Werner Heinz: Wo endet die reine Körperpflege, wo beginnt der medizinische Eingriff? Handelt, wer seine strapazierte Haut einölt und dieses Öl mit dem Schaber wieder abreibt, nicht in
ärztlichem Sinne? Ein solcher Schaber - eine strigilis - gehört nicht zu medizinischem Instrumentarium. Die Grenze zwischen dem Selbstverständlichen (der Körperpflege) und dem
Besonderen (dem ärztlichen Eingriff) zu ziehen fällt schwer. Von daher schien es gerechtfertigt, einmal über die Grenzen zu schauen und Baden, Salben und ärztliches Wirken
zusammenzubringen. Die medizinische Wirkung von Bädern, Teilbädern, aufsteigenden Bädern, Duschen, Temperaturwechseln im Badedurchgang war Gegenstand der Betrachtungen eingangs dieses
Büchleins. Engster Zusammenhang zwischen Bad und Salben leuchtet immer wieder bei den Schriften der alten Mediziner hervor. Sie betreffen die Gesunden wie die Kranken.
Das Ölen und Salben macht aber nicht nur die Haut geschmeidig und gibt ihr Substanz. Vielmehr nimmt der Körper auch über die Haut die Aromastoffe und anderes auf. Es
scheint, die Antike wusste auch darum. Der Arzt schliesslich verdankte seine hohe Stellung in Rom letztlich einem Balneologen: Asklepiades von Bithynien. Mit ihm gewann das Badewesen wichtige Impulse, entfaltete
sich eine Badekultur, die in der Welt später während Jahrhunderten kaum wieder ihresgleichen hatte. Engste Zusammenhänge zwischen Bädern und Medizin konnte die Forschung
unserer Jahre aufdecken durch den Nachweis von Operationsräumen in Thermen. Allein dadurch ist eine so innige Verbindung der drei grossen Gebiete unserer Arbeit erreicht,
dass eine gemeinsame Darstellung nachgerade zu einer Notwendigkeit wird. Die antiken Quellen berichten viel über Bäder. Mit einem liebenswerten Vierzeiler, der - das muss man allerdings wissen - Teil einer Grabinschrift ist, sei der Kreis geschlossen:
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Zusammenfassungen / Summaries / Résumées
Baden, Salben und Heilen in der römischen Antike
1993 (Augster Museumshefte 13)
| BALNEA VINA VENUS CORRUMPUNT CORPORA NOSTRA SET VITAM FACIUNT B V V |
«Die Bäder, die Weine, die Liebe verderben unsere Körper; aber sie machen das Leben aus, die Bäder, die Weine, die Liebe!» |
Where does personal hygiene stop and medical treatment begin? Is not oiling one's dried out skin and removing the oil with a scraper a kind of medical application? And yet, the scraper - a strigilis - is not used as a medical instrument. It is difficult to draw a line between what is a matter of course (i.e. personal hygiene) and what is something special (i.e. medical treatment). It therefore seemed justified to cross the boundaries and take a collective look at bathing, anointing and medication.
At the beginning of this little booklet we looked at the medicinal effects of baths, partial baths, rising baths, showers and changing temperatures during the course of bathing. The writings of ancient physicians repeatedly suggest a close connection between bathing and anointing - for the healthy as well as for the sick. Oiling and anointing the skin not only softens the skin and gives it volume, but it also supplies the body with aromatic and other substances through the skin. It seems that people were aware of this in antiquity.
Physicians ultimately owed their high position in Rome to a balneologist: Asklepiades of Bythinia. From him bathing received significant stimulus, and a bathing culture developed which was hardly equalled anywhere in the world for centuries after. Modern research has been able to trace very close connections between bathing and medicine through evidence of operation theatres situated inside baths. This alone links the three principal topics of this study so closely that a collective interpretation becomes almost a necessity.
