Archäologie Augusta Raurica

Grabung Sichelenstrasse: erste Erkenntnisse

Die Grabung ist nach zwei Jahren pünktlich abgeschlossen und liefert spannende Einblicke in fast 300 Jahre Siedlungsgeschichte.

Veröffentlicht am: 01.10.2025 09:38

Zwischen April 2023 und Juli 2025 wurde in der Oberstadt von Augusta Raurica, entlang der Sichelenstrasse in der Flur «Im Wildental», im Zuge eines Neubauprojekts eine rund 1000 m² grosse Rettungsgrabung durchgeführt. Aufgrund der Tiefe der Baugrube bot sich hier die seltene Gelegenheit, die gesamte Besiedlungszeit des Areals – von den Anfängen im frühen 1. Jh. n. Chr. über zahlreiche Bau- und Umgestaltungsphasen bis hin zu einer squatter occupation (teilweise Instandsetzung ruinöser Bausubstanz, meist zur Einrichtung von Werkstätten) und der endgültigen Aufgabe im späten 3. Jh. n. Chr. – nachzuvollziehen.

Zu den herausragenden Entdeckungen zählen ein bislang unbekannter Kultplatz des 1. Jh. n. Chr. sowie der gemauerte Kanal des im Wildental inzwischen verschwundenen Rauschenbächleins, das im Zuge des Autobahnbaus in den 1960er-Jahren umgeleitet wurde. Darüber hinaus konnte ein Abschnitt des römischen Strassenverlaufs dokumentiert und mindestens drei Gebäude teilweise freigelegt werden, darunter ein Terrassenhaus am nördlichen Wildentalrand, das über repräsentative Räumlichkeiten mit herausragenden Wandmalereien verfügt hat.

Die Untersuchungen zeigen zudem, dass die Römer die natürliche Topographie des Wildentals durch Planierungen, Terrassierungen und Hangstützmauern mehrfach tiefgreifend an ihre Bedürfnisse anpassten – einige dieser Massnahmen sind im Gelände bis heute obertägig teilweise noch erkennbar.

Das Fundmaterial – mehr als 40 000 Objekte – umfasst neben zahlreichen Keramik- und Tierknochenfragmenten unter anderem ein Fragment einer Weiheinschrift, mehrere in Wandverputz eingeritzte Graffiti, Münzen, Fibeln und Fingerringe. Besonders ergiebig war die Verfüllung des Rauschenbachkanals und des Bachbetts, in dem offenbar viel Material verlorenging oder bewusst entsorgt wurde. Herausragend sind rund 70 Bleiplomben, die über mehrere Dutzend Meter verstreut lagen. Diese mit Namen gestempelten Plomben dienten vermutlich als Warenetiketten; gleich mehrfach ist derselbe Name – wohl Publius Rausius (?) – belegt. Noch unklar bleibt, ob es sich um einen Produktions- oder Anlieferungsort handelt und weshalb die Plomben in solcher Zahl in den Kanal gelangten.

Ein Kurzbericht zur Grabung wird in den nächsten Jahresberichten aus Augst und Kaiseraugst publiziert.