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Zusammenfassungen / Summaries / Résumées
 

Heide Hüster Plogmann (Hrsg.), Fisch und Fischer aus zwei Jahrtausenden.
Eine fischereiwirtschaftliche Zeitreise durch die Nordwestschweiz. Forschungen in Augst 39, 2006:

Inhalt:

Günther E. Thüry Vom Verhältnis der Römer zu Bächen, Flüssen und Seen
Katharina Simon-Muscheid Der Umgang mit Wasser im hohen und späten Mittelalter
Pascal Favre Gut drainiert
Günther E. Thüry Ökologisch-medizinische Aspekte der Süsswasserfauna im Urteil der Römer
Peter-A. Schwarz Gewässerkorrektionen in römischer Zeit
Daniel Schuhmann Der Rhein in der Neuzeit
Jakob Walter Faunenveränderungen in der Neuzeit: "Främdi Fötzel"
Patricia Holm Was ist mit unseren Fischen los?
Günther E. Thüry Fischer in römischen Binnengewässern: Ein eigenes Berufsbild?
Urs Amacher Geschichte der Fischer und der Fischerei im Mittelalter
Francesca Ginella, Pirmin Koch Archäologie der römischen Binnenfischerei
Urs Amacher Mit Garnen, Netzen, Bären und Schnüren
Julia Bossart, Matthias Flück Archäologische und historische Spurensuche durch ein Jahr im Mittelalter
Andrea Hagendorn Von Gaumenfreuden und Augenweiden: Fischbecken in römischer Zeit
Simone Häberle, Elisabeth Marti-Grädel Die Teichwirtschaft vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit
Richard C. Hoffmann Der Karpfen (Cyprinus carpio L.)
Barbara Stopp, Kristina Bietenbeck Von der Erfindung der künstlichen Fischzucht im 19. Jahrhundert
Günther E. Thüry Kulinarische Aspekte der Süsswasserfauna im Urteil der Römer
Heide Hüster Plogmann Gesellschaftliche Normen und Fischkonsum
Heide Hüster Plogmann Petri heil den Archäologen und Osteologinnen!
Heide Hüster Plogmann Synthese / Conclusion / Synthesis

"Fisch und Fischer" - wie unendlich viele Assoziationen gibt es zu diesem Thema. Sie reichen von professionell-wirtschaftlichen Überlegungen bis zur schönsten Poesie. Einige von ihnen sind geprägt von Sorgen um die Zukunft, andere von Kindheitserinnerungen über Fischsilhouetten in glitzernden Bächen oder Seen an warmen Sommertagen, wieder andere erinnern an unzählige erholsame Stunden mit Fischerkollegen am Wasser. Aus dieser Bandbreite von Themen werden im vorliegenden Buch einige Aspekte herausgezogen und im Licht der Ein- und Aussichten unserer heutigen Gesellschaft und der früherer Epochen beleuchtet.

So ist zu lesen, wie der spätrömische Dichter Ausonius von den Strömungen, der wechselnden Wasserfarbe, den Spiegelbildern und dem Spiel der Fische in der Mosel träumte. Diese Lieblichkeit hatte aber enge Grenzen, und der antike Mensch besass wenig Sinn für ungebärdige, reissende Ströme, die brausend zu Tal stürzen und Bäume und Felsbrocken mit sich reissen. Schon damals war der Mensch von der Idee beseelt, die Natur zu beherrschen, wenn dafür auch Götter besänftig werden mussten …

Schillernd ist die Geschichte des "König Gropp", der in der Fasnacht eines kleinen schweizerischen Ortes am Bodensee - in Ermatingen - bis heute eine zentrale Rolle spielt. Die Entstehung der so genannten "Groppenfastnacht" soll mit dem Konzil in Konstanz zusammenhängen, das 1414-1418 am Bodensee abgehalten wurde. Eine wahre oder erfundene Geschichte? Wahr ist in jedem Fall, dass heute aus archäologischen Grabungen mittelalterlicher Latrinen Unmengen des kleinen Bodenfisches Groppe nachweisbar sind ...

Faszinierend wechselhaft verlief die Ausbreitung des Zuchtkarpfens vom Donauraum in unsere Breiten. Ein Brief aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. berichtet von einem Lebendimport aus dem Raum des heutigen Belgrad nach Italien, einem Geschenk von hohem Wert. Wurde ein solcher Fisch doch zu besonderen Anlässen dem herrschenden ostgotischen König kredenzt. Dennoch brauchte es weitere 600 bis 900 Jahre, bis der Zuchtkarpfen auch bei uns als Delikatesse geschätzt wurde. Ist das als Folge des römischen Einflusses bei uns zu werten? Sicher ist, dass die Römer der Qualität von Fischen aus stehenden, nährstoffreichen Gewässern gründlich misstrauten ...

In mancher Hinsicht vertraut erscheint uns die Geschichte der ersten künstlichen Befruchtung von Forelleneiern. 1740 gelang sie dem deutschen Landwirt Stephan Ludwig Jacobi, doch es sollten weitere 100 Jahre vergehen, bis diese Methode angewandt wurde. In den Vogesen standen die Fischer vor überfischten Gewässern und damit vor einem grossflächigen Bankrott. Das gab schlussendlich den Ausschlag, dass Napoleon III. dem Embryologen Prof. Victor Coste den Auftrag zum Bau der ersten europäischen "künstlichen Fischzuchtanstalt" in Hüningen bei Basel gab. Nach dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1871 wurde Hüningen deutsch. Die Fischzuchtanstalt blieb erhalten, es gab nur eine kleine Veränderung: Die Abgabe von Fischeiern erfolgte von nun an nur noch gegen Bezahlung ...

Auch aus unserer Zeit gibt es lesenswerte Geschichte(n) mit vielen Facetten. Als 1991 der Einsatz von Regenbogenforellen für die meisten Gewässer verboten wurde, reagierte ein Teil der Fischer geharnischt: Die Regenbogenforelle komme seit über hundert Jahren in der Schweiz vor und müsse deshalb als einheimisch gelten, das sei ja Rassismus, und genau so gut könne man auch den Anbau von Kartoffeln und Mais verbieten. Ein aus der Luft gegriffener Standpunkt?

Die Liste interessanter Themen könnte fortgesetzt werden, doch lesen Sie selbst und lassen Sie sich durch wunderschöne Illustrationen inspirieren.

Dieses Buch ist durch eine private Initiative entstanden, konnte durch private Spenden aus Fischereikreisen finanziert werden und ist durch den uneigennützigen Einsatz einer Reihe nationaler und internationaler Wissenschaftler sowie Studierenden der Universität Basel realisiert worden. Insgesamt gibt es also gute Gründe, es als "ungewöhnlich" einzustufen.


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