Ancient sources have a great deal to say about baths. We conclude with an endearing four-line verse, which - notably - is from a tomb inscription:
| BALNEA VINA VENUS CORRUMPUNT CORPORA NOSTRA SET VITAM FACIUNT B V V |
«Bathing, wine and love corrupt our bodies but they constitute our life. Bathing, wine and love.» |
(translation Cathy Aitken and Christoph Maier)
Où s'arrêtent les soins du corps et où commence la médecine? Celui qui oint sa peau abîmée puis enlève l'huile avec un racloir n'agit-il pas médicalement? Le racloir - ou strigile - ne fait pas partie des instruments médicaux. Il est difficile de définir la limite entre l'usage habituel (les soins du corps) et le cas particulier (l'intervention médicale). C'est la raison pour laquelle il était justifié de sortir une fois des limites de chaque domaine et de considérer ensemble bains, onguents et soins médicaux.
Les vertus curatives des bains, des douches et des changements de température de l'eau et de l'air au cours d'une visite aux thermes faisaient initialement l'objet de ce fascicule. Les liens très étroits existant entre le bain et les onctions ressortent toujours dans les anciens écrits sur la médecine. Ces soins concernent les personnes saines aussi bien que les malades. Les huiles et les onguents ne font cependant pas que rendre la peau soyeuse et la nourrir. Par l'intermédiaire de notre peau, c'est le corps lui-même qui absorbe entre autres les essences aromatiques, ce que les Anciens savaient déjà.
C'est en définitive à un balnéologue, Asklepiades de Bythinie, que le médecin romain devait son statut élevé. C'est grâce à lui qu'un important essor a été donné aux bains, autour desquels s'est développée une culture qui ne devait par la suite plus trouver sa pareille dans le monde pendant de très nombreux siècles. L'existence de salles d'opération dans certains thermes, attestée par la recherche archéologique actuelle, a permis de montrer combien étaient proches le bain et la médecine, ce qui constituait un lien entre les trois grandes parties de notre étude et a peu à peu imposé l'idée qu'une présentation commune était nécessaire.
Les sources antiques parlant des bains sont nombreuses. C'est avec un charmant quatrain provenant - il faut le savoir - d'une inscription funéraire que nous bouclerons en quelque sorte la boucle:
| BALNEA VINA VENUS CORRUMPUNT CORPORA NOSTRA SET VITAM FACIUNT B V V |
«Les bains, les vins, l'amour abîment nos corps; mais ils finissent la vie, les bains, les vins, l'amour!» |
(traduction Catherine May Castella)
Über dreihundert Kochkeramikfragmente aus Augusta Raurica tragen dunkle, organische Krusten, die sich trotz jahrhundertelanger Lagerung im Boden erhalten haben. Es sich Reste von übergelaufenem oder «angehocktem» Brei und von Mehlsuppen.
Die antiken Autoren bezeichnen diesen Brei (puls) als das Grundnahrungsmittel der Römer. Die puls und ihr Hauptbestandteil, ursprünglich der Emmer (far), fanden im bäuerlichen Alltag Roms vielfache Verwendung als Grundnahrungs- und Heilmittel sowie im Opferritual. Der Wandel Roms von der kleinen Bauernstadt zur Herrin des Mittelmeerraumes brachte auch eine Änderung der Lebensgewohnheiten mit sich. Ein sinnfälliges Beispiel ist das Aufkommen von Brot in verschiedensten Sorten. Ein markantes Datum ist das Jahr 171 v.Chr., für welches Plinius die erste Bäckerei in Rom bezeugt. In der Folgezeit wurde die puls zu einem der Symbole der vergangenen «Guten Alten Zeit». Das Brot verdrängte den Brei als Hauptnahrung in der Kaiserzeit allerdings in keiner Weise, sondern es blieb eine teure Seltenheit auf dem vom Brei beherrschten Speisezettel der einfachen Bevölkerung. Die Schriftquellen belegen die Bemühungen der Kaiser, die Versorgung Roms nicht nur mit blossem Getreide zu gewährleisten, sondern auch mit Brot. Erst Kaiser Aurelian (270-275 n.Chr.) soll dieses Unterfangen gelungen sein.
