann dieser entkommen.
Am 13. August 250 n.Chr. richtet ein Erdbeben in Augusta Raurica grosse Schäden an, viele Menschen sterben. Im selben Jahr wird Silvanus Lehrling bei Priscas Vater. Am 21. Juni 255 n.Chr. heiraten die Beiden. Der Ehe entspringen zwei Kinder, Reginus und Silvina. Die Situation in Augusta Raurica verschlechtert sich. Einerseits droht Gefahr von den Alamannen jenseits des Rheins, noch schlimmer aber sind die innenpolitischen Verhältnisse. Die wirtschaftliche Lage ist katastrophal, Mord, Totschlag und Kämpfe zwischen rivalisierenden Soldatengruppen sind an der Tagesordnung. Viele Einwohner wandern ab. Die 13-jährige Silvina entwischt eines Abends im Jahr 274 n.Chr. zu ihrer Freundin in die Unterstadt. Die besorgte Mutter eilt ihr nach und kann sie in letzter Minute vor dem Schwert eines Angreifers retten. Prisca selbst aber wird erschlagen und ihre zerstückelte Leiche zusammen mit andern Opfern in einen Sodbrunnen geworfen. In der Oberstadt toben Strassenschlachten, ob Alamannen daran beteiligt sind, bleibt ungewiss, es werden nur Leichen in römischen Uniformen gefunden. Die ganze Stadt wird zerstört, die verbleibende Bevölkerung zieht sich auf den eilig befestigten Sporn hinter dem Theater zurück. Im folgenden Jahr heiratet Silvina den doppelt so alten Soldaten Memusus. Die Ehe bleibt kinderlos. 13 Jahre später heiratet auch ihr Bruder Reginus, ebenfalls eine viel jüngere Frau. Als sich die politische Lage unter Kaiser Diocletian stabilisiert, errichten Truppen am Rhein das Kastell Kaiseraugst, wo Silvanus nun, 82-jährig, seinen drei Urenkelkindern aus seinem Leben erzählt.

Darstellungsweise
Die im Comic erzählte Geschichte ist um wichtige Fundstücke und Befunde aus Augusta Raurica, sowie historische Ereignisse herum gebaut. Ausgangspunkt ist der Grabstein von Olus und Fuscinus, Söhne des Ciltus, die mit 12 und 16 Jahren gestorben sind, eines der wenigen Zeugnisse, wo Jugendliche in Erscheinung treten. Der Nachteil dieser Personenwahl liegt darin, dass die Beiden im Laufe der Geschichte sterben müssen und daher nur Nebenrollen übernehmen können. Die eigentliche Handlung wird von den fiktiven Figuren Prisca und Silvanus getragen. Exkurse, wie eine Reise der beiden Protagonisten nach Aventicum, die Episode vom Trojanischen Pferd als Gutenachtgeschichte, der Auftritt von Gladiatoren oder eine Theateraufführung, bieten Anlass zur Verbreitung weiterer Informationen über die Antike.
Man kann dem Comic vorwerfen, dass er viel Gewalt enthalte. Zu den bereits erwähnten Gräueln kommen noch der ausführlich geschilderte Tod des Gladiators Taurus in der Arena und ein, glücklicherweise abgewehrter, Raubüberfall auf der Rückreise von Aventicum. Immerhin erlebt man, wie in einem antiken Drama, die blutigsten Szenen meist nur in Schilderungen von Zeugen und sieht auf den Bildern nur die Vorgeschichte und die bösen Folgen einer Tat. Natürlich kann man einwänden, dass die Handlung in unruhigen Zeiten spielt, und Tod und Gewalt eben zum Leben gehören.
Einen hohen Stellenwert hat die historische Korrektheit. Spezialisierte Fachpersonen lieferten Vorlagen für Bauwerke, Kleider, Frisuren, Hausgeräte, Redensarten und vieles Andere und überprüften später die Bilder und Texte auf Unstimmigkeiten. Ein ausführliches Quellenverzeichnis liefert Aufschlüsse über die Hintergründe selbst kleinster Details. Aus dem historischen Rahmen fallen eigentlich nur die beiden Hauptfiguren, die eher Kinder unserer Zeit sind. Es ist begreiflich, dass die Autorin als aufgeschlossene Pädagogin am Ende des 20. Jahrhunderts sich nicht zu einer Heldin durchringen wollte, die, weil weiblich, in einer patriarchalischen Gesellschaft eine unterwürfige Rolle spielt. Aber diese Prisca, die lesen und schreiben kann, sich frei in der Öffentlichkeit bewegt und, nur von einem Sklaven begleitet, sogar mit ihrem Liebsten auf Reisen geht, ist in dieser sonst so authentisch geschilderten Umgebung schlecht vorstellbar. Vielleicht hätte man hier zu einem Zeitsprung oder sonst einem verfremdenden Trick greifen sollen.

Verena Vogel Müller


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