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Bäckerei und Wachposten
 
 
An idealer Passantenlage

Am Fuss einer mächtigen Hangstützmauer und direkt gegenüber dem Theater standen zur Römerzeit schmale Reihenhäuser. Einige besassen ein gemauertes Erdgeschoss und darüber einen Stock in Lehmfachwerk. Ihre Ausstattung zeigt, dass man die gute Lage hier wirtschaftlich zu nutzen wusste.

 

 
Didaktische Brotbackstube am Nordfuss des Schönbühl
 
Heute:

Einst:

 

 
Über die Jahre wurden die Gebäude entlang dieser Häuserzeile gegenüber dem Theater unterschiedlich genutzt. Um 250 bis 275 n. Chr. standen in mehreren Bauten Backöfen wie das hier gezeigte vorzüglich erhaltene Exemplar. Das Brot aus diesen Bäckereien war wahrscheinlich teilweise für das Militär bestimmt. Zu dieser Zeit waren nämlich Soldaten in Augusta Raurica stationiert, um bei Auseinandersetzungen einzuschreiten. Davon könnten Waffen zeugen, die im Brandschutt über dem Backofen zum Vorschein kamen und vom Obergeschoss stammen müssen. Deshalb sprechen wir bei diesem Komplex von "Bäckerei und Wachposten". Nach 275 n. Chr. befestigte das Militär schliesslich den Geländesporn auf Kastelen oberhalb der Bäckerei.
 

 
Im Erdgeschoss: Bäckerei
Illusionsmalerei: verputzte Fachwerkwand und "Ausblick" durch Türe und Fenster auf das Theater.
 
Heute ist das Hausheiligtum mit den vier Götterfiguren in der Bäckerei rekonstruiert
 
Vier hier zusammen gefundene Bronzestatuetten stammen wohl aus einem lararium und stellen eines der selten überlieferten Ensembles römischer Hausheiligtümer dar (zwei Statuetten des Merkur, eine Minerva und ein Zwerg).
 
So zahlreich und beisammen liegend finden sich kaum je Waffenteile in einer römischen Zivilstadt: drei Langschwerter, ein Kurzschwert, neun «Ortbänder» (Endstücke) von Schwertscheiden aus Eisen, Bronze, Bein und Elfenbein, acht Lanzen- und Geschossspitzen sowie zwei Messer mit verzierten Scheiden.
 

 
Im Obergeschoss: Wachposten
 
Um 275 n. Chr. zerstörte ein grosses Feuer das Gebäude. Verbrannt und im Schutt liegen geblieben fand man bei den Ausgrabungen neben Keramikgeschirr auch Bronzefigürchen von Gottheiten eines Hausheiligtums. Sein ursprünglicher Standort ist unbekannt. Heute ist es in der Bäckerei rekonstruiert. Ebenfalls im Brandschutt kamen zahlreiche Waffenteile zum Vorschein, allerdings nicht komplette Ausrüstungen von Soldaten, sondern gesammelte Einzelteile wie Schwerter, Schwertscheidenteile und Lanzenspitzen. Es wird deshalb vermutet, dass das Stockwerk über der Bäckerei als Wachposten und Waffenteilelager einer kleinen Truppeneinheit gedient hat.
 

 
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