In jüngster Zeit konnte nachgewiesen werden, dass auch in Augusta Raurica häufig Getreidebrei (puls) in grosser Vielfalt in Kochtöpfen, Auflaufformen und Schüsseln zubereitet wurde. Naturwissenschaftliche Untersuchungen an Augster Kochkeramik zeigen, dass sich bei guten Erhaltungsbedingungen eingekochte Krusten an den Gefässen erhalten haben, die von den antiken Köchen und Hausfrauen nicht weggewaschen worden waren. Analysen solcher Krusten legen nahe, dass häufig sowohl dünne Mehlsuppe als auch dicker Getreidebrei gekocht wurden. Die erhaltenen Poren in den Krusten machen wahrscheinlich, dass bei uns im 1. bis 3. Jahrhundert n.Chr. Weizen, Dinkel und Gerste zu vielerlei Brei verarbeitet und oft auch Fett - z.B. Butter - und pflanzliche Beilagen wie Gemüse und Gewürze beigegeben wurden. Man gewinnt sogar den Eindruck, die neuen, noch sehr porösen Kochtöpfe seien durch Kochen einer Mehlsuppe erst einmal «abgedichtet» worden.
Im zweiten Teil dieses Heftes über die puls werden die archäologischen Quellen aus Augusta Raurica vorgelegt, nämlich 120 Keramikscherben mit erhaltenen organischen Krusten. Zu jedem Stück werden die Keramikform, die Fundstelle und der Kontext sowie die Datierung der Begleitfunde archäologisch beschrieben und die Mikrostrutur der Krusten charakterisiert. Im Anschluss an diesen Katalog folgt die Verbreitung der Funde im Stadtareal und ihre Chronologie. Im Anhang finden sich fünf antike Rezept für Brei von Cato und Apicius, eine Liste der zitierten antiken Autoren, Zeittafel und Bibliographie.
Es konnte nachgewiesen werden, dass auch in Augusta Raurica Getreidebrei (puls) in grosser Vielfalt in Kochtöpfen, Auflaufformen und Schüsseln zubereitet wurde. Die naturwissenschaftliche Begutachtung der Augster Funde zeigt, dass sich bei guten Erhaltungsbedingungen eingekochte Krusten an den Gefässen erhalten haben, die von den antiken Köchen und Hausfrauen nicht weggewaschen worden waren. Struktur, «Mikrostratigraphie» und Dicke dieser Krusten legen nahe, dass häufig sowohl dünne Mehlsuppe als auch dicker Getreidebrei im selben Gefäss gekocht wurde. Die erhaltenen Poren in den Krusten machen wahrscheinlich, dass bei uns im 1. bis 3. Jahrhundert n.Chr. Weizen, Dinkel und Gerste zu vielerlei Brei verarbeitet und oft auch Fett - z.B. Butter - und pflanzliche Beilagen wie Gemüse und Gewürze beigegeben wurden. Man gewinnt sogar den Eindruck, die neuen, noch sehr porösen Kochtöpfe seien durch Kochen einer Mehlsuppe erst einmal «abgedichtet» worden.
Es fällt auf, dass sich organische Krusten vor allem in den tiefen Schichten des 1. Jahrhunderts in der Augster Oberstadt erhalten konnten und dass diese Funde in den jüngeren Schichten sowie in der Kaiseraugster Unterstadt fast gänzlich fehlen. Diese sehr unterschiedliche Fundverteilung könnte theoretisch auf einen Wandel der Kochsitten - etwa einer Verlagerung von Brei zu Brot oder zu Getreideaufläufen (patinae) im Laufe des 2. Jahrhunderts - zurückzuführen sein. Die Autoren führen diesen Sachverhalt jedoch auf unterschiedliche Erhaltungsbedingungen zurück.
More than 300 fragments of ceramic cooking vessels from Augusta Raurica have dark, organic crusts which have been preserved despite burial over many centuries. The crusts consist of remains of porridge or flour soups which stuck to the vessels or flowed over the rims while cooking.
