Das Mosaik von Hölstein
Ein zufällig entdecktes Kunstwerk aus römischer Zeit, dessen Erhalt bis heute eine Herausforderung darstellt.
Das Mosaik von Hölstein wurde 1946 bei der Suche nach einer Wasserquelle in Hölstein, Kanton Basel-Landschaft, zufällig entdeckt. Es zierte den Boden eines Bades in einem römischen Gutshof aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.
Das etwa 15 Quadratmeter grosse Mosaik zeigt aussen ein geometrisches, schachbrettartiges Muster. Im Mittelmedaillon entfaltet sich eine farbige florale Dekoration mit Blüte im Zentrum, umgeben von einem Fries aus Glockenblüten und herzförmigen Blättern. Die Komposition erinnert an einen kunstvoll gestalteten Teppich.
Warum ist das Mosaik im Römerhaus zu sehen?
Der Gutshof im «Hinterbohl» in Hölstein gehört zu den ältesten ländlichen Siedlungen im Umland von Augusta Raurica. Solche Gutshöfe versorgten die städtische Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten und waren wirtschaftlich und sozial eng mit ihr verbunden. Daher wird das Mosaik heute passend im Römerhaus von Augusta Raurica präsentiert.
Wie kam das Mosaik hierher?
Nach der Ausgrabung des Mosaiks im Jahr 1947, entschied man sich, die freigelegten Baustrukturen nach der Dokumentation wieder zuzuschütten, das Mosaik jedoch zu erhalten. Es wurde eingegipst, in zwei Teilen aus dem Boden gehoben, mit Pferdekutsche nach Augst transportiert und restauriert. Seit den 1950er Jahren ist das Mosaik im Speisesaal (oecus) des Römerhauses zu sehen.
Bei den Grabungen kamen zudem weitere Funde wie eine Merkurstatuette, Wandmalereien und ein eisernes Fenstergitter ans Licht.
Restaurierung 2025 – Wie wird ein Mosaik restauriert?
Archäologische Zeugnisse wie dieses Mosaik im Römerhaus können sich im Boden über Jahrtausende erhalten. Sobald sie ausgegraben werden, kommen sie in Kontakt mit ihrer Umwelt – dem Menschen, der Umgebungsluft, Wind und Wetter sowie weiteren bauphysikalischen Prozessen, die Bausubstanz und Materialien schädigen können. Um das Mosaik von Hölstein für nachfolgende Generationen zu erhalten, wurde es 2025 umfassend restauriert.
Zunächst erforschten wir die Fund- und Restaurierungsgeschichte. Dies ist notwendig um zu verstehen, ob ältere Restaurierungsmaterialien – die damals nach bestem Wissen und Gewissen angewendet wurden – heute zu Schäden führen und möglicherweise ersetzt werden müssen. Dabei zeigte sich, dass sehr viele verschiedene Restaurierungsmörtel mit unterschiedlichen Eigenschaften verwendet wurden – darunter Kalk, Zement und Acrylate. Da diese Mörtel alle unterschiedlich hart sind, entstehen Spannungen, die zu Rissen im Mosaikboden führen können. Auch die glatt polierte Oberfläche ist ein Ergebnis früherer Eingriffe.
Anschliessend wurde der aktuelle Zustand erfasst. Schäden wie Risse, lose tesserae (Mosaiksteinchen) oder Hohlstellen wurden kartiert. Diese Kartierung dient der Dokumentation des Zustandes vor der Restaurierung und der Visualisierung von Schadensprozessen.
In der Restaurierung wurden schadhafte Fugen mit einem geeigneten Kalkmörtel ergänzt und gelockerte Mosaiksteine wieder befestigt. Ältere, problematische Zementmörtel wurden teilweise entfernt und die betroffenen Steine neu eingesetzt.
Steinhart? – Das Mosaik als empfindliches Konstrukt
Bei der Restaurierung hat sich gezeigt, dass ein grosser Teil der Schäden auf die intensive Begehung in den vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen sind.
Der Kalkstein aus dem die Mosaiksteinchen gefertigt sind, reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit und mechanische Belastungen. Besonders anfällig ist allerdings die Konstruktion des Bodens: Das Mosaik liegt in einem Stahlrahmen, der nicht fest mit dem Untergrund verbunden ist. Beim Begehen entstehen Schwingungen, die zu Bewegungen der Mosaiksteine, Ablösungen der Mörtelschichten und kleinen Hohlräumen führen.
Je stärker die Nutzung, desto grösser die Belastung. Langfristig droht der wertvolle antike Mosaikboden in seine Einzelteile zu zerfallen.
Derzeit prüfen wir, wie sich das Mosaik nachhaltig schützen lässt und gleichzeitig der Zugang zu den Klinen des Tricliniums für unsere Besucher:innen möglich bleibt – eine Herausforderung, die exemplarisch für die moderne Denkmalpflege steht.
Bis auf Weiteres bleibt der Speisesaal im Römerhaus gesperrt. So bleibt das Mosaik auch künftigen Besucher:innen erhalten.