Antique authors indicate porridge (lat. puls) to be the main staple food of the Romans. In the everyday agricultural life of early Rome puls, which originally consisted mainly of Emmer wheat (far), was used in a variety of ways as basic food ingredient, medicine and for sacrificial rituals. As Rome evolved from a small agricultural state to a Mediterranean empire living habits also changed. Thus for example everyday diet now included bread in its various forms. The year 171 BC, for which Pliny mentioned the first bakery in Rome, is a significant date in this development. Later on puls became one of the symbols of «the good old times». Nevertheless, bread by no means replaced porridge as the staple food during the imperial period. It remained a rare luxury item for common people whose diet continued to be porridge based. Written sources testify to the efforts made by emperors to supply the city of Rome not only with grain but also with bread. This undertaking was first accomplished in the reign of Aurelian (270-275 AD).
Recent evidence from Augusta Raurica suggests that here, too, porridge made from various types of grain (puls) was made in cooking pots, baking dishes and bowls. Scientific examinations of cooking vessels from Augst show, where conditions of preservation have allowed, that crusts of baked-on food remain, which were not washed away after use. Analyses of these crusts indicate that thin flour soup was often cooked, as well as porridge. Pores preserved in the crusts suggest that during the first to third century AD wheat, dinkel and barley were used in porridge and that fat - e.g. butter - vegetables and spices were often added. There is even the possibility that new, still very porous cooking pots might have been «sealed» by first cooking flour soup in them.
(translation Cathy Aitken and Christoph Maier)
Plus de trois cents fragments de récipients culinaires, en céramique, provenant d'Augusta Raurica, portent des incrustations organiques foncées, conservées malgré leur séjour prolongé dans le terrain. Il s'agit de traces laissées par des bouillies et des soupes de gruau ayant débordé ou brûlé.
Les auteurs antiques désignent cette bouillie (la puls) comme l'aliment de base des Romains. La puls et son composant principal, à l'origine le blé amidonnier (far), trouvèrent dans la vie quotidienne rurale de Rome des usages multiples comme aliment de base pour ses propriétés thérapeutiques et dans le cadre des rituels d'offrande. L'essor de Rome, du petit bourg paysan à la capitale du monde méditerranéen, entraîna également un changement dans les modes de vie. Un exemple significatif de cette évolution est l'introduction du pain sous des formes très variées. Une date marquante est à cet égard l'année 171 av. J.-C., où Pline signale la première boulangerie de Rome. Ultérieurement, la puls devint l'un des symboles du «bon vieux temps» révolu. Néanmoins le pain ne supplanta en aucune manière la bouillie comme aliment principal sous l'Empire et demeura une rareté d'un certain prix dans le menu quotidien des humbles, pour lesquels la bouillie garda toute son importance. Les sources littéraires témoignent du souci des empereurs d'assurer l'approvisionnement de Rome non seulement en céréales brutes mais également en pains déjà prêts. Il fallut attendre l'empereur Aurélien (270-275 ap. J.-C.) pour que ce but soit enfin atteint.
Récemment, on a pu démontrer qu'à Augusta Raurica également, des bouillies de céréales (puls) de toutes sortes étaient apprêtées dans des récipients servant à la cuisson, des plats à soufflés et des terrines. Des analyses scientifiques effectuées sur des céramiques culinaires d'Augst démontrent que dans certaines conditions de conservation, des incrustations brûlées ont été préservées sur les récipients, après avoir résisté au lavage par les cuisiniers et les ménagères antiques. L'analyse de ces dépôts suggère que l'on a cuit tout aussi souvent des soupes de gruau liquides que des bouillies de céréales épaisses. La texture poreuse de ces incrustations laisse supposer que, du 1er au 3e siècle ap. J.-C., on a utilisé chez nous du froment, de l'épeautre et de l'orge dans toutes sortes de bouillies, auxquelles on ajoutait souvent un corps gras - du beurre par exemple - ou des additifs végétaux tels que des légumes et des condiments. On a même l'impression que les pots à cuire tout neufs et encore très poreux étaient au préalable en quelque sorte rendus «imperméables» par la cuisson d'une soupe de farine.
(traduction Daniel et Catherine Castella-May)